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So viele Blink-Muffel fahren durch Schweizer Städte
Nicht blinken kostet in der Schweiz 100 Franken. STREETLIFE hat in drei Städten nachgezählt, wie viele Verkehrsteilnehmende die Busse riskierten – und stiess dabei auf einen echten Blink-Muffel-Hotspot.
Wer bei einem Richtungswechsel falsch oder gar nicht blinkt, riskiert eine Busse von 100 Franken. Trotzdem nehmen erstaunlich viele dieses Risiko in Kauf: Sie wechseln die Spur, verlassen den Kreisel oder biegen ab, ohne ihre Absicht rechtzeitig anzuzeigen. Das zeigt eine STREETLIFE-Reportage in Aarau, Winterthur und Zürich.
Reporterinnen und Reporter stellten sich deshalb in den drei Städten an verschiedene Kreuzungen und Kreisel. Dabei zählten sie sämtliche Fahrzeuge und hielten fest, wie viele beim Abbiegen oder Verlassen des Kreisels auf den Blinker verzichteten.
Fast jeder Vierte blinkt nicht
Die STREETLIFE-Zählung zeigt: Von 1564 beobachteten Verkehrsteilnehmenden blinkten 367 nicht – also fast jede vierte Person. Wären alle dabei erwischt worden, wären Bussen von insgesamt 36'700 Franken zusammengekommen.
Aarau: LKW-Fahrer machen es vor
Reporter Salvatore Iuliano beobachtete den Verkehr am Mittwoch, 29. Juli, während der abendlichen Hauptverkehrszeit. An der Kreuzung Grixweg/Tellistrasse zählte er zwischen 17 und 17.30 Uhr insgesamt 385 Autos. 50 davon blinkten nicht. Das entspricht rund 13 Prozent.
Eine Viertelstunde später ging die Zählung beim Turbinenkreisel weiter. Dort fuhren innerhalb von 30 Minuten 378 Autos vorbei. 54 Lenkerinnen und Lenker verzichteten auf den Blinker – rund 14 Prozent.
Insgesamt wurden an den beiden Aarauer Standorten somit 763 Autos gezählt. 104 davon blinkten nicht. Besonders positiv fielen die Chauffeure der schweren Fahrzeuge auf: Sämtliche beobachteten LKW signalisierten ihre Fahrmanöver korrekt.
In Aarau fiel dem Reporter auf, dass häufiger Frauen nicht blinkten. Verallgemeinern lässt sich das aber nicht: An den anderen Standorten zeigte sich ein anderes Bild.
Winterthur: An dieser Kreuzung blinkt kaum jemand
In Winterthur stellte sich Reporterin Claudia Brüngger zunächst beim Ohrbühlkreisel an die Ausfahrt in Richtung Seenerstrasse. Zwischen 16 und 16.30 Uhr passierten 243 Fahrzeuge die Zählstelle. 31 davon blinkten nicht. Mit knapp 13 Prozent lag das Ergebnis auf einem ähnlichen Niveau wie in Aarau.
Ganz anders präsentierte sich die Situation an der Kreuzung Frauenfelderstrasse in Richtung Seenerstrasse. Dort wurden 220 Fahrzeuge gezählt. Ganze 130 davon setzten kein Blinksignal. Das entspricht mehr als 59 Prozent.
Damit war die Winterthurer Kreuzung der mit Abstand grösste Blink-Muffel-Hotspot der STREETLIFE-Zählung. Insgesamt verzichteten an den beiden Standorten in Winterthur 161 von 463 Fahrzeugen auf das Blinksignal.
Auch hier verhielten sich sämtliche beobachteten LKW-Fahrer vorbildlich. Der Reporterin fiel zudem auf, dass in Autos mit älteren Paaren oft nicht geblinkt wurde.
Zürich: Mehr als jeder Dritte blinkt nicht
In Zürich nahm STREETLIFE-Reporter Lukas Rüttimann den Albisriederplatz ins Visier. Der Kreisel dort ist ein echter Verkehrsknotenpunkt: Trams, E-Bikes, Roller, LKWs, Autos, Velos – alles fährt hier durch. Umso wichtiger wäre es, rechtzeitig Zeichen zu setzen, wann und wo man aus dem Kreisel rausfährt. Doch vor allem bei einer «geraden» Durchfahrt – also konsequent auf der Badenerstrasse bleibend durch den Kreisel durch – wird kaum geblinkt: Von 217 gezählten Verkehrsteilnehmenden verzichteten 87 auf den Blinker – das ist weit mehr als ein Drittel. Auffällig: Junge, allein fahrende Männer lassen das Blinken öfters sein als Frauen. Firmenfahrzeuge blinken häufiger als Private, Velos, Roller und E-Bikes geben fast gar nie ein Zeichen zum Abbiegen.
An der Langstrasse sieht es besser aus
Für die Kreuzung wählte STREETLIFE eine etwas weniger stark frequentierte, dafür umso anspruchsvollere Kreuzung aus. Denn dort, wo die Röntgenstrasse die Langstrasse kreuzt, können Verkehrsteilnehmende in drei Richtungen fahren, und das von einer Spur aus: links, rechts oder geradeaus. Umso wichtiger wäre es, die geplante Richtung anderen anzuzeigen – nicht zuletzt Rollern und Velofahrenden, denen im dümmsten Fall der Weg abgeschnitten werden kann.
Tatsächlich zeigen sich die Verkehrsteilnehmenden an dieser Kreuzung auch deutlich disziplinierter als beim Kreisel: Von 121 Autos blinkten nur gerade 15 nicht, etwas mehr als 10 Prozent. Was aber auffiel: Viele – ja sogar die meisten – fahren an die Kreuzung und halten an, ohne den Blinker zu betätigen. Erst dann, kurz vor oder gar erst während dem Abbiege-Manöver, kommt ihnen in den Sinn, den Blinker zu betätigen. Das führte am Stichtag zu Situationen, in denen hart abgebremst werden musste – oder Velofahrer sich lautstark über das Nichtblinken beklagten. Deshalb: Stoppen und Blinker stellen – das schont die Nerven und verhindert Unfälle.
Den typischen Blink-Muffel gibt es nicht
Beobachtungen unterscheiden sich je nach Standort deutlich. Ein eindeutiges Blink-Muffel-Profil lässt sich deshalb nicht erstellen.
Klar ist dagegen: Blinken macht den Strassenverkehr berechenbarer. Wer seine Absicht frühzeitig anzeigt, hilft Autofahrenden, Velofahrenden und Fussgängern, richtig zu reagieren – und vermeidet erst noch eine Busse von 100 Franken.
So wird auf der Autobahn (nicht) geblinkt
Einen kurzen Abstecher machte STREETLIFE-Reporter Lukas Rüttimann noch auf die A1. Auf der Strecke Zürich Bareggtunnel in Fahrtrichtung Bern herrscht in Sachen Blinken Wildwest. Vor allem der dreispurige Teilabschnitt nach Zürich bis Dietikon ist berüchtigt: Zuerst verleitet das meist geringe Verkehrsaufkommen bei 3 grosszügig angelegten Fahrbahnen zum wilden Spurwechsel ohne jegliches Zeichengeben: Einmal sogar von der rechten Spur direkt auf die Überholspur ohne ein einziges Blinksignal (und zurück, auch ohne Blinken). Auch beim Zusammenschluss mit dem Verkehr aus dem Gubrist vor Dietikon wird wild gewechselt, ohne das anzukünden. Was beim Zusammenkommen der Autobahnen besonders gefährlich ist, weil die mittlere Spur von beiden Seiten her angefahren werden kann. Fazit: Das Blinken auf der Autobahn ist ausbaufähig – und das ist noch milde ausgedrückt.

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