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Verkehr •
STREETLIFE zeigt das grosse Ranking

Alles rund – in diesem Kanton gibt es die meisten Kreisel

Er wird geliebt, gehasst und kaum einer versteht ihn: der Kreisverkehr. Seit den 1990er-Jahren erlebt die Schweiz einen regelrechten Boom beim Bau neuer Kreisel. Doch welcher Kanton zeigt bei den platzsparenden Rondellen die grösste Begeisterung und wo ist man eher zurückhaltend? STREETLIFE hat die Antworten und zeigt das grosse Kreisel-Ranking.

Für die richtige Datenbasis hat STREETLIFE eine Umfrage bei den Tiefbau- und Verkehrsämtern der Deutschschweizer Kantonen lanciert. Bei den zuständigen
Stellen fragten wir, Stand Juli 2026, nach diesen beiden Werten:

  • Welcher Kanton hat total die meisten Kreisel?
  • In welchem Kanton ist die Dichte im Verhältnis zu den Strassenkilometern am höchsten?

Während viele Verkehrsteilnehmende auch 90 Jahre nach dem Bau des ersten Schweizer Kreisels (STREETLIFE berichtete) bezüglich Vortrittsregeln noch unsicher
sind, zeigen sich die Behörden von der runden Bauform überzeugt. «Wir setzen auf Kreisel, weil sie selbststeuernd sind und der Verkehr sich spontan organisiert»,
sagt zum Beispiel Sascha Rhyner, Mediensprecher der Baudirektion des Kantons Zürich.

75 Prozent weniger Konfliktpunkte

Wann aber entscheiden sich Verkehrs- und Tiefbauamt gegen ein Lichtsignal und für das Rondelle? «Kreisel können den Verkehrsfluss verbessern und die Verkehrssicherheit erhöhen», sagt Nicole Ryf, Co-Leiterin Kommunikation des Bau- und Verkehrsdepartements des Kantons Basel-Stadt. «Sie bieten zirka 75 Prozent weniger Konfliktpunkte und senken die Geschwindigkeit der
Verkehrsteilnehmenden, was Unfälle seltener und weniger schwer macht.» Zudem würden sie dazu beitragen, dass der Verkehr gleichmässiger und langsamer rollt. «Kreisel reduzieren den Verkehrslärm», so Ryf weiter. Aktuell spricht der Bund gesamtschweizerisch von rund 2900 Kreiseln. Doch welcher Kanton hat hier die Nase vorn?

Bern ist der Kreisel-Kanton Nummer eins

Mit 425 Kreiseln liegt der Kanton Bern deutlich an der Spitze des Kreisel-Rankings. «Das ist nicht so überraschend. Wir sind ja auch der zweitgrösste Kanton der Schweiz. Hätten wir ähnlich viele Berge und einsame Hochtäler wie Graubünden, lägen wir wohl auf dem zweiten Platz», sagt Stephan Breuer, Leiter Dienstleistungszentrum Tiefbauamt Kanton Bern. 

Doch im Kanton Bern ist längst nicht alles rund. Denn Breuer betont: «Wir setzen nicht grundsätzlich auf Kreisel». Je nach Situation vor Ort könne auch ein Lichtsignal oder ein klassischer Knoten – mit Rechtsvortritt – die richtige Lösung sein. Es komme zuerst immer zu einer Gesamtbetrachtung bezüglich Verkehrssicherheit, Verkehrsfluss und den aufzubringenden Kosten. 

Stichwort Kosten: Wie viel Geld muss für den Bau eines Kreisels im Kanton Bern bezahlt werden? «Die Kosten schwanken je nach Situation, Topographie und Siedlungsstruktur stark», erklärt Breuer. Ein Durchschnittswert sei schwierig zu benennen. «Zur Einordnung: Die Auswertung unseres aktuellen Kreiselportfolios ergibt aktuell Durchschnittskosten von rund 590'000 Franken. Die gleiche Auswertung könnte in 5 Jahren allerdings schon einen halb so hohen Wert zeigen.»

Flach und dicht besiedelt

Der Blick auf das weitere Kreisel-Ranking zeigt: Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit Zürich (227) und Aargau (218) zwei weitere Kantone im Mittelland. Und hier fällt auf: Kreisel-Kantone sind von der Topografie her eher flach und dicht besiedelt. 

Das gilt auch für die Plätze vier, fünf und sechs. Auch diese Mittelland-Kantone – Luzern (142), Solothurn (120) und Thurgau (110) – zählen alle über 100 Kreisel in ihrer Statistik. 

Das Schlusslicht im Kreisel-Ranking belegt der Kanton Glarus. Im ganzen Zigerschlitz gibt es gerade mal zwei Kreisel. An der Umfrage nicht teilgenommen hat der Kanton Schwyz.

Grosse Unterschiede in der Kreiseldichte

Doch wie oft begegne ich effektiv einem Kreisel, wenn ich durch das Kantonsgebiet fahre? Darüber gibt die Kreiseldichte deutlicher Auskunft. Für diese Erhebung hat STREETLIFE die Zahl der Kreisel mit der Gesamtlänge der Kantons- und Gemeindestrassen ins Verhältnis gesetzt. Die Ergebnisse sind spannend: Die Chance auf einen Kreisel zu treffen, ist demnach im Kanton Basel- Stadt am höchsten – und zwar im Schnitt alle 18,3 Kilometer. Das ergibt sich aus der Länge des Kantons- und Gemeindestrassennetzes von 402 Kilometern, auf dem sich insgesamt 22 Kreisel befinden. Auf dem zweiten Platz bei der Kreiseldichte liegt der Kanton Nidwalden mit 20,9 Kilometern, auf dem dritten Platz der Kanton Solothurn mit 24,2 Kilometern. Bei den Schlusslichtern der Tabelle handelt es sich um die Kantone Zug (Rang 17) und Glarus (Rang 18). So findet sich im Schnitt im Kanton Zug alle 186,6 Kilometer ein Kreisel, im Kanton Glarus sind es 288,5 Kilometer.

Weitere Kreisel geplant

Die Zahl der Kreisel dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen. Mehrere Kantone bestätigten auf Anfrage von STREETLIFE konkrete Bauprojekte. Bereits fest geplant sind in den nächsten Monaten: Neun neue Kreisel im Kanton Aargau, drei im Kanton Schaffhausen, jeweils zwei in den Kantonen Uri und Basel-Stadt und je einer in den Kantonen Luzern und Appenzell Innerrhoden.
 

Und auch der Kanton Bern will kreiseltechnisch weiterwachsen. Wie schnell das gehen wird, sei aber nur schwer abzuschätzen, sagt Stephan Breuer, Leiter Dienstleistungszentrum des Tiefbauamtes. «Die Umsetzungsgeschwindigkeit und -Priorität hängt von folgenden Faktoren ab: Der Planungs- und Genehmigungsphase, der Einsprachen, der Verkehrsentwicklung und der Verfügbarkeit der Investitionsmittel.»

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