Skip to main content

Werbung

Fakten •
STREETLIFE antwortet

Wieso ist der Tankdeckel beim Plug-in verriegelt?

Der neue Plug-in-Hybrid sorgt bei Leserin Monika M. aus Weinfelden TG für Fragezeichen. Sie muss den Tankdeckel im Cockpit entriegeln, wenn sie tanken will. Bei ihrem Benziner konnte sie einfach auf den Deckel drücken, um ihn zu öffnen. Wieso ist der Tankanschluss bei einem Plug-in extra gesichert? STREETLIFE hat nachgefragt.

Aussteigen, Tankdeckel öffnen, Zapfpistole rein, und das flüssige Gold fliesst in den Tank. So einfach war Tanken. Nicht so bei einem Plug-in-Hybriden (PHEV). Oft sieht man deren Fahrerinnen oder Fahrer an Tankstellen die Augen verdrehen und nochmals um das Heck zur Fahrertür laufen. Sie hantieren im Cockpit herum und plötzlich springt der Tankdeckel auf.

Verriegelung sorgt für Verwirrung

So ist auch STREETLIFE-Leserin Monika M. aus Weinfelden TG öfters ergangen, als sie ihren Benziner durch einen Plug-in-Hybriden ersetzte. Bei ihrem alten Auto war es nicht nötig, den Tankdeckel im Cockpit zu entriegeln. Denn bei den meisten Benzin- und Diesel-Fahrzeugen sich der Tankdeckel normalerweise ohne weiteres durch sanftes Drücken öffnen, wenn das Auto nicht verschlossen ist. Dass dies bei Plug-ins nicht möglich ist, scheint nicht nur Monika M. verwirrt zu haben. Denn verschiedene Hersteller wie BMW, Mercedes oder Volvo bieten Erklärungen auf ihrer Homepage.

Der Grund liegt darin, dass Plug-in-Hybride einen anderen Tank haben als normale Benziner oder Vollhybride, erklärt TCS-Sicherheitsexperte Erich Schwizer: «PHEV werden mit einem gasdichten und druckstabilen Tank ausgerüstet.» Deshalb lässt sich der Tankdeckel nicht einfach öffnen. «Damit diese Fahrzeuge betankt werden können, muss vor dem Öffnen des Tankdeckels ein Druckausgleich mit der Umgebung hergestellt werden.» Dieser Vorgang dauert normalerweise nur ein paar Sekunden und der Deckel sollte aufspringen, bis man um das Auto zur Zapfsäule gelaufen ist. Bei ausserordentlich hohen Temperaturen kann die Entlüftung laut BMW aber auch bis zu zwei Minuten dauern.

Benzindämpfe unterbinden

Damit erfüllen die Autohersteller Umweltauflagen. Im Tank entstehen Benzindämpfe, die über eine Druckausgleichsleitung abgeführt werden. Früher gelangten diese Dämpfe einfach in die Umwelt, in modernen Fahrzeugen dürfen sie das nicht mehr. Deshalb verfügen moderne Verbrennerautos über einen Aktivkohlefilter, der die Dämpfe aufnimmt. «Dort aufgefangen, zwischengespeichert, beim nächsten Start des Verbrennungsmotors wieder abgesaugt und im Motor verbrannt», erklärt Schwizer. Der Aktivkohlefilter ist seit vielen Jahren praktisch obligatorisch, «weil mit den Abgas-Emissionsvorschriften bei der Typengenehmigung auch die Verdunstungsemissionen durch Benzindämpfe streng limitiert wurden.»

Doch diese Kohlefilter können nicht unbegrenzt Benzindämpfe aufnehmen. Und hier liegt das Problem bei Plug-in-Hybriden. Der Kohlefilter leert sich nur, wenn der Benzinmotor läuft. Aber in einem PHEV läuft er praktisch nicht, wenn die Lenkenden regelmässig laden und praktisch nur elektrisch fahren. «Der Aktivkohlefilter, der auch bei PHEV vorhanden ist, würde irgendwann gesättigt», sagt Schwizer. Deshalb verbauen die Autohersteller in Plug-ins robustere Tanks, um die gesetzlichen Anforderungen an die Verdunstungsemissionen einhalten zu können.

Das passiert im Tank

Der Druckausgleich ist aber bei allen Fahrzeugen mit Tank nötig, weiss TCS-Sicherheitsexperte Schwizer: «Wenn man fährt, kann Unterdruck entstehen, weil ja regelmässig Benzin entnommen wird.» Das wird durch eine Leitung verhindert, durch die Luft in den Tank nach strömt. Ohne diesen Druckausgleich könnte sich ein Tank zusammenziehen. Überdruck hingegen kann auftreten, wenn ein Auto mit vollem Tank in der Sonne steht. Ein voller Tank könnte deshalb ohne Druckausgleich bersten. «Deshalb empfiehlt der TCS, in der warmen Jahreszeit den Tankvorgang zu beenden, sobald die Zapfpistole das erste Mal automatisch abschaltet, und nicht mehr weiter nachzufüllen.»

Wer trotzdem nachdrückt, muss sich aber keine Sorgen machen. Der Druckausgleich sorgt für Sicherheit und in Plug-ins verdoppelt der robustere Tank diese Sicherheit. Fahrerinnen und Fahrer gewöhnen sich schnell daran, an der Tankstelle dem Auto ihren Tankwunsch mitzuteilen, indem sie die Entriegelung und den Druckausgleich betätigen. Passenderweise nennen die Hersteller den Knopf dafür «Tankwunsch»-Taste.

Community fragt

Hast du auch eine Frage?

Beschäftigt dich etwas rund um das Thema Auto und Mobilität? Frag STREETLIFE – und wir tun unser Bestes, damit du Klarheit erhältst. Dein Beitrag erscheint in der neuen Rubrik «Leser fragen, STREETLIFE antwortet» – mit deinem Namen oder anonymisiert. Melde dich per WhatsApp unter 077 279 72 56 oder per Mail [email protected].

Werbung