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«Es ist wie im wilden Westen hier oben am Furkapass»
Das Hotel Belvédère am Furkapass ist einer der bekanntesten Fotospots der Schweiz. Doch statt Alpenidylle sorgen Donuts, Motorenlärm und gefährliche Fahrmanöver für Ärger. Die Besitzerfamilie schlägt Alarm und kritisiert die Polizei.
Wer den Furkapass kennt, kennt auch das berühmte Hotel Belvédère in der Haarnadelkurve neben dem Rhonegletscher. Das Hotel gilt als einer der beliebtesten Fotohotspots – vor allem für Sportwagenfans. Doch das Verhalten der Passbesucher sorgt bei der Besitzerfamilie immer wieder für Ärger. Erst musste sie mehrmals gegen Besucher vorgehen, die in das geschlossene Hotel eindrangen, um den vermeintlichen «Lost Place» zu erkunden. STREETLIFE berichtete darüber.
Nun beschäftigt die Familie das nächste Problem. Statt Einbrechern sorgen heute rücksichtslose Autofahrende für Ärger. «Der Parkplatz und die Strasse vor dem Hotel werden je länger je mehr zu einem Hotspot für Bolidenfahrer, die dort ihre Driftmanöver machen. Damit gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer und Fussgänger», sagt Philipp Carlen, Sprecher der Besitzerfamilie.
Drohnen und Motorenlärm
Direkt neben dem geschlossenen Hotel betreibt die Familie während der Saison von Juni bis Oktober eine Snack-Buvette, einen Souvenirshop sowie den Zugang zur Eisgrotte. Die Mitarbeitenden wohnen in dieser Zeit ebenfalls vor Ort. Sie sind vom rücksichtslosen Fahrverhalten besonders betroffen – vor allem auch vom Lärm.
«Das beginnt teilweise morgens um 6 Uhr und dauert bis 22 Uhr. Dann fahren sie mit ihren Sportwagen gefährliche Manöver und filmen sich noch dabei mit Drohnen», so Carlen. Das, obwohl die Familie Drohnenflüge auf dem Areal eigentlich verboten habe. Einige waren sogar besonders dreist: «Die Drohnen-Verbotstafel, die wir aufgestellt haben, wurde einfach demontiert.»
«Die spinnen doch»
Wie solche Situationen aussehen, zeigt ein Video, das Carlen STREETLIFE zur Verfügung gestellt hat. Darauf ist zu sehen, wie ein Sportwagen mit ausländischem Kennzeichen auf dem Parkplatz driftet. Carlen spricht die Beteiligten auf Englisch an und kündigt an, die Polizei zu verständigen. Statt Einsicht erntet er Unverständnis. «Es waren doch nur ein paar Minuten», entgegnet ihm eine Frau. «Die spinnen doch», sagt Carlen am Ende des Videos nur noch dazu. Die Szene hat Carlen bereits im Sommer 2025 festgehalten und sagt zu STREETLIFE: «Aber ähnliche Videos könnten auch heute, jeden Tag, aufgenommen werden.»
Betreiber kritisieren fehlende Polizeipräsenz
Laut Carlen wurde die Polizei bereits mehrfach telefonisch und schriftlich verständigt. In einem Schreiben an die Kantonspolizei Wallis, das STREETLIFE vorliegt, fordert die Besitzerfamilie mehr Kontrollen und weitere Massnahmen gegen die gefährlichen Zustände rund um das Hotel Belvédère. Darin bezeichnet sie den Abschnitt zwischen der Passhöhe und Muttbach als «Rennstrecke, auf der regelmässig die gefährlichsten Verkehrsmanöver […] durchgeführt werden.»
Von der bisherigen Reaktion zeigt sich Carlen enttäuscht. «Wenn wir anrufen, heisst es oft: ‹Wir haben gerade keine Kapazität, weil wir gerade auf einem anderen Pass sind. Bis wir da sind, sind die weg.›»
Carlen wünscht sich deutlich mehr Kontrollen auf dem Furkapass. Nur so könnten gefährliche Fahrmanöver und die zunehmende Lärmbelastung wirksam eingedämmt werden.
So reagiert die Polizei auf den Vorwurf
Die Kantonspolizei Wallis wehrt sich gegen den Vorwurf, auf den Passstrassen werde zu wenig kontrolliert. Sie führe regelmässig Verkehrskontrollen und Schwerpunktaktionen durch – auch auf den Passstrassen. Gleichzeitig räumt sie ein, dass soziale Medien und Werbevideos einzelne Orte für gefährliche Fahrmanöver attraktiver machen könnten. «Wo sich problematische Entwicklungen abzeichnen, reagieren wir lagegerecht mit verstärkter Präsenz und gezielten Kontrollen», schreibt sie auf Anfrage von STREETLIFE. Ob die Kontrollen rund um das Hotel Belvédère tatsächlich verstärkt werden, lässt die Kantonspolizei jedoch offen.
Driften auf öffentlichen Strassen oder Parkplätzen sei verboten und könne straf- sowie administrativrechtliche Folgen haben. Schwerwiegende Unfälle im Zusammenhang mit Driftmanövern auf dem Parkplatz vor dem Hotel Belvédère seien der Polizei zwar keine bekannt. Solche Manöver stellten jedoch ein erhebliches Sicherheitsrisiko für die Fahrzeuglenkenden, andere Verkehrsteilnehmende und anwesende Personen dar.
«Bitte fahrt hier nicht wie Verrückte»
Trotz aller Probleme betont Carlen, dass Besucher am Hotel Belvédère weiterhin willkommen seien. Gegen Fotos habe niemand etwas einzuwenden – solange Rücksicht genommen werde.
«Bitte fahrt hier einfach nicht rum wie Verrückte. Es ist langsam wie im Wilden Westen hier oben. Es nimmt Ausmasse an, die für uns nicht mehr tragbar sind. Daher appelliere ich insbesondere an die Sportwagenfahrer, dass sie etwas rücksichtsvoller sind, um andere Verkehrsteilnehmende und sich selbst nicht zu gefährden.»

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