Werbung
So wirkt sich dein Wohnort auf die Fahrzeugversicherung aus
Bereits kleine Hagelkörner können teure Schäden verursachen. Doch wie stark beeinflusst das Hagelrisiko am Wohnort die Autoprämie? Der STREETLIFE-Prämien-Check mit drei Versicherungen liefert ein überraschendes Ergebnis.
Sommerzeit ist Hagelzeit. Kaum ist es verwunderlich, dass so manche Leute panisch zu ihren Fahrzeugen rennen und diese in Sicherheit bringen wollen, wenn sich der Himmel plötzlich schwarz färbt. So geschehen ist das vor rund zwei Wochen, als am 16. Juli 2026 eine mächtige Superzelle durch die Schweiz fegte: Sie startete im Berner Oberland, zog durch die Zentralschweiz und machte dann eine Linkswende zum Bodensee. Auf seinem Weg brachte das Gewitter heftigen Regen, Sturmböen und Hagelkörner mit einem Durchmesser von zwei bis drei Zentimetern.
So grosse Hagelkörner sind in den betroffenen Regionen keine Seltenheit. Das zeigt ein Blick auf die Hagelkarte von Meteo Schweiz. Auch erklärt es, wieso einige Menschen panisch zu ihrem im Freien parkierten Auto rannten. Bereits ab einem Durchmesser von einem bis zwei Zentimetern können Hagelkörner laut dem österreichischen Automobilclub ÖAMTC grosse Schäden anrichten. Wenn aber besonders Hagel gefährdete Gebiete bekannt sind, bezahlt man auch mehr für die Fahrzeugversicherung, wenn man dort wohnt?
Die Postleitzahl fährt bei der Prämie mit
STREETLIFE hat bei Allianz Suisse, AXA Schweiz und Helvetia Baloise nachgefragt. Alle drei Versicherungen bestätigen: Der Wohnort kann die Höhe der Autoversicherungsprämie beeinflussen.
«Die Wohnsitzregion – und damit verbunden auch regionale Unterschiede von Elementarereignissen wie Hagelschäden – fliesst als eines von vielen Kriterien in die Berechnung der Autoversicherungsprämie ein und kann sich somit auf die Höhe der Versicherungsprämie auswirken», erklärt AXA-Mediensprecherin Simona Meili.
Auch die Allianz berücksichtigt regionale Schadenhäufigkeiten. Hagel sei dabei allerdings nur ein Faktor unter vielen. Ebenfalls wichtig seien etwa das Fahrzeug, dessen Nutzung, der Fahrerkreis und die gewählten Versicherungsdeckungen.
Rebecca Blum von Helvetia Baloise bestätigt ebenfalls, dass im Wohnort das regionale Risiko für Ereignisse wie Hagel enthalten ist.
Doch wie gross ist der Unterschied konkret? Kostet dasselbe Auto in einer Hagel-Hochburg 20, 100 oder sogar mehrere Hundert Franken mehr pro Jahr?
Darauf geben die Versicherungen keine klare Antwort. «Die Auswirkungen lassen sich nicht pauschal beziffern», so Nadine Schumann von der Allianz. Die Prämie beruhe auf einer individuellen Risikobeurteilung, bei der mehrere Faktoren gleichzeitig berücksichtigt würden. Ein Vergleich, bei dem lediglich der Wohnort verändert wird, sei deshalb nicht aussagekräftig. Ähnlich argumentieren die AXA und Helvetia Baloise.
Hagel-Regionen im Prämien-Test
Das hat STREETLIFE in einem kurzen Selbsttest mit den Online-Prämienrechnern der drei Versicherungen nachgeprüft. Dabei wurde jeweils nur der Wohnort mit der Postleitzahl verändert – alle anderen Parameter zu Person, Fahrzeug und Nutzung blieben gleich. Dazu wurde gemäss der Meteo-Schweiz-Karte einmal Genf mit einem geringem Hagelrisiko und einmal in Luzern mit einem höheren Risiko ausgewählt.
Tatsächlich ist die Vollkasko in diesem Beispiel bei allen Versicherungen in Luzern günstiger als in Genf. Beim Wohnort werden daher andere Faktoren stärker gewichtet als das Hagel-Risiko. Rebecca Blum von Helvetia Baloise ordnet ein: «Hagel ist nur ein Bestandteil von vielen Risiken, welche beurteilt werden. Es kann durch aus sein, dass Hagel in einer Region weniger stark ausgeprägt ist, dafür aber mehr Glasschäden angemeldet werden. Andere relevante Risiken sind zum Beispiel Diebstahl, Mutwillige Beschädigung, Auffahrkollisionen, Selbstunfälle und noch viele weitere.»
Garage schützt mehr, als sie spart
Auch der Abstellplatz kann bei der Berechnung eine Rolle spielen – allerdings nicht bei allen Versicherungen. Bei der AXA kann eine abschliessbare Einzel- oder Tiefgarage die Prämie leicht reduzieren. Ein offener Carport zählt nicht. Auch die Allianz kann den Abstellplatz je nach Produkt und Risikoprofil berücksichtigen.
Bei Helvetia Baloise macht es für die Prämie hingegen keinen Unterschied, ob das Auto geschützt oder im Freien steht. Entsprechend wurde der Abstellplatz im Online-Rechner auch nicht abgefragt.
Für Autofahrerinnen und Autofahrer ist die Garage trotzdem Gold wert: Sie verhindert im besten Fall einen Hagelschaden, der schnell mehrere Tausend Franken kosten kann. Wer dunkle Gewitterwolken aufziehen sieht, sollte sein Auto deshalb möglichst frühzeitig in einer Garage oder einem Parkhaus unterbringen.
Wie wurde getestet?
Für den Test wählten wir das Tesla Model Y, RWD mit einer Leistung von 255/347 für den Preis von 42'990 Franken. Das Fahrzeug ist für eine Privatperson, die auch die häufigste Lenkerin ist. Es ist ein geleastes Fahrzeug, eingelöst und in Besitz seit Januar 2025. Im Jahr soll es rund 15'000 Kilometer fahren und es wird in einer Garage abgestellt. Versicherungsnehmerin ist eine Schweizer Frau mit Geburtsdatum 01.01.1993, die den Führerausweis seit dem 16.03.2012 besitzt und in den letzten 5 Jahren keine Haftpflicht- oder Kollisionsschäden hatte. Im Vergleich wurde lediglich die Postleitzahl verändert: Einmal Genf mit 1206 und einmal Luzern mit 6003. Da es sich um ein geleastes Fahrzeug handelt, wurde jeweils eine Vollkasko-Versicherung vorgeschlagen.

Hast du etwas beobachtet?
Werbung







