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Lifehacks •
EU-Gesetze für Wohnmobile

Camper-Freiheit ade: «Jetzt kommt die verschärfte Bürgerkontrolle»

Die Entmündigung der Autofahrer schreitet weiter voran. Die EU und damit auch die Schweiz verschärfen die Regelungen für Assistenzsysteme. Bei neuen Wohnmobilen muss ab Juli 2026 die Vorbereitung zur Alkohol-Wegfahrsperre integriert sein. Für Wohnmobil-Fan und STREETLIFE-Autor Pentti Aellig ist das eine «verschärfte Bürgerkontrolle».

Im letzten Jahr habe ich mir einen neuen Campervan gekauft. Das Basisfahrzeug meiner beiden ersten Wohnmobile war jeweils ein Fiat Ducato. Und wer 25 Jahre lang mit einem Ducato auf den Küstenstrassen Europas umherfährt, ohne dass ein einziges technisches Problem aufgetreten ist, der bleibt der Marke treu. Der dritte Camper, ein «Carado CV600 Pro», ist also wieder ein Fiat Ducato, und zwar das 2025-Modell. Bei der Übergabe machte mich der Händler darauf aufmerksam, dass mein neues Fahrzeug bereits mit den Assistenzsystemen nach General Safety Regulation II (GSR II) ausgestattet sei. Zuvor war mit GSR II kein Begriff.

Alkohol-Wegfahrsperre

Bisher zeigten die EU-Bürokraten bei Wohnmobilen Nachsicht. Assistenzsysteme nach GRS II, welche bei Autos bereits obligatorisch sind, mussten bisher bei Wohnmobilen noch nicht zwingend mit an Bord sein. Mit der Extrawurst ist nun ab 7. Juli 2026 Schluss. Ab diesem Stichtag müssen alle neu zugelassene Wohnmobile mit einem ganzen Arsenal neuer elektronischer Helfer ausgerüstet sein. Campervans und Wohnmobile bis 3,5 Tonnen müssen ab 7. Juli folgende acht Systeme mit an Bord haben: Notbremsassistent, Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner, intelligenter Geschwindigkeitsassistent, Rückfahrkamera, Vorbereitung zur Alkohol-Wegfahrsperre, Reifendruckkontrolle und Anfahrassistent.

Teurere Wohnmobile

Die Regelverschärfung aus Brüssel bedeutet für die Schweizer Besitzer von Wohnmobilen wenig. Betroffen sind nur neu zugelassene Wohnmobile. Fahrzeuge, welche bereits vor dem Stichtag in Verkehr gesetzt worden sind, müssen nicht nachgerüstet werden. Und ohnehin sind alle neu produzierten Basisfahrzeugen wie Fiat Ducato, VW Crafter oder Mercedes Sprinter mit der Assistenz-Armada GSR II ausgerüstet und dadurch bereits etwas teurer geworden. Gemäss dem Bundesamt für Strassen, ASTRA, übernimmt die Schweiz die neuen EU-Sicherheitsvorschriften, weil Fahrzeugzulassung und Typgenehmigung hierzulande ohnehin eng an die EU-Regeln angelehnt sind.

Nervige Warntöne

Meine erste Fahrt im neuen Campervan im letzten Herbst führte mich über das Baskenland via Salamanca nach Lissabon und von dort der Küste nach hinunter nach Tarifa. Die peniblen Geschwindigkeitswarnungen, wenn man 101 statt 100 Stundenkilometer fährt, nerven gehörig, zumal das System die Temposchilder nicht immer korrekt erkennt. Aber allgemein gewöhnt man sich schnell an die nützlichen Assistenzsysteme für Geschwindigkeit, Notbremsen, Spurhalten, Anfahren, Reifendruckkontrolle, Müdigkeitswarner oder die Rückfahrkamera.

Verschärfte Bürgerkontrolle

Wie immer bei Regelverschärfungen und gesetzlichen Eingriffen, wird die persönliche Freiheit eingeschränkt. Die pädagogischen Aufforderungen zum Kaffeetrinken oder die Ermahnung nach mehr Aufmerksamkeit sind sicherlich gutgemeint. Spätestens bei der vorbereiteten, alkoholempfindlichen Wegfahrsperre kommen aber ungute Gefühle auf. Von der EU-Bürokratie ist eine kontinuierliche Verschärfung der Bürgerkontrolle zu erwarten. Die Entmündigung der Menschen schreitet voran. Der Tag kommt näher, an welchem Besitzer ihre Wohnmobile nur starten können, wenn sie weder geraucht noch getrunken und sich gesund ernährt haben, sich streng an geltende Tempolimits halten und keine Steuerraten schuldig sind.


Kolumnist und Autor Pentti Aellig ergänzt als erfahrener Autokenner und Publizist das STREETLIFE-Redaktionsteam. Als SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident politisiert er im Kanton Schaffhausen aktiv mit. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten unserer Kolumnisten nicht mit jenen der STREETLIFE-Redaktion übereinstimmen müssen.

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