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«Jetzt reicht es»: Schweizer Garagisten kehren Autoscout24 den Rücken
Per 1. Juni 2026 hat Autoscout24 die Gebühren für Autohändler um 15 Prozent erhöht. Für viele Schweizer Garagisten der finale Grund, den Online-Automarktplatz zu verlassen. Allein in den letzten Tagen verschwanden mehr als 2'000 Fahrzeuge von der Plattform. Von LinkedIn bis TikTok rechnet die Branche mit dem Marktplatz ab.
«Tschüss Autoscout. Wir sind dann mal weg.» Mit diesen Worten auf LinkedIn verabschiedet sich Lars Jensen, Inhaber der Jensen AG, von dem Autoverkaufsportal. Er war 25 Jahre lang Partner von Autoscout24. Doch per 1. Juni 2026 ist Schluss.
Der Grund für den drastischen Schritt ist eine Preispolitik, die für viele Händler schlicht nicht mehr tragbar sei. Autoscout24 hat seine Preise für die Inserate erneut um rund 15 Prozent erhöht. STREETLIFE hatte bereits zuvor über diese Preispolitik berichtet. Wie extrem die Entwicklung über die Jahre verlaufen ist, zeigt Jensen mit den nackten Zahlen aus seinem Betrieb, die er STREETLIFE zur Verfügung stellt: Im Juni 2020 beliefen sich die Kosten auf 13'949 Franken, im Juni 2026 bereits auf 46'320 Franken, eine Steigerung von 232 Prozent.
Der digitale Aufschrei erreicht auch TikTok: In Clips rechnen diverse Garagisten vor, wie die jüngste Preisanpassung ihre Kalkulation sprengt. Die Rede ist von satten 200 Franken Zusatzkosten pro Monat.
@francescolefossi AUTOSCOUT STEIGT WIEDER ! #cartok#autoscout24#auto#fyp#fürdich
♬ Originalton - Francesco Le Fossi Autoservice
Die Branche solidarisiert sich
Was Jensen sauer aufstösst, ist die Art und Weise der Kommunikation. Während die SMG Swiss Marketplace Group (der Konzern hinter Autoscout24) von Investitionen und Mehrwert spricht, kam beim Garagisten vor allem eines an: Eine standardisierte Mail mit der Information zum Preisanstieg. «Niemand nahm sich die Zeit, um uns persönlich zu informieren. Das, obwohl wir in den letzten Jahren mit Autoscout im Austausch waren bezüglich der Preisentwicklung», erklärt Lars Jensen. Auch nach der Kündigung erkundigte sich niemand persönlich», erklärt Lars Jensen. «Ich finde dieses Vorgehen nicht richtig. Jetzt reicht es einfach.»
Die Reaktionen auf seinen Post sind gewaltig. «Ich bin überrascht von der enormen Reichweite und der Solidarität. Viele Kollegen haben sich bei mir gemeldet und angekündigt, es mir gleichzutun und die Plattform ebenfalls zu verlassen. »
Wohin wandert die Szene ab?
Die Fluchtbewegung geht hin zu anderen Anbietern wie carmarket.ch oder Autolina. «Wir werden jetzt noch stärker auf carmarket.ch setzen», bestätigt Jensen. Auch die eigenen Kanäle und Hersteller-Plattformen wie toyota.ch oder lexus.ch würden massiv an Bedeutung gewinnen, wie Jensen weiter ausführt.
Der Exodus ist messbar: 2'000 Autos weg
Wie stark sich die Preispolitik von Autoscout24 auf die Plattform auswirkt, zeigt der Blick auf die nackten Zahlen. Gemäss eigenen Beobachtungen ist die Zahl der inserierten Fahrzeuge pünktlich zur Preiserhöhung am 1. Juni drastisch gesunken: Ende Mai standen noch rund 176'696 Fahrzeuge online. Nur wenige Tage später ist die Zahl auf 174'625 gesunken.
Mehr als 2'000 Autos weniger. Ein deutliches Signal an den Branchenriesen, dessen Mutterkonzern SMG an der Börse ohnehin unter Druck steht: Der Aktienkurs fiel seit 2025 von 46 auf unter 30 Franken.
So reagiert Autoscout24 auf die Fragen von STREETLIFE
Auf LinkedIn kritisiert ein Garagist öffentlich die Preisentwicklung bei Autoscout24. Er spricht von einem Zuschlag von 232 Prozent seit Juni 2020. Wie erklären Sie diesen Anstieg?
Generell investiert AutoScout24 kontinuierlich in Weiterentwicklung, Sicherheit, Nutzerfreundlichkeit der Plattform, Reichweite, Bekanntheit, neue Technologien (z.B. KI) und verbesserte Services für Händler. Preisanpassungen tragen diesen Investitionen Rechnung und stellen sicher, dass wir den steigenden Anforderungen im digitalen Fahrzeughandel auch künftig gerecht werden können.
Hat der Börsengang etwas mit der Preisentwicklung zu tun?
Nein, die Preisgestaltung von AutoScout24 steht in keinem Zusammenhang mit dem Börsengang der SMG. Preisanpassungen basieren auf dem Mehrwert für unsere Kundschaft sowie auf den laufenden Investitionen in die Weiterentwicklung der Plattform, neue Händlerlösungen, Daten- und Analysetools sowie KI-gestützte Funktionen. Unser Fokus liegt darauf, den Nutzen für Händler und Käufer kontinuierlich zu erhöhen und langfristig attraktive Ergebnisse für unsere Kundschaft zu erzielen.
Gab es viele Garagen, die nach dem jüngsten Preisanstieg ausgestiegen sind bei Autoscout?
Grundsätzlich beobachten wir den Schweizer Fahrzeugmarkt sehr genau. Dass einzelne Händler verschiedene Plattformen testen oder ihre Präsenz diversifizieren, gehört zu einem dynamischen Marktumfeld und ist nichts Aussergewöhnliches. Es zeigt auch, dass Händler über Alternativen verfügen und diese als relevante Optionen einschätzen.
Wettbewerb gehört zu einem funktionierenden Markt und spornt uns an, unser Angebot kontinuierlich weiterzuentwickeln. Aufgrund unserer hohen Reichweite, der starken Marke und der Qualität unserer Dienstleistungen sehen wir uns weiterhin als attraktiven Partner.
Hinweis: Wie carmarket.ch gehört auch STREETLIFE zur Emil Frey Gruppe.
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