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Fakten •
Nur keine Panik

Was tun, wenn die Bremsen beim Autofahren versagen?

Alle Autofahrenden haben vor diesem Szenario Angst: Man tritt aufs Bremspedal und nichts passiert. Bremsversagen ist selten – aber wenn es passiert, zählt jede Sekunde. Mit klarem Kopf und einfachen Massnahmen lässt sich die Gefahr aber deutlich reduzieren. STREETLIFE zeigt, wie’s geht.

Kürzlich ereignete sich im A4-Cholfirsttunnel ein dramatischer Alleinunfall. Kurz nach 15 Uhr fuhr eine 38-jährige Autofahrerin von Winterthur in Richtung Thayngen. Aufgrund des dichten Verkehrs wollte sie abbremsen doch die Bremsen ihres Autos versagten plötzlich.  

Anstatt in Panik zu geraten, handelte die Frau besonnen: Sie lenkte ihr Auto gezielt gegen die Tunnelwand, um eine Kollision mit anderen Fahrzeugen zu verhindern, und brachte es so zum Stillstand. Am Fahrzeug entstand Totalschaden, verletzt wurde niemand.  

Der Fall im Cholfirsttunnel zeigt, wie wichtig schnelle, überlegte Entscheidungen sind.  

Ruhe bewahren ist der erste Schritt  

In Extremsituationen schlägt die Panik schnell zu. Wer beim Bremsversagen die Ruhe verliert, riskiert, auch die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren. Deshalb empfiehlt es sich: Tief durchatmen, den Fuss vom Gas nehmen und sich auf die nächsten Schritte konzentrieren.  

Warnblinker einschalten und Umgebung informieren  

Sobald klar ist, dass die Bremsen nicht reagieren, Warnblinker einschalten. Andere Verkehrsteilnehmer merken sofort, dass etwas nicht stimmt. Wer kann, benutzt zusätzlich die Hupe.  

Bremsen mehrfach versuchen  

Bei modernen Fahrzeugen mit ABS kann es helfen, das Bremspedal fest zu drücken, während ältere Fahrzeuge von Pumpbremsen profitieren. Durch mehrfaches kurzes Betätigen kann oft noch Druck aufgebaut werden.  

Motorbremse nutzen 

Schalte einen niedrigeren Gang ein. Bei Schaltgetrieben hilft dies, die Geschwindigkeit zu reduzieren, ohne die Bremsen zu belasten. Auch mit Automatikgetriebe lässt sich das Fahrzeug abbremsen. Moderne Autos verfügen über einen manuellen Modus oder Schaltwippen am Lenkrad. Durch schrittweises Herunterschalten erhöht sich die Motorbremswirkung und das Auto verlangsamt sich ohne Bremspedal. 

Während der Fahrt darf auf keinen Fall in die Stellung P (Parken) oder R (Rückwärtsgang) geschaltet werden. Ein solcher Gangwechsel bei rollendem Fahrzeug kann das Getriebe massiv beschädigen und im schlimmsten Fall zum abrupten Blockieren der Räder oder zum Verlust der Fahrzeugkontrolle führen. 

Handbremse vorsichtig einsetzen 

Die Handbremse wirkt direkt auf die Hinterräder. Ein vorsichtiges, kontrolliertes Ziehen ist entscheidend. Ruckartiges Bremsen kann zu einem Schleudern führen.  

Eine automatische Handbremse kann nicht abrupt eingesetzt werden, ohne dass das System blockiert oder schleudert. Deshalb sollte man prüfen, ob das Auto eine Notfall-Funktion für die elektronische Parkbremse hat. Oft wird diese durch längeres Ziehen oder Drücken des Schalters (oft mit Warnton) aktiviert. 

Der Notfallplan auf der Strasse  

Wenn das alles nichts nützt, sollte man nach sicheren Ausweichflächen suchen: Standstreifen, Parkplätze oder ruhige Nebenstrassen. Leichte Steigungen, Grasflächen oder Schotter bieten zusätzlichen Widerstand und helfen, das Auto zu entschleunigen. Wenn alles andere fehlschlägt, können Weichziele wie Leitplanken oder Büsche als letzte Schutzmassnahme dienen. Besser ein Kratzer als ein Crash in voller Geschwindigkeit.  

Nach dem Stopp 

Den Motor erst ausschalten, wenn das Auto sicher steht. Warnzeichen aufstellen und Pannenhilfe rufen. Auf keinen Fall weiterfahren, bevor die Bremsanlage überprüft wurde.  

Vorbeugen ist besser als heilen  

Bremsversagen kündigt sich oft an: ungewöhnliche Geräusche, weiches Pedalgefühl oder Warnleuchten im Cockpit sind erste Zeichen. Regelmässige Wartung, Bremsencheck und rechtzeitiger Bremsflüssigkeitswechsel minimieren das Risiko. 

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