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Frühes Ende auf der Schrotthalde
Kleine Batterien, kurze Ladezyklen sowie komplizierte Technologien können für Besitzer von Plug-in-Hybrid-Autos (PHEV) zur Kostenfalle werden. Manchen PHEV-Fahrern droht ein vorzeitiger, wirtschaftlicher Totalschaden. Das frühe Ende belastet die globale Energiebilanz.
Seit rund 10 Jahren sind Plug-in-Hybrid-Autos (PHEV) auf dem Markt. Nun kommt die Stunde der Wahrheit. Bei immer mehr PHEV-Modellen der ersten Generation tauchen Probleme auf. Viele Akkus erreichen das Ende ihres Lebenszyklus schneller als befürchtet. Oder defekte Steuergeräte und Hochvoltkomponenten müssen ersetzt werden.
Häufig stellen sich bei solchen Problemen die Rückmeldungen der Reparaturwerkstätten als wahre Horrornachrichten heraus. Reparaturkosten im Bereich zwischen 8'000 und 15'000 Franken übersteigen oft den Restwert des Autos. Der Plug-in-Hybrid endet als wirtschaftlicher Totalschaden – dabei wäre das Auto mechanisch noch in einwandfreiem Zustand gewesen. Das renommierte Automagazin «Auto Motor & Sport» titelte vor wenigen Tagen zum Thema Folgekosten für PHEV-Fahrer: «Zeitbombe Plug-in-Hybrid?"
Kostenfalle Plug-in-Hybrid
Weshalb entpuppen sich angejahrte PHEV-Autos als Kostenfallen? Ursprünglich waren Plug-in-Hybrid-Autos als Brückentechnologie entwickelt worden, um die Lücke zwischen Verbrenner- und Elektrogeneration zu schliessen. Das Problem der PHEV-Autos liegt aber in ihrer komplexen Technik. Ein vollständiger Verbrennungsmotor mit aufwendiger Abgastechnologie und Automatikgetriebe wird kombiniert mit einem Elektromotor, einer Hochvoltbatterie und vielen Elektronikkomponenten wie Inverter, DC/DC-Wandler oder Onboard-Lader.
Die erfahrene, kroatische Klinik für Elektrofahrzeuge EVC, welche mittlerweile auch in Berlin tätig ist, bezeichnet auf dem Kurznachrichtendienst X die Plug-in-Hybride als «das Schlechteste aus zwei Welten», weil sie die technischen Risiken von Verbrenner- und Elektroantrieb tragen, ohne die Vorteile einer der beiden Welten auszuspielen (@evclinic).
Himmelfahrtskommando
Die komplexe Fusion zweier Technologien zielt einerseits auf das umweltfreundliche Erreichen von Kurzdistanzen mit reinem Elektroantrieb und andererseits auf die Unabhängigkeit des Verbrennermotors. Die Erfahrung zeigt nun, dass das regelmässige Fahren von Kurzdistanzen zum häufigeren Aufladen der kleinen PHEV-Batterie führt. Bereits ab 1'000 vollständigen Ladezyklen gelten deshalb viele Lithium-Ionen-Akkus altersbedingt als erheblich eingeschränkt.
Das häufige Laden führt zu frühzeitigem Kapazitätsverlust oder Fehlern in der Elektroinfrastruktur. Aktuelle Elektroautos (EV) mit grossen Batterien verfügen über eine deutlich höhere Altersprognose. Die sich häufenden Meldungen über wirtschaftliche Totalschäden von Plug-in-Hybrids werden sich auf den Wiederverkaufswert negativ auswirken. Ohne professionelle Batterieanalyse kann der Kauf eines gebrauchten PHEV in einem Himmelfahrtskommando enden.
Miserable Energiebilanz
Die schlechten Altersprognosen von vielen Plug-in-Hybrid-Autos zeigen einerseits, dass komplizierte Technologien oft mit Kosten und Ärger verbunden sind. Andererseits öffnen uns frühzeitig gealterte PHEVs klimapolitisch die Augen: Der Grat zwischen Klimapolitik und reiner Symbolpolitik ist extrem schmal. Zwar hilft Hybridtechnologie, den Verbrauch von Verbrennermotoren zu senken. Aber am Ende des Tages ist für das globale Klima der gesamte Energierucksack eines Autos entscheidend.
Landet ein Hybridauto bereits nach 10 Jahren auf der Schrotthalde, resultiert daraus eine miserable Energiebilanz. Die umweltfreundliche Zukunft liegt in der Antriebsoffenheit. Extrem verbrauchsgünstige, langlebige Verbrennerautos sind ebenso nachhaltig wie wartungsarme Elektrofahrzeuge mit kreislauffähigen Batterien. Leider passt die Antriebsoffenheit nicht in das eindimensionale Weltbild radikalisierter Klimapolitiker.

Kolumnist und Autor Pentti Aellig ergänzt als erfahrener Autokenner und Publizist das STREETLIFE-Redaktionsteam. Als SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident politisiert er im Kanton Schaffhausen aktiv mit. Wir weisen darauf hin, dass die Ansichten unserer Kolumnisten nicht mit jenen der STREETLIFE-Redaktion übereinstimmen müssen.
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