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Knutti will LKW-Nachtfahrverbot lockern – «Stau ist unerträglich»
Eine endlose Wand aus Lastwagen besetzt die rechte Spur. Das ist die Realität vieler Pendler jeden Tag. Spurwechsel? Fast unmöglich. Nationalrat Thomas Knutti will dieses morgendliche Knäuel auflösen. Sein Plan: Wenn Lastwagen eine Stunde früher starten, haben Pendler später mehr Platz.
Jeder, der zur Rushhour pendelt, hat diesen Moment schon erlebt: Man möchte die Ausfahrt nehmen oder einfach nur die Spur wechseln, doch rechts fährt ein 40-Tönner am anderen. Stossstange an Stossstange. Der Güterverkehr macht das Fahren für Autofahrer stressig und oft gefährlich. Zwangsläufig entsteht so Stau.
Und genau diese 55’000 Staustunden pro Jahr auf Schweizer Strassen sind für Thomas Knutti ein Alarmsignal. Der Berner Nationalrat und Landwirt plant einen politischen Vorstoss, um den Verkehr rund um die Stosszeiten zu entlasten. Sein Vorschlag: Lastwagen sollen morgens bereits ab 4 Uhr fahren dürfen, eine Stunde früher als heute. «Wenn wir morgens um 4 Uhr losfahren könnten, wäre der Güterverkehr bereits an den kritischen Stellen vorbei, wenn der Berufsverkehr um 6 Uhr oder 6.30 Uhr richtig losgeht», erklärt er im Gespräch mit STREETLIFE.
Nachtfahrverbot in der Schweiz
In der Schweiz gilt ein generelles Nachtfahrverbot für schwere Motorfahrzeuge zwischen 22:00 und 05:00 Uhr. Betroffen sind Fahrzeuge über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, Sattelmotorfahrzeuge über 5 Tonnen Gesamtzugsgewicht sowie Fahrzeuge mit schweren Anhängern. Zusätzlich gilt ein Sonntagsfahrverbot. Ausnahmen sind nur mit einer Sonderbewilligung möglich, etwa wenn sich eine Fahrt nicht vermeiden lässt.
Bis die grosse Pendlerwelle zwischen 6:30 und 8:00 Uhr die Autobahnen flutet, wären gemäss Knutti viele Lastwagen bereits an den kritischen Nadelöhren wie dem Gubrist, der Grauholz-Strecke vor Bern oder rund um Luzern vorbei. Das Ergebnis für Autofahrende: Die rechte Spur wird durchlässiger, das Einfädeln entspannter und der berüchtigte Ziehharmonika-Effekt im Kolonnenverkehr nimmt ab.
Pendlerverkehr verschiebt sich
Heute dürfen Lastwagen erst ab 5 Uhr losfahren. Das bedeutet, dass sie genau dann auf Hochtouren kommen, wenn auch die ersten Frühaufsteher-Pendler losmüssen. «Früher war es bis halb sieben ruhig auf der Strasse», so Knutti. «Heute weichen viele Autofahrende auf den frühen Morgen aus, um dem Stau zu entgehen. Aber genau dort treffen sie jetzt auf den gebündelten Güterverkehr.» Indem man dem Schwerverkehr erlaube, das Zeitfenster nach vorne zu erweitern, nehme man den Druck aus dem Kessel. Es wäre ein Gewinn für beide Seiten.
Ausnahmezustand am Gotthard
Besonders drastisch ist gemäss Knutti die Situation auf der Nord-Süd-Achse. Wer in die Ferien fährt, kennt die kilometerlangen Schlangen vor dem Gotthard. Knutti plant hier einen zweiten Vorstoss: Das Nachtfahrverbot aushebeln.
Wenn der Güterverkehr die Nacht nutzen könnte, blieben die Pass- und Tunnelstrecken tagsüber frei für den Ferien- und Individualverkehr. «Wir haben am Gotthard mittlerweile das ganze Jahr über ein riesiges Problem, nicht nur an Pfingsten oder Ostern. Das ist unerträglich. Vor allem, weil es keine Alternativen gibt. Der Kanton Uri blockiert einfach.»
Rückendeckung aus der Branche
Bei Transportunternehmern stösst Knuttis Idee auf offene Ohren. Mehr Flexibilität würde helfen, denn es gehe nicht darum, dass jeder Fahrer mitten in der Nacht aus den Federn muss. «Es wäre eine Option», stellt Knutti klar. Wer die Stunde nutzen will, um dem Stau zu entfliehen, soll die Freiheit dazu haben.
Kritiker könnten den Lärm in den frühen Morgenstunden anführen. Schliesslich wurde das Schweizer Nachtfahrverbot primär zum Schutz vor Lärmemissionen und zur Sicherstellung der nächtlichen Erholung eingeführt. Doch Knutti relativiert: «Ob es 4 oder 5 Uhr ist, macht für das Geräuschempfinden wahrscheinlich keinen grossen Unterschied mehr. Aber um halb sechs rollt der Verkehr heute sowieso schon massiv an.»
Der Vorstoss soll voraussichtlich in der kommenden Juni-Session in Bern Thema werden. Knutti ist zuversichtlich, dass er unter seinen Ratskollegen Mitstreiter findet.
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