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Zu langsam – Polizei zieht E-Autos den Stecker
Zu langsam für die Verfolgungsjagd, zu schwer im Dauereinsatz, zu kompliziert beim Laden: Österreichs Polizei beendet ihr E-Auto-Experiment. Nach zwei Jahren Praxistest heisst es für ID.3, ID.4 und Taycan im Streifendienst: abtreten.
Blaulicht an, Sirene heult – und dann zuerst an die Ladesäule? Ganz so dramatisch war es nicht. Doch im harten Alltagseinsatz haben sich Elektro-Streifenwagen in Österreich nicht bewährt. Das Innenministerium beendet mit Jahresende 2026 das Projekt «Tron», das im Januar 2024 gestartet wurde.
Getestet wurden 24 Fahrzeuge unter realen Bedingungen in Tirol, Salzburg, Niederösterreich und Wien. Mit dabei: der Volkswagen ID.3, der Volkswagen ID.4 und für den Autobahndienst sogar ein Porsche Taycan. Alle Fahrzeuge waren komplett als Streifenwagen ausgerüstet – mit Funkanlage, Blaulichtbalken, Kameratechnik, Steuergeräten und jeder Menge Sonderausstattung.
Und genau da begann das Problem. Ein Polizeiauto ist kein Serienfahrzeug von der Stange. Die zusätzliche Technik bringt ordentlich Kilos auf die Waage. Das erhöht das Gesamtgewicht, reduziert die Nutzlast und drückt auf die Reichweite. Gleichzeitig läuft die Ausrüstung oft stundenlang – etwa bei Absperrungen oder längeren Einsätzen im Stand. Das kostet Energie. Was auf dem Papier nach komfortabler Reichweite klingt, schrumpft im echten Dienstalltag spürbar zusammen. Hinzu kommt die Ladefrage. Streifenwagen sind über viele Stunden unterwegs, Einsätze kommen spontan. Planbare Ladefenster? Fehlanzeige. Vor allem ausserhalb grösserer Städte ist die Schnellladeinfrastruktur laut Projektumfeld nicht flächendeckend auf einen 24-Stunden-Dienstbetrieb ausgelegt.
Zu langsam für Verfolgungsjagd
Auch die Fahrleistungen spielten eine Rolle. Die Serienversionen von ID.3 und ID.4 sind elektronisch bei rund 160 km/h begrenzt. Für normale Streifenfahrten reicht das. Im Autobahndienst kann es jedoch kritisch werden, wenn über längere Strecken hohe Geschwindigkeiten gefragt sind.
Ganz vom Tisch sind E-Autos bei der Polizei dennoch nicht. Positiv bewertet wird ihr Einsatz ausserhalb des unmittelbaren Einsatzgeschehens – etwa für Botenfahrten oder administrative Aufgaben. Dort sind Strecken planbarer und Standzeiten kalkulierbar.
In der Schweiz hingegen rollt der Strom bei einigen Polizeikorps weiter mit: Die Kantonspolizei Basel-Stadt setzt seit einigen Jahren vollelektrische Dienstfahrzeuge wie Mercedes eVito und elektrische Motorräder im Patrouillendienst und bei Grossanlässen ein. Zürich testete den Audi e-tron sowie diverse Kia als Patrouillenfahrzeuge. Auch der Kanton St. Gallen hat eine E-Flotte mit VW ID.4, Tesla und BMW iX-Stromern. Im Kanton Wallis wurden E-Autos in verschiedenen Polizeiposten in Betrieb genommen. In Luzern fahren Mercedes eVito Tourer mit E-Antrieb durch den Kanton.
Eine vollständige Abkehr von alternativen Antrieben bedeutet das Aus für «Tron» auch in Österreich nicht. Das Innenministerium will die technische Entwicklung weiter beobachten. Batterien werden leistungsfähiger, Ladezeiten kürzer, Energiedichten höher.

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