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Diese E-Limousine hält, was sie verspricht
Elektromobilität braucht auf langen Strecken vor allem eines: Verlässlichkeit. Fahrerinnen und Fahrer müssen sich auf die angezeigte Restreichweite ihres Autos verlassen können. Genau daran scheitern bislang noch viele Stromer. Mazdas Elektro-Limousine 6e will es besser machen – und der Schnell-Check von STREETLIFE zeigt, ob das gelingt.
Paparazzi-Faktor
Was für elegante Linien. Sofort habe ich die Limousine als Mazda erkannt. Kaum ein Hersteller bringt solche schicken Formen hin wie die Japaner. Die neue Elektro-Limousine 6e ist eine gelungene Weiterentwicklung des bisherigen 6ers, den es noch nur mit Verbrennungsmotoren gegeben hatte. Besonders auffällig am Nachfolger ist die Front. Mazda wandelte seinen markanten Kühlergrill in eine LED-Lichtsignatur um. Und die sieht nicht nur nachts, sondern auch bei Tageslicht richtig cool aus.
Doch der wahre Hingucker ist der Innenraum. Wie gewohnt versprüht Mazda ein Luxusambiente und das für nicht einmal 47'000 Franken. Das hellbraune Lederimitat für die Sitze, in den Türen und als Armaturenverkleidung versprüht Wärme und lässt einen sich sofort wohlfühlen, sobald man einsteigt.
Harassen-Faktor

Mit fast fünf Metern ist der 6e eine stattliche Erscheinung. Als Limousine liegt der Fokus beim Platz nicht bei der Ladung, sondern bei den Passagieren. Denen wurde Mazda nicht nur mit der schicken Ausstattung und nicht nur auf den Vordersitzen gerecht. Erwachsen können im Fond die Füsse strecken und so auch längere Strecken entspannt geniessen.
Auch der Laderaum kann sich sehen lassen. 466 Liter Ladevolumen im Kofferraum waren im Schnell-Check genug für zwei Reisekoffer, zwei Handgepäckkoffer und vier Personen. Bei umgeklappter Rückbank beträgt das Ladevolumen 1074 Liter, und es liessen sich zwei Matratzen von 200 auf 90 Zentimeter transportieren.
Nerd-Faktor

Der grosse Touchscreen im Cockpit ist schon ein Hingucker. Er lässt sich auch sehr intuitiv bedienen und reagiert rassig auf Eingaben. Trotzdem gibt es noch Verbesserungspotential. So lief nach dem Starten ab und zu das Radio nicht. Ich musste ins Radio-Menü klicken und den Playbutton betätigen. Während sich das Radio nach eigenem Gutdünken ausschaltet, aktivierte sich der Spurhalte-Assistent manchmal von selbst, obwohl ich ihn vor der Abfahrt deaktiviert hatte.
Auch bei der Datenschutzerklärung gibt es noch Verbesserungspotential. Ich musste jedes Mal vor dem Losfahren zwei Erklärungen durchscrollen, bevor ich auf «Akzeptieren» klicken konnte. Ja, wenn ich ein Mazda-Konto erstelle und den 6e damit verbinde, muss ich das nicht mehr machen. Aber nicht alle Menschen wollen immer und überall ein Konto erstellen. Für jene ist die Datenschutzerklärung wie ein Zwang, ein Konto zu erstellen.
Schliesslich zeigte sich der Mazda auch sehr gutgläubig. Eigentlich sollte er ausschalten und automatisch schliessen, wenn ich mit dem Schlüssel in der Hosentasche weglaufe. Hat er aber nicht immer. Ich kehrte vom Einkaufen zurück, und die Beleuchtung war noch an – und es klang Musik aus dem Auto. Es ist zu hoffen, dass die winterliche Kälte die Schlüsselbatterie etwas schwächt, und das Signal deshalb nicht ganz so stark war.
Sensationell war hingegen das Head-up-Display. Ich hatte immer die wichtigsten Informationen im Blick – egal wie die Lichtverhältnisse waren.
Monza-Faktor

Und unterwegs macht der 6e alle technischen Problemchen vergessen. Er ist sicher keine Sport-Limousine. Dafür sind 258 PS (190 kW) bei knapp zwei Tonnen Leergewicht zu wenig. Der Mazda überzeugt stattdessen mit seinem Fahrkomfort. Ganz nach dem Motto «Der Weg ist das Ziel» freut man sich auf längere Ausfahrten nicht nur wegen des anvisierten Ziels, sondern auch wegen der Zeit im Mazda. Das Fahrwerk ist entsprechend sanft abgestimmt, und die Lenkung gibt dem Fahrer die nötige Kontrolle über den 6e, um präzise, aber nicht nervös durch Kurven zu fahren.
Planeten-Rettungs-Faktor

Die Testreichweite von 322 Kilometern lässt einen im ersten Moment leer schlucken. Über 100 Kilometer oder ein Viertel weniger als angegeben, bei einem Viertel mehr Stromverbrauch. Aber im Winter ist der Verbrauch – ob Benzin- oder Elektroauto – grundsätzlich etwas höher, weil mehr geheizt wird. Weiter bin ich fast immer mit drei Passagieren, also in Vollbesetzung gefahren. Zusätzliches Gewicht erhöht den Verbrauch und der Normverbrauch wird ohne Mitfahrende ermittelt.
Für mich war aber die Ehrlichkeit des Mazdas viel wichtiger. Er gab nach dem Laden nie die Werksreichweite an, sondern zwischen 310 und 330 Kilometer. Also genau die Distanz, die ich mit einer Akku-Ladung fahren konnte. Diese Ehrlichkeit schafft das nötige Vertrauen in die Elektromobilität. Mit einem solchen Auto habe ich keine Angst auch weitere Strecken in Angriff zu nehmen – ganz im Gegensatz zu anderen Stromern, die nur auf dem Papier mehr Reichweite haben. Und wer doch lieber etwas mehr Autonomie will, kann für einen Aufpreis von 1750 Franken die Version mit grösserer Batterie (80 kWh) und bis zu 552 Kilometer Normreichweite wählen.
Check-Bilanz

So funktioniert Elektromobilität – und ist erst noch bezahlbar. Ein elegantes Auto, mit dem man sich gerne sehen lässt und in dessen schicken Innenraum man sich gern hineinsetzt. Dazu keine übertriebene, dafür ehrliche Alltags-Reichweite. Und Mazda beweist erst noch, dass das alles nicht teuer sein muss. Der getestete 6e kostete mit allen Extras 46'826 Franken. Dieser Preis unterbietet sogar zahlreiche vergleichbare Benzin-Limousinen.
Mazda 6e «Takumi Plus» 258: Fakten
- Motor: E-Motor mit 258 PS (190 kW), 320 Nm@1/min
- Batterie: Brutto / Netto68,8 / 66,0 kWh = 479 km, Test: 322 km
- Antrieb: 1-Gang-Automatik, Heck
- Fahrleistung: 0-100 km/h 7,6 s, Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
- Verbrauch: Werk / Test: 16,6 / 20,5 kWh/100 km, Energieeffizienz B
- Masse: Länge/Breite/Höhe: 4,92 m / 1,89 m / 1,49 m
- Laderaum: Kofferraum 466 - 1074 l
- Gewichte: Leergewicht: 1962 kg, Anhängelast gebremst: 1500 kg
- Preis: ab 45’450 Fr., Testwagen inkl. Extras (900 Fr. Lackierung, 207 Fr. Teppiche, 140 Fr. Laderaumwanne, 129 Fr. Ladekantenschutzfolie): 46’826 Fr., (Basis: 1,2-Turbo-Mildhybrid, «Edition», 110 PS: 24’900 Fr.)
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