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All diese teuren Veloprojekte stehen leer
In der Schweizer Verkehrspolitik wird massiv in die Infrastruktur für Zweiräder investiert. Moderne Velostationen vor allem in Bahnhofsnähe sollen den Umstieg vom Auto auf den Sattel attraktiv machen. Eine Bestandsaufnahme von STREETLIFE zeigt: Während die Baukosten oft im Millionenbereich liegen, lässt die Auslastung an manchen prominenten Standorten zu wünschen übrig.
In der Stadtplanung gilt das Velo oft als Königsweg zur Entlastung der Zentren. Entsprechend locker sitzt das Geld, wenn es um prestigeträchtige Parkierungsprojekte geht. STREETLIFE hat genauer hinschaut, und teilweise eine grosse Diskrepanz zwischen den investierten Steuergeldern und der tatsächlichen Nutzung entdeckt. Während Autofahrer händeringend nach bezahlbarem Parkraum suchen, stehen einige der teuersten Velo-Paläste des Landes weitgehend leer.
Zürich: 15,2 Millionen für eine 20-Prozent-Quote
Den Spitzenplatz in Sachen Investitionsvolumen belegt die Stadt Zürich. Die Velostation am Bahnhof Stadelhofen kostete stolze 15,2 Millionen Franken. Die Bilanz nach der Eröffnung fällt jedoch ernüchternd aus: «Die Auslastung der Velostation beträgt im Moment rund 20 Prozent», bestätigt Roger Schaad, Projektleiter Kommunikation bei der Stadt Zürich.
Täglich werden dort derzeit nur etwa 160 Velos abgestellt – bei einer Kapazität von 800. Die Stadt setzt auf die Zukunft und hofft, dass mit dem geplanten Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen auch die Frequenz in der Station steigt.
Basel: Licht und Schatten am Rheinknie
In Basel zeigt sich ein gespaltenes Bild. Am Bahnhof St. Johann wurde für circa 1,5 Millionen Franken eine Station für 300 Velos errichtet. Hier herrscht jedoch gähnende Leere. Die Nachfrage ist laut Projektleiter Samuel Diethelm gering – man spricht von einer geschätzten Auslastung von 20 bis 30 Prozent. Als Grund wird vor allem die unzureichende Anbindung an den S-Bahnhof genannt.
Ganz anders sieht es nur wenige Kilometer weiter aus: Die Station am Bahnhof SBB, die rund 12 Millionen Franken kostete, ist ein Publikumsmagnet. «Im kostenfreien Bereich sind in der Regel mehr Velos abgestellt, als Plätze regulär angeboten werden», erklärt Projektleiter Samuel Diethelm. Hier liegt die Auslastung bei über 100 Prozent. Auch der kostenpflichtige Bereich ist mit geschätzten 90 bis 100 Prozent fast vollbelegt.
Luzern: Das 20-Millionen-Projekt, das die Bürger stoppten
Luzern ist ein interessantes Fallbeispiel für den Widerstand gegen immer teurere Infrastruktur. Ein geplantes unterirdisches Grossprojekt am Bahnhof für über 19 Millionen Franken wurde von der Stimmbevölkerung abgelehnt. Vielen Bürgern war das Preisschild für 1200 Velo-Parkplätze schlicht zu hoch.
Aktuell behilft man sich mit einer bewachten Gratis-Velostation hinter dem Bahnhof bei der Uni. Gebaut für 2,8 Millionen Franken bietet sie Platz für bis zu 1100 Drahtesel. Laut Angaben von Sibylle Lehmann, Co-Leiterin Mobilität der Stadt Luzern, liegt die Auslastung bei geschätzten 50 Prozent.
Aarau: Die Hälfte bleibt leer
In Aarau floss für die Velostation Ring am Bahnhof ein Betrag von 1,7 Millionen Franken. 530 Velos können hier gegen Bezahlung abgestellt werden. Finanziert wurde das Projekt durch ein Geflecht aus Stadt, SBB, Kanton und Bund.
«Die Auslastung der Anlage wird nicht systematisch erhoben», räumt Projektleiter Mathias Halef ein. Man schätzt die Nutzung auf etwa 50 Prozent.
Winterthur: Teurer Komfort mit Anlaufschwierigkeiten
In Winterthur liess man sich die Velostation Rudolfstrasse rund 7,4 Millionen Franken kosten. Im Vergleich zu den restlichen Stationen sieht die Auslastung hier besser aus: Rund 75 Prozent der Plätze sind laut Stadt über Abos oder Tickets verkauft.
Doch der Weg dorthin war steinig. «Negative Rückmeldungen gab es unter anderem zum digitalen Zutritts-System, das anfangs zwingend den SwissPass erforderte», erklärt Michael Graf von der Stadt Winterthur. Inzwischen sei der Zutritt auch via Velocity-App möglich.
Hier fliessen die nächsten Millionen
Trotz der durchzogenen Bilanz bestehender Stationen sind bereits die nächsten Grossinvestitionen in Planung. Die Dimensionen sprengen dabei teilweise jeden bisherigen Rahmen:
Bern: Die Bundesstadt plant Grosses. Rund um den Bahnhof sollen drei neue Velostationen entstehen. Geschätzte Kosten: satte 55 Millionen Franken.
Winterthur: Nach der Station Rudolfstrasse folgt 2028 das nächste Projekt. Für das Veloparking Paulstrasse sind 5,5 Millionen Franken budgetiert für 750 weitere Veloparkplätze.
Zürich (Velo-Route): Nicht nur das Parkieren, auch das Fahren wird teurer. Bei dem umstrittensten Veloweg-Projekt auf der France-Magnani-Brücke in Zürich explodieren derzeit die Kosten. Die Planungskosten für eine neue Vorzugsroute sind laut Medienberichten bereits um 70 Prozent gestiegen. Nur die Planungskosten belaufen sich derzeit auf rund 12,5 Millionen Franken.
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