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Retter aus China – oder verkauft Ford seine Seele?
Ford ergreift verzweifelt die rettende Hand von Li Shufu, dem chinesischen Gründer der erfolgreichen Geely-Gruppe. Mit einem gemeinsamen Werk in Valencia sollen Geely- und Ford-SUVs vom Band laufen. Verkauft Ford damit seine Seele?
Was ist bloss mit Autohersteller Ford los? Die Verkaufszahlen 2026 in der Schweiz zeichnen ein düsteres Bild. Bis Ende Juli verkaufte das Unternehmen gerade mal 2'849 Autos – im Vergleich zum letzten Jahr ein Minus von 20,6 Prozent. Fords Marktanteil beträgt damit nur noch klägliche 2,1 Prozent. Ähnlich düster sehen die Verkaufszahlen in ganz Europa aus. Gründe für den Niedergang gibt es viele: Ford forciert am Markt vorbei zu stark die Elektrifizierung. Ford kippt ohne Not den ikonischen Fiesta aus dem Programm. Ford missbraucht den Namen des legendären Sportcoupé Capri für einen Elektro-SUV. Und Fords wichtiger SUV Kuga wirkt zu altbacken.
Globaler Auto-Markensammler
Ford benötigt dringend eine rettende Hand, welche den Sturz in die Tiefe auffängt – und tatsächlich naht Hoffnung. Die rettende Hand gehört Li Shufu. Der Name klingt nach einem weissbärtigen Kung Fu Meister aus einem chinesischen Bergkloster. Aber Li Shufu lehrt nicht Kung Fu, sondern zieht als siegreicher Grossmeister im globalen Autokrieg von Schlacht zu Schlacht. Durch mutige Übernahmen und wesentliche Beteiligungen ist Li Shufu mit seiner Geely-Gruppe zum bedeutenden Markensammler der globalen Autoindustrie geworden. Heute kontrolliert Li Shufu Marken wie Volvo, Polestar, Smart, Lotus oder Zeekr und nimmt als grösster Einzelaktionär auch bei Mercedes-Benz zunehmend Einfluss.
Valencia im Spotlight
Ford Europa ergreift Li Shufus rettende Hand dankbar und spricht vom Ausbau der Zusammenarbeit mit Geely. Dabei sollen ab 2028 im aktuell wenig ausgelasteten Ford-Werk in Valencia neue Geely- und Ford-Modelle vom Band laufen. Am neuen, gemeinsamen Produktionsunternehmen darf Ford vorerst noch 66 Prozent halten, Geely startet mit 34 Prozent. Noch läuft in Valencia der Kuga vom Band. Aber bald werden dort zwei kompakte Elektro-SUVs von Geely sowie ein von Geely entwickelter Ford-Crossover produziert. Geht man davon aus, dass Batterien sowie viele, weitere Komponenten aus China angeliefert werden, ahnt man, dass Li Shufu zukünftig den Kurs bestimmen wird.
Seele an China verkauft?
Als in Schweden Volvo am wirtschaftlichen Abgrund stand, hat Li Shufu bewiesen, dass er nicht nur Milliarden für notwendige Entwicklungen bereitstellen kann, sondern auch über ein feines Gespür für Markenidentität und Kundenbedürfnisse verfügt. Auch Smart scheint plötzlich auf die Erfolgsspur einzuschwenken, seit Geely den Lead von Mercedes übernommen hat. Für Ford wird Li Shufu zwar zum Gamechanger, aber mit der engen Kooperation verkauft der einstige Weltmarktführer teilweise seine Seele an China. Der wehmütige Blick zurück bringt nichts. Ford, bei der globalen Produktion von Pickups immer noch stark, wird nur mit Kooperationen wie mit Geely überleben. Nun gilt es, vom chinesischen Fleiss und Ehrgeiz zu profitieren und vorwärtszuschauen.
Li Shufu übernimmt Zepter
Die Rettung von Ford wird kaum Li Shufus Hauptmotivation sein. Mit seiner Geely-Gruppe will er vermehrt auch Autos in der Europäischen Union produzieren, um die EU-Ausgleichszölle für chinesische Elektroautos zu umgehen. Die verzweifelten EU-Schutzzölle zwingen Chinas Autohersteller, ihre Werke nach Europa zu verlegen. Und haben chinesische Autogiganten wie Li Shufu in Europa Fuss gefasst, werden sie hier im Eiltempo das Zepter ganz übernehmen.

Kolumnist und Autor Pentti Aellig ergänzt als erfahrener Autokenner und Publizist das STREETLIFE-Redaktionsteam. Als SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident politisiert er im Kanton Schaffhausen aktiv mit. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten unserer Kolumnisten nicht mit jenen der STREETLIFE-Redaktion übereinstimmen müssen.
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