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In diesen Schweizer Dörfern geht ohne Auto gar nichts
Wer in der Schweiz an Dörfer ohne ÖV-Anschluss denkt, hat vermutlich abgelegene Bergregionen vor Augen. Doch auch mitten in den Agglomerationen gibt es Ortschaften, in denen kein regulärer Bus fährt. Ein Auto ist hier praktisch unverzichtbar.
Wer in der Schweiz mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist, kommt meistens ziemlich weit. Das Bahn- und Busnetz gilt als eines der dichtesten der Welt. Selbst manch abgelegenes Bergdorf wird regelmässig vom Postauto angefahren.
Doch ausgerechnet in gut erschlossenen Regionen gibt es Ortschaften, die beim öffentlichen Verkehr durchs Raster fallen. Es führt kein regulärer Bus ins Dorf und die nächste Haltestelle ist kilometerweit entfernt. Wer hier keine langen Fussmärsche auf sich nehmen möchte, braucht vor allem eines: ein Auto.
Alten ZH: 40 Minuten zu Fuss zum nächsten Bahnhof
Ein Beispiel ist Alten im Zürcher Weinland. Der kleine Ort mit rund 300 Einwohnenden gehört zur Gemeinde Kleinandelfingen, die sich auf ihrer Website als verkehrstechnisch hervorragend erschlossen bezeichnet. Tatsächlich liegt die Gemeinde an der wichtigen Verkehrsachse zwischen Winterthur und Schaffhausen, verfügt über einen Autobahnanschluss und profitiert von guten Bahn- und Busverbindungen. Nur im Ortsteil Alten sieht die Sache anders aus.
Dort hält bis heute kein regulärer Bus. Wer mit dem öffentlichen Verkehr verreisen möchte, muss zuerst nach Andelfingen oder Marthalen gelangen. Vom Dorfzentrum zum Bahnhof Andelfingen zeigt Google Maps eine Route von 40 Minuten zu Fuss an.
Dabei setzt sich die Bevölkerung schon seit Jahren für eine bessere Erschliessung ein. Wie der «Andelfinger» bereits 2020 berichtete, erarbeiteten Einwohner sogar ein eigenes Mobilitätskonzept. Zur Diskussion standen unter anderem ein selbstfahrender Bus, ein Fahrdienst auf Abruf oder ein sogenanntes Mitfahrbänkli, bei dem vorbeifahrende Automobilisten wartende Personen mitnehmen könnten.
Auch die Gemeinde brachte den Wunsch nach einer Busverbindung immer wieder im Fahrplanverfahren ein. Doch die Antwort fiel laut dem damaligen Bericht stets gleich aus: Eine Verbindung sei wirtschaftlich nicht tragbar.
Bollingen SG: Der Bahnhof wurde einfach aufgehoben
Auch Bollingen am oberen Zürichsee zeigt, dass ein fehlender ÖV-Anschluss keineswegs nur ein Problem abgelegener Bergregionen ist. Das Dorf gehört zur Stadt Rapperswil-Jona und liegt zwischen Rapperswil und Schmerikon.
Besonders fies: Bollingen liegt eigentlich genau an einer Bahnstrecke und verfügte bis 2004 sogar über eine eigene Haltestelle. Dann wurde diese wegen zu geringer Fahrgastzahlen aufgehoben. Damit sollten die Fahrplanstabilität und die Anschlüsse an den Bahnhöfen Rapperswil und Uznach verbessert werden. Auch hier zeigt Google Maps: Bis zu den Bushaltestellen in den umliegenden Dörfern muss man vom Dorfzentrum aus mindestens 30-40 Minuten zu Fuss auf sich nehmen.
Seit der Bahnhofschliessung kämpft das rund 100 Einwohner zählende Dorf um einen besseren ÖV-Anschluss. Rapperswil-Jona machte deshalb einen Schulbus auf eigene Kosten auch für die Bevölkerung zugänglich. Das Angebot beschränkt sich jedoch auf vier Hin- und Rückfahrten pro Schultag.
Dass die Situation weiterhin für Diskussionen sorgt, zeigt eine Mitwirkungsunterlage der Stadt Rapperswil-Jona. Darin forderten Teilnehmende unter anderem bessere Busverbindungen, einen Anschluss an die Buslinie zum Ortsteil Wagen und sogar die Wiedereinführung eines S-Bahn-Halts auf Verlangen.
Lieli LU: Fünf Minuten Umweg sind zu viel
Im Kanton Luzern gibt es mehrere kleine Ortschaften, die um einen Anschluss an den öffentlichen Verkehr kämpfen. Das zeigt ein Bericht von Tele M1.
Dazu gehört Lieli, ein Ortsteil der Gemeinde Hohenrain. Die Einwohnerinnen und Einwohner forderten im Rahmen einer Fahrplanvernehmlassung, dass Lieli und das benachbarte Sulz nach rund zehn Jahren wieder regelmässig von einem Bus bedient werden.
Das Problem: Die gewünschte Linienführung würde den bestehenden Buskurs um ungefähr fünf Minuten verlängern. Laut der damaligen Stellungnahme des Verkehrsverbunds Luzern hätte dies erhebliche zusätzliche Kosten zur Folge. Das Anliegen wurde deshalb abgelehnt.
Für die betroffene Bevölkerung bedeutet das, dass der Weg zur nächsten regulären ÖV-Verbindung weiterhin anderweitig zurückgelegt werden muss. Besonders für Personen ohne eigenes Auto ist das eine Einschränkung.
Wiliberg AG: Kein Bus, dafür ein Rufbus
Dass eine Gemeinde nicht zwingend einen regulären Linienbus braucht, um wenigstens eine gewisse ÖV-Anbindung sicherzustellen, zeigt Wiliberg im Kanton Aargau.
Die kleinste Gemeinde des Kantons zählt rund 168 Einwohnerinnen und Einwohner. Seit 2008 ist sie nicht mehr an das Regionalbusnetz Zofingen angeschlossen. Inzwischen gibt es immerhin einen Rufbus, der für 10 respektive 15 Franken Fahrten zu den ÖV-Anschlüssen in Zofingen, Reiden, Bottenwil und Reitnau ermöglicht.
Die Gemeinde schreibt auf ihrer Website selbst, dass die überwiegende Mehrheit ihrer Einwohnerinnen und Einwohner auswärts arbeitet. Einkaufsmöglichkeiten oder Industrie gibt es im Dorf keine. Für viele bleibt das Auto deshalb die naheliegende Lösung, um den Alltag flexibel zu organisieren.

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