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Als Parkieren in der Schweiz plötzlich Geld kostete
1952 stellt Basel als erste Stadt Europas Parkuhren auf. Was den Verkehr ordnen soll, trifft Autofahrer ins Mark: Münzen einwerfen fürs Stehen? Der Aufschrei ist programmiert – und die Parkuhr wird zur «Räuberin».
Sie steht am Strassenrand, unscheinbar und doch provozierend: eine Metallstange, oben ein Zifferblatt, vorne ein Schlitz. Wer hier parkiert, muss zahlen. Für viele Autofahrer ist das 1952 in Basel ein Schock. Denn plötzlich gilt: Stillstand ist nicht mehr gratis.
Die Idee kommt nicht aus der Schweiz, sondern aus den USA. Dort hat Carl C. Magee 1935 den ersten Parkmeter entwickelt. Sein Ziel war klar umrissen: Nicht Kasse machen, sondern Bewegung schaffen. In den Innenstädten blockierten Dauerparkierer die besten Plätze, Geschäfte klagten über ausbleibende Kundschaft. Magees Lösung: Zeit begrenzen, Wechsel erzwingen. Wer bleibt, zahlt – und macht Platz für den Nächsten.
Dass das für Ärger sorgt, zeigt sich sofort. In Oklahoma City, wo die ersten Geräte stehen, reagieren Autofahrer wütend. Die Parkuhr bekommt schnell einen Spitznamen: „Black Maria“ – eine Strassenräuberin, die Münzen verlangt, die man gerade nicht dabei hat. Einige Geräte werden beschädigt, Proteste folgen. Doch das Prinzip setzt sich durch. Gratis-Dauerparkieren ist Geschichte.
Stadt Basel als Vorreiterin
Genau dieses Modell übernimmt Basel – als erste Stadt Europas. Die Ausgangslage ist ähnlich: Der Verkehr nimmt rasant zu, das Auto wird für immer mehr Menschen erschwinglich. Laut dem Blog des Schweizerisches Nationalmuseum sind 1950 bereits 147’000 Personenwagen in der Schweiz unterwegs – mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Die Städte geraten unter Druck, Parkplätze werden knapp, die Strassen verstopfen.
Basel reagiert früh. 1952 bewilligt der damalige Verkehrsverantwortliche Adolf Ramseyer die Installation der ersten Parkuhren. Die Hoffnung: Ordnung schaffen im ruhenden Verkehr. «Die Möglichkeit … bessere Verhältnisse zu schaffen, hat etwas Bestechendes an sich», wird er im Blog des Nationalmuseums zitiert. Doch auf der Strasse klingt das anders.
Für viele Autofahrer ist die neue Regel ein Affront. Was bisher selbstverständlich war – parkieren ohne Limit – wird plötzlich zur kostenpflichtigen Angelegenheit. Die Kritik lässt nicht lange auf sich warten. Man zahlt fürs Stehen? Für nichts? Die Parkuhr wird zum Symbol eines neuen Stadtgefühls: reguliert, kontrolliert, verrechnet.
Und doch zeigt sich schnell, warum sie kommt. Die Plätze werden wieder frei. Autos verschwinden aus Dauerpositionen. Der Verkehr beginnt zu zirkulieren. Genau das war die Idee – nicht Einnahmen, sondern Rotation. Der knappe Raum soll genutzt werden, nicht blockiert.
Basel bleibt kein Einzelfall. Das Modell verbreitet sich. Schon Ende der 1950er-Jahre gehören Parkuhren in vielen europäischen Städten zum Strassenbild. Was als Zumutung beginnt, wird zur Normalität.
Verhasst bis heute
Beliebt wird die Parkuhr trotzdem nie. Zu präsent ist der Moment, in dem die Zeit abläuft. Zu ärgerlich der Griff in die Tasche. Selbst Jahrzehnte später bleibt der Frust Teil der Kultur – der Berner Chansonnier Mani Matter besingt das Problem 1970 ganz alltäglich: kein passendes Münz im entscheidenden Moment.
Technisch überlebt die klassische Parkuhr das 20. Jahrhundert nicht. Zu aufwendig die Mechanik, zu empfindlich die Münzprüfer. Mit neuen Währungen und digitalen Systemen verschwindet sie schrittweise aus dem Stadtbild. In Basel werden die letzten mechanischen Einzeluhren 2011 abgebaut.
Geblieben ist die Idee dahinter. Der Parkplatz als begrenzte Ressource. In Schweizer Städten kann man davon bis heute ein Lied singen.

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