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Verkehr •
Geduldsprobe am Steuer 

Kaum grün, schon wieder rot: Das sind die nervigsten Ampeln der Schweiz

Hupende Autos, genervte Lenker und kaum Zeit zum Losfahren: Manche Ampeln bringen Autofahrende zur Weissglut. STREETLIFE hat in vier Schweizer Städten den Ampel-Frust unter die Lupe genommen. 

Wer kennt es nicht: Man steht an einer roten Ampel, wartet gefühlt eine Ewigkeit und wenn das Licht endlich auf Grün schaltet, schaffen es gerade einmal zwei oder drei Autos über die Kreuzung. Schon springt das Lichtsignal wieder auf Rot.   

Doch welche Ampeln strapazieren die Geduld der Autofahrenden besonders? Die STREETLIFE-Reporter Salvatore Iuliano, Swenja Willms und Claudia Brüngger haben in Winterthur, Luzern, Zürich und Baden verschiedene Lichtsignalanlagen beobachtet, die Grün- und Rotphasen gestoppt und gezählt, wie viele Fahrzeuge jeweils passieren konnten.  

Das Ergebnis: An manchen Kreuzungen braucht es tatsächlich starke Nerven. Besonders eine Ampel in Winterthur hat es in sich.  

Winterthur: 6,5 Sekunden Grün und jede Menge Ärger  

Wer in Winterthur von der Seenerstrasse links stadteinwärts auf die Frauenfelderstrasse abbiegen will, braucht Geduld. STREETLIFE-Reporterin Claudia Brüngger beobachtete die Kreuzung während der abendlichen Stosszeit zwischen 17:35 und 17:50 Uhr. Ihr Befund: Meistens zeigte die Ampel gerade einmal 6,5 Sekunden Grün. In dieser Zeit schafften es lediglich zwei bis drei Autos über die Kreuzung. Anschliessend hiess es wieder 80 bis 90 Sekunden warten.  

Die kurze Grünphase sorgte offensichtlich für gereizte Stimmung. Wer beim Umschalten nicht sofort losfuhr, wurde angehupt. Manche Autofahrende verwarfen die Hände und es kam mehrmals vor, dass die Lenkenden bei Orange oder sogar Rot noch über die Kreuzung fuhren.   

Allerdings zeigte die Ampel für Linksabbiegende nicht immer so kurz Grün. Einmal stoppte die Reporterin ganze 26 Sekunden. 13 Autos konnten in dieser Zeit passieren.  

Ein interessanter Vergleich bietet die Ampel gleich nebenan, bei der die Autofahrenden stadtauswärts rechtsabbiegen: Hier leuchtete die Ampel jeweils 36 bis 38 Sekunden grün. Auch die Wartezeit fiel mit 48 bis 58 Sekunden deutlich kürzer aus.  

Dass Linksabbiegende derart auf die Geduldsprobe gestellt werden, hat laut dem Tiefbauamt Winterthur mehrere Gründe. «Linksabbieger stehen mit deutlich mehr Verkehrsbeziehungen in Konflikt als Rechtsabbieger», erklärt Sprecher Michael Graf. Hinzu komme, dass auf der Rechtsabbiegespur abends rund viermal so viel Verkehr fliesse. «Deshalb erhält die Rechtsabbiegespur mehr beziehungsweise länger Grün.»  

Die Kreuzung stosse während der Hauptverkehrszeit jedoch an ihre Kapazitätsgrenze. Michael Graf: «Die verfügbare Grünzeit muss auf die verschiedenen Verkehrsströme verteilt werden. Dadurch kann es vorkommen, dass während einer Grünphase nur wenige Fahrzeuge passieren können.»   

Luzern: Zwei Minuten Rot für acht Sekunden Grün  

Auch in Luzern braucht es an gewissen Ampeln einen langen Atem. STREETLIFE-Reporterin Swenja Willms nahm die Lichtsignalanlage an der Hünenbergstrasse während dem Feierabendverkehr zwischen 17:00 und 17:20 Uhr unter die Lupe.  

Die Grünphase dauerte bei ihren Beobachtungen jeweils gerade einmal acht Sekunden. Vier Autos schafften es in dieser Zeit jeweils über die Kreuzung. Wie lange man auf die nächste Grünphase warten musste, variierte dagegen stark: Mal waren es nur 30 Sekunden, mal 55 Sekunden und im Extremfall sogar zwei Minuten. 

Viele Autofahrende versuchen deshalb, noch schnell bei Gelb über die Kreuzung zu kommen. Doch das kann heikel werden: Gerade bei hohem Verkehrsaufkommen und mehreren Abbiegespuren droht der Verkehr auf der Kreuzung zum Erliegen zu kommen. Wer dann zögert und erst hinter der Haltelinie zum Stehen kommt, blockiert unter Umständen zusätzlich den Kreuzungsbereich. 

Zürich: Drei Autos und schon wieder Rot   

In Zürich nahm STREETLIFE-Reporter Salvatore Iuliano ebenfalls zwei Kreuzungen unter die Lupe. Besonders unangenehm fiel die Ampel an der Max-Högger-Strasse auf, die auf die Europabrücke führt.  

Zwischen 8:15 und 8:30 Uhr stoppte er Grünphasen von meistens acht bis zehn Sekunden. Im kürzesten Fall waren es 8,58 Sekunden, im längsten 20 Sekunden. Maximal drei Autos oder ein Lastwagen konnten während einer kurzen Grünphase passieren. Die Rotphasen dauerten meistens zwischen einer Minute und 80 Sekunden. Die längste gemessene Wartezeit betrug 95 Sekunden.  

Damit stehen die Autofahrenden länger an der Kreuzung, als es die mittlere Wartezeit des städtischen Verkehrssteuerungsprinzip eigentlich vorsieht: Laut der Dienstabteilung Verkehr soll diese weniger als eine Minute dauern. Doch sie ist von mehreren Faktoren abhängig: «Einige Ampeln werden mit festen Zeiten gesteuert, bei denen die Wartezeiten immer etwa gleich lang sind. Andere Ampeln sind verkehrsabhängig, das heisst, die Grün- beziehungsweise Rotlichtphasen unterscheiden sich je nach Verkehrsaufkommen», erklärt Sprecherin Chantal Stocker. Der öffentliche Verkehr werde dabei bevorzugt.   

Die zweite Kreuzung, die STREETLIFE-Reporter Salvatore Iuliano beobachtete, liegt an der Alfred-Escher-Strasse. Wer hier nach links fahren will, hat bei einer Grünphase von neun bis elf Sekunden eher wenig Zeit zum Abbiegen. Gerade mal drei bis vier Autos schafften es jeweils über die Kreuzung. Anschliessend folgte eine Wartezeit von 45 und 60 Sekunden, was hingegen in den Rahmen der mittleren Wartezeit fällt.   

Baden: Zwei Minuten warten, acht Sekunden fahren  

Auch in Baden stiess STREETLIFE-Reporter Salvatore Iuliano auf besonders kurze Grünphasen. An der Kreuzung bei der Kantonspolizei in Fahrtrichtung Autobahn stoppte er morgens zwischen 7:25 und 7:40 Uhr jeweils zehn Sekunden Grün. Gerade einmal zwei bis drei Autos konnten passieren. Danach folgten rund 90 Sekunden Rot.  

Geduld brauchten Autofahrende auch an der Seminarstrasse. Wer links auf die Hochbrücke abbiegen wollte, erhielt lediglich acht Sekunden Grün. Vier Autos schafften es jeweils über die Kreuzung, bevor die Ampel für rund zwei Minuten wieder auf Rot wechselte. Geradeausfahrende hatten mit 30 Sekunden zwar deutlich länger Grün, mussten anschliessend aber sogar rund 130 Sekunden warten.  

Das Tiefbauamt des Kantons Aargau erklärt die kurzen Grünphasen vor allem mit der hohen Verkehrsbelastung und der komplexen Verkehrsführung bei den von STREETLIFE beobachteten Kreuzungen. An der Seminarstrasse stosse die Kreuzung während der Stosszeiten an ihre Kapazitätsgrenze. Zudem würden Busse bevorzugt. An der Mellingerstrasse werde der Autoverkehr sogar bewusst zurückgehalten, um Staus am Schulhausplatz zu verhindern. «Die Dosierstärke ist abgestimmt auf die Leistungsfähigkeit am Knoten Schulhausplatz», erklärt Sprecher Daniel Fagone.   

So lange müssen Ampeln mindestens grün sein  

Die kürzeste Grünphase beobachtete STREETLIFE also in Winterthur mit gerade einmal 6,5 Sekunden. Doch wie kurz darf eine Grünphase eigentlich sein? Die Schweizer Norm VSS 40 837 schreibt vor, dass eine Ampel mindestens vier Sekunden grün sein muss. Eine allgemeine Obergrenze für Rotphasen gibt es hingegen nicht.

Die Tiefbauämter sind sich jedoch bewusst, dass «sehr lange Rotzeiten zu Unverständnis und Rotübertritten führen können», so Sprecher Fagone im Kanton Aargau. Interessant: Tatsächlich beschweren sich Autofahrende aber nur sehr selten. Viel häufiger würden sich Fussgängerinnen und Fussgänger darüber beklagen, dass ihre Ampel zu schnell wieder auf Rot schaltet, wie gleich drei Tiefbauämter betonen. 

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