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Politik & Wirtschaft •
Benzinpreise hoch wie nie

Warum Tanken jetzt so richtig weh tut – und wann es besser wird

An Schweizer Zapfsäulen kommen derzeit gleich mehrere Probleme zusammen: Krieg, teures Rohöl und ein Rhein, der wegen der Trockenheit kaum noch als Transportweg taugt. Avenergy-Experte Ueli Bamert erklärt, warum das Benzin so teuer ist – und weshalb eine Entspannung vor allem vom Wetter abhängt.

Wer dieser Tage tankt, braucht gute Nerven. Die Preise für Benzin und Diesel haben deutlich angezogen. Und diesmal ist es nicht nur der Ölpreis, der den Autofahrern in die Quere kommt. «Wir sehen eine Kumulation der Krisen», sagt Ueli Bamert von Avenergy Suisse, dem Verband der Schweizer Mineralölwirtschaft.

An erster Stelle steht für ihn der Krieg im Iran. Seit Anfang März belastet der Konflikt die internationalen Energiemärkte. Die jüngste Eskalation verschärft die Lage zusätzlich. Der Angriff auf eine Pipeline in Saudi-Arabien und die zunehmende Bedrohung der Schifffahrt im Roten Meer sorgen für neue Unsicherheit bei der weltweiten Ölversorgung. Besonders brisant: Nach Informationen aus der Ölbranche könnten die Reparaturen an der beschädigten saudischen Ost-West-Pipeline fünf bis sechs Wochen dauern. Andere Branchenquellen halten allerdings eine frühere teilweise Wiederinbetriebnahme für möglich. Über die Leitung wurden zuletzt rund vier Millionen Barrel Rohöl pro Tag transportiert – etwa vier Prozent des weltweiten Angebots.

Die Pipeline verbindet die Ölfelder am Persischen Golf mit dem Exporthafen Yanbu am Roten Meer und ist für Saudi-Arabien gerade deshalb so wichtig, weil sie eine Alternative zur weitgehend blockierten Strasse von Hormus bietet. Sollten die Reparaturen länger dauern, könnte sich die Lage schnell verschärfen: Nach Angaben von Händlern reichen die Vorräte in Yanbu derzeit nur noch für rund fünf bis sieben Tage. Wie lange die Pipeline tatsächlich eingeschränkt bleibt, ist derzeit allerdings offen.

Der Markt reagiert entsprechend nervös. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg zuletzt zeitweise auf mehr als 108 Dollar. Das treibt den Rohölpreis nach oben – und damit letztlich auch den Preis an der Schweizer Zapfsäule.

Der Mechanismus ist simpel: Wird Rohöl auf dem Weltmarkt teurer, steigen in der Regel auch die Beschaffungskosten für die Mineralölprodukte. Das schlägt sich letztlich auch im Preis an der Tankstelle nieder. Allerdings nicht der gesamte Anstieg. Bamert weist darauf hin, dass der Benzinpreis in normalen Zeiten ungefähr zur Hälfte aus Steuern und Abgaben besteht. Steigt der Rohölpreis, schlägt das deshalb nicht im gleichen Verhältnis auf den Literpreis durch.

Jetzt macht auch noch der Rhein Probleme

Damit wäre die Geschichte eigentlich schon unangenehm genug. Doch zusätzlich spielt das Wetter den Autofahrern einen teuren Streich. Die anhaltende Trockenheit hat den Pegel des Rheins massiv sinken lassen. Für die Mineralölbranche ist das ein ernstes Problem, denn ein grosser Teil der importierten Produkte gelangt über diesen wichtigen Wasserweg in die Schweiz. Wegen des tiefen Wasserstands können Schiffe nur noch stark reduziert beladen werden. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung spricht inzwischen davon, dass der Schiffsverkehr faktisch zum Erliegen gekommen ist.

Die Folge ist wirtschaftlich ziemlich direkt spürbar: Wo früher ein Schiff eine grosse Menge Treibstoff transportieren konnte, braucht es nun deutlich mehr Fahrten oder andere Transportmittel. Bahn, Strasse und Pipeline müssen einspringen – allerdings sind auch diese Kapazitäten begrenzt. «Derzeit erhöht dies den Zapfsäulenpreis um ungefähr 15 Rappen», sagt Bamert.

Das ist eine bemerkenswerte Zahl. Allein das fehlende Wasser unter den Schiffen verteuert den Liter Benzin damit erheblich. Und genau hier sieht Bamert im Gegensatz zum Krieg auch einen Lichtblick: «Früher oder später ist hier mit Entspannung zu rechnen», sagt er. Sobald wieder genügend Regen fällt und die Pegelstände auf ein normales Mass steigen, könnten die Transportkosten wieder sinken.

Benzin ist da – trotz angespannter Lage

Von einer Benzinknappheit will die Branche allerdings nichts wissen. Das ist wichtig, denn die aktuelle Situation klingt dramatischer, als sie für Autofahrer an der Zapfsäule tatsächlich ist. Die Schweiz verfügt über verschiedene Importwege und grosse Pflichtlager. Selbst als Anfang September die einzige Schweizer Erdölraffinerie in Cressier wegen eines technischen Defekts ausfiel, blieb die Versorgung gewährleistet. Die Raffinerie deckt normalerweise etwas mehr als 30 Prozent des Schweizer Bedarfs an Mineralölprodukten.

Um die Lage zusätzlich abzusichern, erlaubte der Bund vom 8. bis 20. September begrenzte Bezüge aus den Pflichtlagern: jeweils bis zu 30'000 Kubikmeter Benzin und Diesel. Das entspricht weniger als drei Prozent der jeweiligen Pflichtlagerbestände.

Für Autofahrer bedeutet das: Das Benzin wird derzeit teuer, aber es wird nicht knapp. Genau diesen Unterschied betont Bamert. Selbst in der aussergewöhnlichen Situation dieses Sommers habe es nie einen physischen Versorgungsengpass gegeben. Benzin, Diesel, Heizöl und Kerosin seien stets ausreichend vorhanden gewesen.

Warum der Preis nicht einfach wieder sinkt

Bleibt die Frage, die sich jeder Autofahrer stellt: Wenn sich die Lage an den internationalen Märkten wieder beruhigt, warum geht der Preis an der Zapfsäule nicht sofort zurück?

Zur Frage, ob Preisbewegungen an den internationalen Märkten mit Verzögerung an den Tankstellen ankommen, will Bamert sich nicht äussern. Eine Prognose für die kommenden Wochen lehnt er ebenfalls ab: «Wir machen in dieser unübersichtlichen und unvorhersehbaren Lage keine Prognosen, das wäre unseriös.»

Eine einfache Rechnung gibt es ohnehin nicht. Neben dem Rohölpreis spielen der Dollarkurs, Frachtkosten und die Situation an den europäischen Märkten eine Rolle. Der TCS weist ebenfalls darauf hin, dass die Schweizer Treibstoffpreise stark von internationalen Produktpreisen und den Transportkosten beeinflusst werden. Die Preise können sich inzwischen teilweise innerhalb weniger Tage verändern.

Was Autofahrende jetzt selbst tun können

Klar ist aber: Beim Rhein gibt es einen Faktor, der sich vergleichsweise einfach lösen lässt. Regen würde helfen. Bis dahin bleibt nur, den eigenen Verbrauch zu drücken. Der TCS empfiehlt unter anderem eine vorausschauende und gleichmässige Fahrweise. Wer stark beschleunigt und anschliessend wieder bremst, verheizt unnötig Treibstoff. Auch unnötiger Ballast im Auto und montierte Dachträger erhöhen den Verbrauch. Wer sie nicht braucht, sollte sie abmontieren. Der TCS geht davon aus, dass sich mit einer sparsameren Fahrweise und weiteren einfachen Massnahmen je nach Auto und Einsatz bis zu 15 Prozent Verbrauch einsparen lassen.

Und noch ein einfacher Trick: Preise vergleichen. Das TCS-Benzinpreis-Radar zeigt die aktuellen Preise der Tankstellen in der Schweiz und kann helfen, den günstigeren Anbieter in der Umgebung zu finden. Gerade wenn der Tank vollgemacht werden muss, können ein paar Rappen Unterschied pro Liter durchaus ins Gewicht fallen.

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