Zum Hauptinhalt springen

Werbung

Verkehr •
Furkapass-Hotelbesitzer warnt vor Anzeigen

«Hört auf, ins Belvédère einzubrechen!»

Das Hotel Belvédère am Furkapass ist eine Ikone der Auto- und Töffszene. Doch der Social-Media-Hype wird von einer dunklen Seite überschattet, seit das Hotel als «Lost Place» betitelt wurde. Besitzer Philipp Carlen wehrt sich gegen dieses Image und berichtet über Einbrüche, eine verletzte Mitarbeiterin und dreiste Influencer.

Der Furkapass ist für viele Auto- und Töfffans ein Traumziel. Enge Kurven, spektakuläre Felswände, Passstrassen-Feeling pur. Und direkt neben dem bekannten Rhonegletscher: das legendäre Hotel Belvédère.

Obwohl das Hotel seit 10 Jahren geschlossen ist, bleibt das öffentliche Interesse am historischen Gebäude riesig. Doch seit es in TV-Beiträgen als «Lost Place» inszeniert wurde, hat sich die Situation laut Besitzer Philipp Carlen zugespitzt. «Leider kommt es seither immer wieder zu Einbrüchen ins Hotel», sagt Carlen zu STREETLIFE.

Gerade bei Jugendlichen sind Lost Places sehr beliebt: Sie filmen sich dabei, wie sie in vermeintlich verlassene Gebäude eindringen und diese erkunden.

Mitarbeiterin sprang in Todesangst von Podest

Am Samstag, 5. Juli 2025 passierte das auch im Belvédère: «Drei Jugendliche brachen ins Hotel ein – zwei davon sind sogar noch minderjährig», erzählt Carlen. Doch dabei wurden sie von einer 32-jährigen Mitarbeiterin des Gletscher-Stübli entdeckt, dem Bistro auf dem Parkplatz neben dem Hotel, das ebenfalls der Familie Carlen gehört. Als sie die jugendlichen Einbrecher konfrontierte, kam es zum Unglück: «Einer der Jugendlichen hatte ein Beil dabei und flüchtete aus dem Fenster. Danach rannte er auf die Mitarbeiterin zu, die natürlich um ihr Leben fürchtete», schildert Carlen den dramatischen Vorfall. In der Folge sei die Frau ein zwei Meter hohes Podest runtergesprungen und verletzte sich schwer an den Beinen.

Verfahren läuft

Die Kantonspolizei Wallis bestätigt den Hausfriedensbruch, die Sachbeschädigung und eine verletzte Person. Die zuständige Staatsanwaltschaft hat daraufhin eine Untersuchung eingeleitet», heisst es seitens Polizei.

Das Verfahren gegen die drei Jugendlichen läuft noch, so Carlen. Als Anwalt vertritt er sowohl seine Seite als Hauseigentümer als auch die der verletzten Mitarbeiterin. Bis heute ist die Frau noch nicht voll arbeitsfähig.

Ire stellte Video seines Einbruchs ins Netz

Es ist nicht der einzige Vorfall, bei dem sich jemand unbefugt Zutritt zum Hotel verschaffte. «Vor gut zwei Jahren brach ein irischer Influencer gleich zweimal ins Belvédère ein, einmal im Sommer und einmal sogar im Winter, als die Passstrasse noch gesperrt war», erzählt Carlen. Darauf aufmerksam geworden sei er, weil der Ire die Videos seiner Tat in’s Netz stellte. Auf eine Anzeige habe er damals aus Zeitgründen verzichtet. Doch der Hotelbesitzer mahnt potenzielle Nachahmer: «Hört auf, in’s Belvédère einzubrechen. In der Zukunft werden wir jegliche Vorfälle anzeigen.»

«Das Belvédère ist kein Lost Place»

Carlen kann das Interesse am historischen Gebäude, das 1882 erbaut wurde, durchaus nachvollziehen. «Wenn jemand wirklich Interesse daran hat, sich die Räumlichkeiten von Innen anzusehen, dann schreibt man uns lieber, als Hausfriedensbruch zu begehen. Das Belvédère ist kein Lost Place, es ist einfach momentan nicht in Betrieb», betont Carlen abschliessend.

Über das Hotel Belvédère

Das Hotel liegt in einer Haarnadelkurve auf dem Furkapass, direkt neben dem Rhonegletscher. Auf Social Media ist das Belvédère ein äusserst beliebtes Foto- und Video-Sujet. Gerade Sportwagen werden gerne auf dem Parkplatz vor dem Hotel in Szene gesetzt. Nicht zuletzt wurde die Strecke, die am Hotel vorbeiführt, durch den James-Bond-Film «Goldfinger» weltberühmt.

Leserreporter

Hast du etwas beobachtet?

Schicke uns deine Bilder und Videos! Bei unseren Lesern ist immer etwas los, doch unsere Reporterinnen und Reporter können nicht überall sein. Und hier kommst du ins Spiel: Hast du etwas beobachtet oder möchtest du uns etwas mitteilen, das nur du weisst? Schicke uns deine Bilder und Videos per WhatsApp unter 077 279 72 56 oder per Mail an redaktion@streetlife.ch.

Werbung