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Politik & Wirtschaft •
Interpellation gegen «Kollaps im Talboden»

FDP-Ständerat Dittli fordert Abfahrtsperren bei Stau am Gotthard

Der Urner Ständerat Josef Dittli ärgert sich über den Ausweichverkehr, der bei Stau auf der Gotthardautobahn die Urner Talschaft blockiert. Dieser behindert die Feuerwehr, die Sanität und die Polizei bei ihren Einsätzen und bringt den regionalen Busverkehr zum Erliegen. Dittli fordert den Bundesrat auf, endlich eine Lösung zu finden.

Blickt der Urner Ständerat Josef Dittli aus dem Fenster seines Hauses in Attinghausen, stechen ihm keine 400 Meter entfernt die mächtigen Schallschutzwände der Gotthardautobahn A2 ins Auge. Kein Wunder, befasst sich der FDP-Politiker intensiv mit dem heimischen Transitkorridor. Diese Woche reichte Dittli eine Interpellation ein, welche die Urner Bevölkerung besser vor dem Ausweichverkehr auf der Gotthard-Achse schützen soll. Mit einer umfassenden Fragestaffel will Ständerat Dittli vom Bundesrat wissen, wie die Rettungsachsen sowie der öffentliche Verkehr gewährleistet werden könne, wenn der Verkehr auf der Gotthardautobahn auf die Ortschaften ausweicht und die Strassen verstopft.

Kollaps im Talboden

Ständerat Dittli stellt dem Bundesrat in seiner Interpellation nicht weniger als 11 Fragen. Fast alle Fragen zielen in dieselbe Richtung: Bei der häufigen Verkehrsüberlastung auf der A2-Gotthardroute führe der Ausweichverkehr zu massiven Störungen der Funktionsfähigkeit in den Urner Talschaften. Der Ausweichverkehr bringe zunehmend den regionalen Busverkehr zum Stillstand. Feuerwehr, Sanität und Polizei werden bei ihren Einsätzen oft gravierend behindert. Dittli spricht vom «Kollaps im Talboden». Der FDP-Ständerat ist der Meinung, dass der Bundesrat zu wenig unternimmt, um den überregionalen Transitverkehr zwingend auf der Autobahn-A2 zu belassen.

Zwangsfahrt ins Tessin?

Dittli unterstellt dem Bundesrat eine «passive Duldung des Ausweichverkehrs». Dieser Vorwurf ist teilweise unfair, denn im Zeitalter von Google Maps, das bei Stau in Echtzeit schnellere Routen vorschlägt, könnten nur Abfahrtssperren das Ausweichen verhindern. Genau solche Abfahrtssperren fordert Dittli vom Bundesrat. Aber wer darf dann noch bei hohem Verkehrsaufkommen die Autobahn A2 verlassen? Müssten Ständeratskollegen aus Zürich oder Luzern, welche Dittli in Attinghausen besuchen wollen, bei Stau zwangsweise ins Tessin weiterfahren? Und wie würden die Verkehrsteilnehmer aus dem Ausland sowie die EU-Bürokraten auf den Urner Autobahnzwang wohl reagieren?

Kanton Uri hängt am Finanztropf

Zudem sollte Ständerat Dittli nicht vergessen, dass sein Heimatkanton am Finanztropf der anderen Kantone hängt. Uri gehört seit Jahren zu den grössten Nutzniessern des Nationalen Finanzausgleichs. 2027 fliessen pro Kopf nicht weniger als 2164 Franken in die Urner Kassen. Wie die Autofahrer aus den grosszügigen Geberkantonen auf ein Urner-Talboden-Verbot reagieren könnten, bleibt offen. Wer über Jahrzehnte mit seinen Steuern mithilft, die Urner finanziell über Wasser zu halten, wird über eine kantonale Diskriminierung bei den Ausfahrten in Erstfeld oder Amsteg wenig begeistert sein.

Dittlis Ärger

Mächtig auf den Wecker geht FDP-Politiker Dittli auch das Tessiner CUPRA-System. Ab Bellinzona informieren Digitalanzeigen die Autofahrer Richtung Norden. Bei Wartezeiten am südlichen Tunnelportal empfiehlt das Leitsystem «Save 30 Minutes – drive via Pass». Damit verschieben die Tessiner den Stau auf die Gotthard-Passstrasse und erschweren die innerkantonale Verbindung zwischen dem oberen und unteren Teil des Kantons Uri. Schlussendlich ist Dittlis Ärger über den fremden Ausweichverkehr verständlich. Aber auf Abfahrtssperren werden sich die Verkehrsplaner in Bundesbern kaum einlassen.

Vignette für CHF 500?

Vielleicht würde die längst fällige Anhebung des Preises für die Autobahnvignette helfen, das Verkehrsaufkommen einzubremsen. Während wir Schweizer an den Mautstellen in Italien oder Frankreich im grossen Stil abkassiert werden, zahlen unsere EU-Nachbarn schlappe 40 Franken, um unsere milliardenteuren Transitsachsen ein Jahr lang zu nutzen.


Kolumnist und Autor Pentti Aellig ergänzt als erfahrener Autokenner und Publizist das STREETLIFE-Redaktionsteam. Als SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident politisiert er im Kanton Schaffhausen aktiv mit. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten unserer Kolumnisten nicht mit jenen der STREETLIFE-Redaktion übereinstimmen müssen.

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