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Stecker raus bei Ösis – Schweizer Polizei auf Strom
Kürzlich verkündete die österreichische Polizei das Aus für ihre Elektro-Streifenwagen. Sie hätten sich im Dienst nicht bewährt. Wie tauglich sind die Stromer im Schweizer Polizeialltag? STREETLIFE hat nachgefragt.
Zu langsam für die Verfolgungsjagd, zu schwer im Dauereinsatz und zu kompliziert beim Laden. Aus diesen Gründen hat die österreichische Polizei Anfang März beschlossen, ihren E-Streifenwagen per Ende Jahr den Stecker zu ziehen.
Doch wie sieht das bei Schweizer Polizeikorps aus? Decken sich die Kritikpunkte der österreichischen Polizei mit den Erfahrungen hierzulande?
Positive Erfahrungen im Polizei-Alltag
Anders als bei unserem Nachbarn im Osten fallen die Rückmeldungen bezüglich der Nutzung von Elektrofahrzeugen im Schweizer Polizeialltag fast nur positiv aus. Das zeigt eine STREETLIFE-Umfrage bei kantonalen und städtischen Polizeikorps.
Aktuell im Einsatz sind bei kantonalen Schweizer Polizeikorps:
| Kantonspolizei: | Anzahl E-Autos: | Modelle: | |
| Bern | ca. 130 von ca. 800 | BMW, Volvo, Mercedes | |
| Zürich | 96 | Keine Angaben | |
| St. Gallen | 76 von 323 | Hyundai Kona, BMW iX50, VW ID.4, Volvo EX30, Tesla Model 3, Skoda Enyaq, Opel Ampera e | |
| Luzern | ca. 33 von 220 | Keine Angaben | |
| Basel-Stadt | 16 | Tesla, Nissan Leaf, Mercedes eVito, Skoda Enyak | |
| Zug | Ein Fünftel aller Fahrzeuge | Keine Angaben |
«Den Verbrennern überlegen»
Auch städtische Polizeikorps setzen auf Strom: Die Städte Chur und Zürich sind jeweils mit Elektroautos ausgerüstet. «Das Fahrzeug wird vor allem für reguläre Patrouillenfahrten im Stadtgebiet sowie für administrative Fahrten eingesetzt. Die Reichweite ist im urbanen Einsatz in der Regel ausreichend, und das Fahrzeug kann während Standzeiten aufgeladen werden», schreibt die Stapo Chur. Diese fährt seit 2018 einen VW e-Golf.
Die Stadtpolizei Zürich ist noch elektrischer unterwegs. Rund hundert Fahrzeuge stecken in ihrem Fuhrpark an der Steckdose – Tendenz steigend. «Im städtischen Polizeieinsatz – insbesondere bei Stop-and-Go-Fahrten ohne längere Autobahnabschnitte – sind Elektrofahrzeuge hinsichtlich der Energieeffizienz durch die Rekuperation den klassischen Verbrennungsmotoren teilweise überlegen.»
Die Stadtpolizei Baden dagegen fährt keine E-Autos. Das sei auf die fehlende Infrastruktur zurückzuführen. «Aufgrund der räumlichen Verhältnisse – Wache in der Altstadt, keine Garagierung der Einsatzfahrzeuge – war es bisher nicht möglich, eine entsprechende Infrastruktur bereitzustellen.» Dennoch werden alternative Antriebsmöglichkeiten immer wieder geprüft.
Anzahl Ladesäulen ausschlaggebend
Generell nehmen E-Autos in Polizeiflotten zu. Das sagen die Polizeikorps auf Anfrage von STREETLIFE. Das Wachstum der Elektroflotten sei den technischen Entwicklungen der Fahrzeuge zu verdanken. So schreibt die Kapo SG: «Die Ladezeiten wurden verkürzt und die Reichweiten vergrössert. Folglich sind E-Autos mittlerweile unseren Anforderungen gewachsen.» Ähnlich klingt es bei der Luzerner Polizei: «Moderne Elektrofahrzeuge verfügen über eine hohe Beschleunigung und Fahrstabilität, was sie für bestimmte Einsätze vorteilhaft macht.»
Entscheidend für die Elektrifizierung der Polizei-Flotten ist vor allem die Ladeinfrastruktur. Denn: «Könnten wir die E-Fahrzeuge der mobilen Polizei nicht schnell laden, würde das Fahrzeug im Alltag nicht bestehen», schreibt die Kapo SG.
Doch was ist mit Verfolgungsjagden? Eignen sich E-Autos dafür? «Sollte es tatsächlich zu einer Verfolgungsjagd mit knapper Reichweite kommen, ist nicht zu vergessen, dass im Kanton St. Gallen noch 322 andere Polizeifahrzeuge zur Verfügung stehen. In diesem Fall könnte eine fliessende Ablösung des Fahrzeuges gewährleistet werden.» Alle Polizeikorps geben zudem an, dass noch nie ein E-Auto wegen schwacher Batterie im Einsatz ausgefallen sei.
Verbrenner noch nicht ganz vom Tisch
Ist die Zukunft der Schweizer Polizeifahrzeuge also rein elektrisch? Noch ist das nicht der Fall. Obwohl sich die E-Mobilität im Polizeieinsatz bewährt, setzen die Gesetzeshüter nicht auf rein elektrische Flotten – der Antriebsmix mache den erfolgreichen Einsatz aus. Die Kapo ZH schreibt: «Die Beschaffungsstrategie legt sich nicht auf ein einziges Antriebssystem fest, sondern setzt je nach Bedarf auf Benzin, Diesel, Gas, Hybrid, Plug-in, Elektro und Wasserstoff.»
Dieselbe Strategie fährt auch die Luzerner Polizei: «Bei Neuanschaffungen wird unter Berücksichtigung der Klima- und Energiestrategie des Kantons Luzern stets geprüft, ob alternative Antriebe die operativen und strategischen Ziele der Luzerner Polizei erfüllen.» In diesem Zusammenhang sei zu bedenken, dass die Einsatzfähigkeit der Luzerner Polizei «auch bei einer Strommangellage gewährleistet sein muss: Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass die Flotte der Luzerner Polizei auch längerfristig aus einem Antriebsmix bestehen wird.»
Diese Korps setzen nur auf Benziner
Bei den meisten Kantonen spielen die Bedenken der österreichischen Polizei also keine Rolle. Doch nicht bei allen – in Bergregionen setzt man auch hierzulande weiterhin lieber auf Verbrenner. So schreibt die Kantonspolizei Glarus: «Bei uns bestimmt der Einsatz die Anschaffung der Fahrzeuge. Da die Frontmitarbeitenden «Allrounder» sind und sich somit das Einsatzgebiet von der Autobahn bis hin zur unbefestigten Alpstrasse zieht, sind Elektro-Streifenwagen unseres Erachtens ungeeignet.»
Auch die Kantonspolizei Schwyz ist noch ohne E-Auto unterwegs. Allerdings wird derzeit eine neue Fahrzeugevaluation durchgeführt, die auch E-Fahrzeuge beinhaltet. «Die Umstellung auf alternativ angetriebene Fahrzeuge gewinnt in den kommenden Jahren zunehmend auch für uns an Bedeutung.» Jedoch: «Für eine Einsatzorganisation wie die Polizei ist eine sofortige und vollständige Umstellung nicht realistisch und zielführend.»
Die Anforderungen an die Fahrzeuge, hinsichtlich der Verfügbarkeit, Reichweite, Ladeinfrastruktur und Alltagstauglichkeit, seien hoch. Zudem müssen die Streifenwagen auch in Sonderlagen wie Grossereignissen, Katastrophen oder Stromausfällen zuverlässig einsetzbar sein. Deshalb seien hinsichtlich der Versorgungssicherheit konventionelle Fahrzeuge derzeit zuverlässiger.
Es zeigt sich also: In den Städten setzen Schweizer Polizeikorps voll (und immer stärker) auf Strom – auf dem Land dagegen sieht man es eher wie die Kollegen aus Österreich.
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