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Politik & Wirtschaft •
Oberster Energiechef

«Grösste Bedrohung in der Geschichte der Menschheit»

In einer TV-Debatte in Sydney schlug IEA-Chef Fatih Birol Alarm: Die Blockade der Strasse von Hormus hat das globale Öl- und Gasangebot massiv einbrechen lassen. Nun fordert er andere Staaten auf, ihre Förderung rasch hochzufahren, um einen weltweiten Energienotstand abzuwenden.

Der Nahost-Krieg hat weiterhin Einfluss auf die weltweite Öl- und Gasversorgung. Deshalb erwägt die Internationale Energieagentur IEA weitere Ölreserven freizugeben. Dies gab der IEA-Chef Fatih Birol in einer australischen TV-Debatte in Sydney bekannt. Gleichzeitig warnte Birol vor der womöglich schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten. So stünde man vor der «grössten Bedrohung der Energiesicherheit in der Geschichte der Menschheit».

Öl- und Gasbedarf in Asien könnte Preise weiter hochtreiben

Während der zwei aufeinanderfolgenden Ölkrisen 1973 und 1979 habe die Welt «jeweils etwa fünf Millionen Barrel Erdöl pro Tag verloren», so Birol. «Bis heute haben wir elf Millionen Barrel pro Tag verloren, also mehr als zwei grosse Ölschocks zusammen», führt er aus. 

Diesmal seien es sogar zwei Ölkrisen und ein Gaskollaps in einem. Eine besonders grosse Bedrohung für die Weltwirtschaft sei die Blockade der wichtigen Meerenge von Hormus. Dort werden rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasversorgung transportiert. 

Das meiste Öl und Gas aus den Golfstaaten floss bis anhin nach Asien. Sollten deren Reserven ausgehen, so werden Indien, China und Co. versuchen, diesen auf dem Weltmarkt einzukaufen. Dies wiederum werde die Preise noch mehr in die Höhe schiessen lassen.

Dazu kommt, dass Öl als Rohstoff in vielen weiteren Produkten steckt und rund 30 Prozent der globalen Düngerproduktion die Strasse von Hormus passieren müssen.

Kein Land verschont

Der Welt-Energiechef weiter: «Kein Land wird von den Auswirkungen dieser Krise verschont bleiben, wenn sie sich weiter in diese Richtung entwickelt.» Deshalb seien globale Anstrengungen erforderlich. Er «hoffe sehr, dass dieses Problem so bald wie möglich gelöst» werde.

Als Reaktion auf die weltweiten Preisschocks hatte die IEA Mitte März beschlossen, 426 Millionen Barrel Öl ihrer Notvorräte freizugeben.

Andere Staaten sollen Förderung erhöhen

Eine Lösung, um die Energiekrise abzufangen, sei, Länder wie Australien, Kanada, Mexiko und die USA davon zu überzeugen, ihre Öl- und Gasförderung hochzufahren. Dies gehe aber nicht von einem Tag auf den anderen, weshalb es in den Augen des IEA-Chefs nötig sei, zusätzliche strategische Ölreserven freizugeben.

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