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Diese Autos sind von der 3G-Abschaltung betroffen
Die Swisscom schaltete Anfang des Jahres das 3G-Netz in der Schweiz ab. In der Folge staunten einige Autofahrende nicht schlecht, als verschiedene Funktionen in ihrem Fahrzeug nicht mehr funktionierten. Welche Modelle sind betroffen? Was für Lösungen gibt es? STREETLIFE klärt auf.
Stau-Informationen erhalten, den Ladestand des Autos checken oder das Auto aus der Ferne verschliessen – für solche Funktionen benötigt das Fahrzeug eine Internetverbindung und geht dafür wie unsere Smartphones über das Mobilfunknetz online. Dafür verbauten die Autohersteller lange den 3G-Standard.
Das ist in der Schweiz seit Anfang Jahr zu einem Problem geworden. Mit der Swisscom hat der grösste Mobilfunkanbieter der Schweiz das 3G-Netz per 1. Januar abgeschaltet. Damit sind alle Autos mit 3G-Technologie, die sich über das Swisscom-Netz eingewählt haben, offline. Ein Porsche-Fahrer beklagte sich bei einer Schweizer Boulevard-Zeitung, dass die vernetzten Dienste in seinem 100’000-Franken-Auto seit dem 1. Januar nicht mehr funktionieren. Das Schweizer Fernsehen berichtete mit den Premiummarken BMW und Mini über die überraschenden Folgen der 3G-Abschaltung für Autobesitzerinnen und -besitzer.
Fast alle Marken offline
Fakt ist, dass die ganze Branche betroffen ist – die einen Hersteller mehr, die anderen weniger. Gegenüber STREETLIFE bestätigten Audi, Cupra, Ford, Mercedes, Seat, Skoda und VW, Modelle zu haben, die wegen der 3G-Abschaltung offline sind. Meistens trifft dies die Jahrgänge 2017 bis 2020. Vereinzelt aber gibt es auch bei Fahrzeugen bis und mit Produktionsjahr 2025 Einschränkungen. Wie viele Fahrzeuge in der Schweiz mit der 3G-Abschaltung effektiv offline sind, ist nicht bekannt. Die angeschriebenen Hersteller versicherten aber, betroffene Besitzerinnen und Besitzer proaktiv zu informieren.
Dabei geht es nicht nur um Infotainment. Unter anderem kann mit der 3G-Abschaltung der automatische Notruf ausfallen. Der sogenannte eCall ist seit dem 31. März in der EU und der Schweiz vorgeschrieben. Wenn das System einen Unfall registriert, wird automatisch der Notruf alarmiert. Die Autohersteller dürften hier aus Kostengründen auf die günstigere 3G-Technologie gesetzt haben. Dabei kommt ihnen entgegen, dass es weder bei uns noch in der EU eine Pflicht gibt, alte Fahrzeuge auf den neuen Mobilfunkstandard umzurüsten (STREETLIFE berichtete).
Auch kostenpflichtige Abos betroffen
Durch die 3G-Abschaltungen funktionieren aber auch einige vernetzte Dienste in den Fahrzeugen nicht mehr. Da diese zum Teil kostenpflichtig sind, haben die Hersteller hier ein Interesse, die Fahrzeuge online zu halten. Deswegen prüfen die meisten, ein Upgrade auf 4G – entweder per Software-Update oder Hardware-Umrüstung. Letzteres ist aber nur in Ausnahmefällen möglich, weil die entsprechenden Komponenten schwer zugänglich sind und ein Ersatz äusserst komplex wäre. Die meisten Hersteller suchen aktuell nach Lösungen und haben es nicht besonders eilig. Denn die meisten ihrer Fahrzeuge fahren in der EU, und da dort das 3G-Netz noch läuft, hat die Kundschaft noch keine Probleme. Die Sprecher von Ford und Peugeot hielten ausserdem fest: «Die Abschaltung des 3G-Netzes ist eine Entscheidung des Mobilfunkanbieters und liegt ausserhalb des Einflussbereiches unserer Marke.»
Immerhin sind sich die Schweizer Importeure der Problematik bewusst. Informieren kann man sich auf ihren Webseiten – und auch die offiziellen Markenvertretungen sind informiert und bieten der betroffenen Kundschaft Hilfe. Kostenpflichtige vernetzte Dienste liessen sich frühzeitig nicht mehr verlängern, längere laufende Abos wurden anteilsmässig rückvergütet.
Galgenfrist bei Salt
Pikant: Die Kundschaft von Peugeot, Renault oder Suzuki hat von alldem noch gar nichts mitbekommen. Denn ihre Marken arbeiten mit dem Mobilfunkanbieter Salt zusammen, der sein 3G-Netz sicher noch bis Ende dieses Jahres laufen lassen wird. Ein konkretes Abschaltdatum liege noch nicht fest und richte sich «nach der Nutzung der Kundinnen und Kunden», so eine Sprecherin gegenüber STREETLIFE. Entsprechend bleiben Fahrzeuge von Peugeot, Renault oder Suzuki vorerst online.
Bei einer späteren Abschaltung wäre bei Suzuki ohnehin nur der Notruf betroffen, denn die vernetzten Dienste laufen nicht über das 3G-Netz. Das gibt dem japanischen Allradspezialist genug Zeit, um in der Produktion umzustellen, wie Suzuki-Sprecher Florian Christen sagt: «Abgesehen vom elektrischen e Vitara, der schon mit 4G läuft, werden alle übrigen Modelle ab diesem Sommer mit der neueren Netzwerkgeneration produziert.»
Auch bei Renault sind bis Ende letzten Jahres produzierte Fahrzeuge betroffen. Neben dem Notruf werden auch verschiedene vernetzte Dienste ausfallen, sobald Salt das 3G-Netz in der Zukunft abschaltet. «Dabei handelt es sich aber um ältere Fahrzeuge, die nicht mehr produziert werden», erklärte Renault-Sprecherin Karin Kirchner gegenüber STREETLIFE.
Diese Marken bleiben online
Es geht aber auch anders. Die Hersteller Toyota, Polestar und JAC haben keine Probleme mit der 3G-Abschaltung. Die chinesische Marke JAC sowie Volvos Elektro-Premium-Ableger Polestar setzten von Beginn an auf ein 4G-Netzwerk. Toyota setzt auf eine vorausschauende Strategie, damit die Fahrzeuge auch bei Technologie-Sprüngen online bleiben, erklärt Toyota-Sprecher Björn Müller. «Erstens haben wir einen Software-Fokus: Wir arbeiten intensiv an Softwarelösungen, um künftige Netzabschaltungen proaktiv zu vermeiden und die Langlebigkeit unserer digitalen Dienste sicherzustellen.»
Zweitens stehe Toyota in ständigem Kontakt mit den Netzbetreibern und seinen Handelspartnern. Am Ende soll die Kundschaft nichts vom Technologiewechsel spüren, so Müller. «Unser Ziel ist es, die Konnektivität für unsere Kundschaft auch bei künftigen Generationswechseln nahtlos aufrechtzuerhalten – ohne dass für die User zusätzliche Kosten oder Aufwände entstehen.»
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