Werbung
Sollen wir Schweizer noch für Audi und Katar jubeln?
Als Audi-Pilot Hülkenberg beim 11. Formel-1-Rennen seinen Nullpunkte-Fluch endlich durchbrochen hatte, freuten sich auch Schweizer Rennsportfans. Doch gibt es für eidgenössische Formel-1-Freunde noch Gründe, für das «Audi Revolut F1 Team» die Daumen zu drücken, nachdem der ehemalige Sauber-Rennstall in deutsch-katarische Hände gefallen ist? Das fragt sich STREETLIFE-Autor Pentti Aellig in seiner Kolumne.
In der Königsklasse des Motorsports herrscht eine brutale Dreiklassengesellschaft. Zuoberst in der Hierarchie steht das Quartett der Topteams. Während Dominator Mercedes AMG mit dem 19-jährigen Hypertalent Kimi Antonelli die Weltmeisterschaft 2026 vermutlich gewinnen wird, kämpfen die drei anderen Topteams Ferrari, McLaren und Red Bull um vereinzelte Siege. Das glanzlose Mittelfeld besteht aus Red Bulls Juniorteam Racing Bulls, aus Alpine sowie aus Haas. Am Ende der Rangordnung reihen sich die vier Formel-1-Kellerkinder ein. Bei Audi, Williams, Aston Martin und Cadillac wird bereits das Ergattern einzelner Punkte euphorisch gefeiert. Während Aston Martin trotz Stardesigner Newey, Doppelweltmeister Alonso und einem Budget nahe der Kostenobergrenze 2026 zum Millionengrab geworden ist, scheint sich das teilweise in der Schweiz beheimatete Audi-Team behutsam an das Mittelfeld heranzutasten.
Für Audi Daumen drücken?
2026 wird für viele Schweizer Formel-1-Fans sportlich wie emotional zur Belastungsprobe. Wie viel patriotische Bindung bleibt den Schweizer Rennsportfans zum einstigen Sauber-Team noch, nachdem die deutsche VW-Tochter Audi als neuer Herrscher auftritt? Als Formel-1-Hardliner, welcher schätzungsweise über 1000 Rennen am Fernseher live mitverfolgt hat, galten ab 1993 auch meine eidgenössischen Sympathien dem Sauber-Team. Als Sauber 2006 in deutsche Hände fiel, blieb der Hauptsitz trotzdem im zürcherischen Hinwil. Dem neuen Besitzer BMW gelang bereits nach zwei Jahren in Montreal der sensationelle Doppelsieg mit Kubica und Heidfeld. Auch ich freute mit. Nur ein Jahr nach dem einzigen Sieg des Sauber-Teams trennte sich BMW wieder von den Hinwilern. Jetzt, 17 Jahre später, herrscht erneut ein deutscher Autokonzern über Sauber. Gibt es für uns Schweizer Formel-1-Fans noch Gründe, für das «Audi Revolut F1 Team» die Daumen zu drücken?
Ab 2030 Rennen gewinnen
Eigentlich ist Sauber neu zu einem deutsch-arabischen Team geworden. Audi hat 30 seiner 100-Prozent-Anteile für rund 600 Millionen Euro an den katarischen Staatsfond QIA weiterverkauft. Die neuen Sauber-Besitzer sind also Audi sowie der Staat Katar. Aber trotz deutsch-katarischem Besitz ist der juristische Sitz des «Audi Revolut F1 Team» in Hinwil geblieben. Und nicht nur der Hauptsitz, sondern die gesamte Fahrzeugentwicklung (Chassis) und die Organisation aller Renneinsätze werden von Hinwil aus abgewickelt. Einzig die sehr wichtige Entwicklung und Produktion des gesamten Antriebsstrangs (Motor, Elektroantrieb, Getriebe) liegt in Neuburg an der Donau. Dort sorgen über 300 Mitarbeiter und 22 Prüfstände dafür, dass Audis Rennautos antriebsmässig bereits 2030 zur Spitze aufgeschlossen haben sollen.
Befehle aus Deutschland
Audi und die Kataris werden deutlich mehr Geld investieren, als dies alle bisherigen Sauber-Besitzer getan haben. Audi will schnellstmöglich weg von den entwürdigenden Kellerduellen. Die Rennautos aus Hinwil mit den Motoren aus Neuburg sollen gemäss Unternehmenskommunikation ab 2030 Rennen gewinnen. Für Schweizer Formel-1-Fans gibt es gute Gründe, dem Hinwiler Audi-Team weiterhin die Daumen zu drücken. Viele Schweizerinnen und Schweizer arbeiten in Hinwil für den angestrebten Audi-Erfolg. Der juristische Hauptsitz sowie die rund 500 Arbeitsplätze im Zürcher Oberland sorgen zudem für Schweizer Steuereinnahmen. Trotzdem schwingt auch Wehmut mit. Es fühlt sich an wie nach dem Niedergang der Swissair. Zwar landen und starten heute weiterhin Flugzeuge mit dem Schweizerkreuz am Heck. Aber die Befehle kommen aus Deutschland.

Kolumnist und Autor Pentti Aellig ergänzt als erfahrener Autokenner und Publizist das STREETLIFE-Redaktionsteam. Als SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident politisiert er im Kanton Schaffhausen aktiv mit. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten unserer Kolumnisten nicht mit jenen der STREETLIFE-Redaktion übereinstimmen müssen.
Werbung





