Zum Hauptinhalt springen

Werbung

Verkehr •
Neuer Frontera im Schnell-Check

Dieser Opel-Stromer fährt undercover

Das Marken-Logo ist wohl eines der wichtigsten Erkennungsmerkmale – egal ob Auto, Smartphone oder Uhr. Umso erstaunlicher, dass es bei diesem Elektroauto von vorne kaum zu sehen ist. Dabei passt kein Logo besser zu einem Stromer. Ein Elektro-SUV undercover im STREETLIFE-Schnell-Check.

Paparazzi-Faktor

Was für ein Auto ist das? Diese Frage kennen Tesla-Fahrer der ersten Stunde oder auch die kleine Kundschaft, die sich aktuell für eines der wenigen chinesischen Modelle auf dem Schweizer Markt entscheidet. Opel-Besitzer sind sich das hingegen weniger gewohnt. Doch beim neuen Frontera kann einem das durchaus passieren, wenn man sich für die Ausstattung «GS» entscheidet. Dann wird das Opel-Logo schwarz, und es ist auf dem schwarzen Grund in der Front nicht mehr zu erkennen. Dabei passt kein Logo besser zu einem Elektroauto als Opels Blitz. So aber wirkt die Front wie ein schwarzes Loch und stört das sonst gefällige Design des 4,39 Meter langen Kompakt-SUV.

Die Frage nach dem Wer mag im ersten Moment die Aufmerksamkeit der Paparazzi auf sich ziehen. Aber sobald die Antwort bekannt ist, verblasst die Erinnerung an den Frontera. Aber ein Opel muss nicht auffallen, sondern der Mehrheit gefallen. Und das tut dieser.

Harassen-Faktor

Man würde es dem Frontera auf den ersten Blick nicht geben, dass er Opels zweitgrösster SUV ist nach dem Grandland. Gerade gross wirkt er nicht, und 4,39 Meter Länge sind kein Spitzenwert in der Kompakt-Klasse. Aber Opel verzichtet auf Design-Spielereien und widersteht vor allem dem Drang, aktuellen Trends zu folgen und die Dachlinie so schnell wie möglich wieder nach unten zu ziehen. Wie bei den alten Volvo-Kombis bleibt das Dach bis zum Heck waagrecht, wo es dann senkrecht zur Stossstange runtergeht. Der Vorteil: Der Kofferraum bietet nicht nur auf dem Papier viel Platz.

Das Ladevolumen von 460 bis 1600 Litern lässt sich auch wirklich nutzen. Wo bei anderen Modellen die schnittige Heckklappe an höheren Boxen oder Koffern ansteht, schliesst sich die Frontera-Klappe problemlos. Dazu kommt ein grosszügiges Platzangebot auf den Rücksitzen – auch für Erwachsene. Der SUV ist ein echtes Raumwunder und auf Wunsch auch mit sieben Sitzen erhältlich.

Nerd-Faktor

Ursprünglich war der Frontera, wie er von 1991 bis 2004 in zwei Generationen gebaut wurde, ein grosser Geländewagen. Damals gehörte Opel allerdings auch noch zum US-Autobauer General Motors. Die Neuauflage zeigt als Kompakt-SUV nun ihre neuen europäischen Wurzeln und setzt mehr auf Komfort und Digitalisierung. Doch eine Reminiszenz an die alten Frontera-Tage bleibt: Der STREETLIFE-Testwagen liess sich noch mit einem altmodischen analogen Zündschlüssel starten. Eher selten in modernen Autos. Analoger wird es jedoch nicht mehr im SUV.

Das Cockpit bietet digitale Armaturen und einen Touchscreen für das Infotainment. Dieses könnte noch etwas rascher auf Eingaben reagieren, aber sonst lässt es keine Wünsche offen: Digital-Radio, Navigation oder Smartphone-Integration für Apple und Android. 

Monza-Faktor

Von seinen Gelände-Ahnen übernimmt der neue Frontera auch die eher gemächliche Gangart. Das lässt schon ein Blick ins Datenblatt vermuten: 113 PS und 125 Nm. Grundsätzlich mehr als genug für ein Elektroauto, wenn das maximale Drehmoment von 125 Nm wie üblich beim Stromern sofort anliegt. Nicht so beim Frontera, wo sich das Drehmoment erst langsam aufbaut wie bei einem Verbrennungsmotor. Zum Vorteil gereicht dem Frontera sein Gewicht. Nur 1514 Kilogramm Leergewicht machen den Opel zum Fliegengewicht unter den Elektro-SUV.

Unterm Strich tritt der Frontera moderat an und fährt sich wenig aufsehenerregend. Ein klassisches Fahrzeug für die Massen, das weder positiv noch negativ auffällt, aber der Person am Steuer Vertrauen vermittelt. 

Planeten-Rettungs-Faktor

Naja, der Frontera fällt fast nicht negativ auf. Die Reichweite fällt mit 258 Kilometern im Test eher bescheiden aus. Von Zürich nach Bern und wieder zurück wird da schon knapp, und wer ins Tessin fährt, muss dort erst einmal laden, bevor es auf weitere Ausflüge geht. Klar sind solche Fahrten nicht der Alltag, und immerhin kann der Frontera mit bis zu 100 Kilowatt laden, womit die Akku-Anzeige am Schnelllader in 26 Minuten wieder 80 Prozent anzeigt. Aber selbst im Alltag und wenn ich zu Hause laden kann, bleibt eine gewisse Grundnervosität.

Ich kontrolliere immer wieder den Ladestand. Vergleichbar mit einem älteren Smartphone, dessen Akku langsam den Geist aufgibt und nicht mehr vom Aufstehen bis zur Schlafenszeit reicht.Am Abend einstecken ist also Pflicht. Immerhin gibt es für den Frontera noch einen grösseren Akku, mit dem die Reichweite gemäss Werksangabe auf über 400 Kilometer wächst. Die 2000 Franken Aufpreis sind es wert, wenn man dafür entspannt am Steuer sitzt. Ausser man ist schon beim Verbrenner noch seelenruhig weitergefahren, wenn die Warnleuchte für die Tankreserve anging.

Check-Bilanz

Es ist trotz allem schade, steckt nicht mehr Reichweite im neuen Opel Frontera. In Anbetracht des Preises lässt sich aber darüber hinwegsehen. Für nicht einmal 40'000 Franken bietet Opel einen elektrischen Siebensitzer. Die dritte Sitzreihe kostet 1000 Franken Aufpreis. Der Testwagen von STREETLIFE kommt mit der kleinen Batterie und dem Tech-Paket auf 32'900 Franken. Das Frontera steht also für bezahlbare Elektromobilität für Familien und bietet im Innern erst noch mehr Platz, als er von aussen erahnen lässt. In der «GS»-Ausstattung wird er noch etwas geheimnisumwittert, weil er nicht sofort als Opel zu erkennen ist.

Opel Frontera Electric «GS»: Fakten

  • Motor: E-Motor mit 113 PS (83 kW), 125 Nm@5270/min
  • Batterie: Brutto / Netto46 / 44 kWh = 289, Test: 258 km
  • Antrieb: 1-Gang-Automatik, Front
  • Fahrleistung: 0-100 km/h in 12,1 s, Höchstgeschwindigkeit 140 km/h
  • Verbrauch: Werk / Test: 18.5 / 20.2 kWh/100 km, Energieeffizienz B
  • Masse: Länge/Breite/Höhe: 4,39 m / 1,80 m / 1,66 m
  • Laderaum: Kofferraum 460 - 1600 l
  • Gewichte: Leergewicht: 1514 kg, Anhängelast gebremst: 350 kg
  • Preis: ab 31’900 Fr., Testwagen inkl. Extras (1000 Fr. Techpaket mit Sitzheizung und LED-Nebelscheinwerfer): 32'900 Fr., (Basis: 1,2-Turbo-Mildhybrid, «Edition», 110 PS: 24’900 Fr.)

Werbung