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Politik & Wirtschaft •
Das Beste aus beiden Welten

Elektro oder Benzin? Nein, die Zukunft gehört dem Range Extender

Haben Sie schon vom Range Extender gehört? Wahrscheinlich nicht. Die vernünftigste Art des Motors hat in Europa keine Chance. Das ist ein schwerer Fehler, meint Fahrzeug-Experte Bernhard Geringer.

In der politischen Stimmungslage ist derzeit ein eindeutiger Trend zu mehr Technologieoffenheit spürbar. Das Verbrennerverbot scheint nicht mehr in Stein gemeisselt zu sein. Probleme, über die in der Vergangenheit hinweggesehen wurde, werden nun wieder diskutiert – etwa die Energiebereitstellung, der Ressourcenverbrauch, die realistischen Möglichkeiten des Netzausbaus. Fazit: Es wird noch längere Zeit ein Nebeneinander der unterschiedlichen Antriebssysteme geben müssen.

 

Der Artikel stammt aus der Feder der Pragmaticus-Redaktion. Das Magazin mit Sitz im liechtensteinischen Schaan widmet sich den grossen Fragen unserer Zeit. Die Antworten kommen dabei direkt von namhaften Experten, die unverfälscht zu Wort kommen. STREETLIFE publiziert im Rahmen einer Kooperation regelmässig Pragmaticus-Artikel.

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Batterieelektrische Fahrzeuge werden sich langfristig in den reichen Industriestaaten durchsetzen, global gesehen wird der Verbrenner aber – in welcher Form auch immer – noch lange die beherrschende Antriebsform bleiben. Bei Nutzfahrzeugen wird das Thema Wasserstoff – mit oder ohne Brennstoffzelle – an Bedeutung gewinnen. Das Ziel muss jedenfalls die CO₂-Neutralität für alle Antriebsarten sein, gerechnet von den Rohstoffen bis zur Verschrottung. In die Planungen für die Zukunft müssen mehr Wahrheit und Realitätssinn einkehren. Würde man auf die Vernunft und die Gesetze der Physik bauen, gehörte die Zukunft des Autoantriebs dem Range Extender. Noch nie gehört? Das ist das Problem. In China boomt diese Fahrzeugkategorie derzeit.

Es handelt sich dabei um batteriebetriebene Fahrzeuge, die bei niedrigem Ladestand von einem winzigen Verbrenner während der Fahrt wieder aufgeladen werden können. Das System steht im Gegensatz zum Plug-in-Hybrid, bei dem der Verbrenner gemeinsam mit den Elektromotoren die Räder antreibt. Plug-ins erreichen durch diese Kombination selbst bei braven Familien-SUVs leicht 250 PS und deutlich mehr. Das sind Leistungswerte, die im Alltag kaum jemand ausreizt.

100 PS sind schon Luxus

Dazu ein kleiner Ausflug in die Physik: In einem strömungsoptimierten Fahrzeug reichen 50 PS Leistung völlig aus, um Tempo 140 zu erreichen und zu halten. Diese Geschwindigkeit entspricht in etwa den höchsten global geltenden Tempolimits. Ausnahmen bilden bloss Deutschland, Nordkorea, Vanuatu und ein paar andere exotische Staaten. Genau genommen sind 100 PS Dauerleistung also bereits purer Leistungsluxus.

Aber zurück zum Range Extender: Dessen Verbrenner muss nur so gross dimensioniert sein, dass er den Ladezustand aufrechterhalten kann. Im Mazda MX-30 reicht dazu ein kaum Fussball-grosser 0,8-Liter-Wankelmotor.

Die grössten Vorteile von Range Extendern: Der Verbrenner kann auf eine gleichmässige Drehzahl und damit extrem niedrigen Verbrauch optimiert werden – er muss ja nur laden und nicht den kräftezehrenden Beschleunigungsprozess leisten. Ausserdem reicht in diesem System eine viel kleinere Batterie für den Alltagsbedarf. Die maximale Reichweite ergibt sich aus der Batteriekapazität samt dem Inhalt eines bewusst klein gehaltenen Benzintanks.

Der Witz dabei: Diese Konfiguration deckt das Nutzungsprofil der allermeisten Autofahrten perfekt ab. Moderne Range-Extender-Fahrzeuge erreichen batterieelektrisch 100 bis 200 Kilometer. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Reichweite völlig genügt. Selbst in Deutschland mit seinen vielen weit auseinanderliegenden Großstädten sind 97 Prozent der Fahrten kürzer als 200 Kilometer. In Österreich mit den wenigen dichten Ballungsräumen bleiben 90 Prozent der täglichen Fahrleistung sogar unter 50 Kilometer. Wer seinen Range Extender also regelmässig lädt, wird nur beim Wochenendausflug und auf der Urlaubsreise fossile Kraftstoffe benötigen.

Aber was macht die Industrie, befeuert von der Elektro-Lobby? Sie entwickelt die Elektroautos in die exakt entgegengesetzte Richtung. Reichweite und Ladezeiten sind ein Fetisch geworden, über den sich die Qualität und die Verkaufschancen eines Modells definieren. Doch Faktum ist: Je grösser die Batterie und je schneller die Ladezeiten, umso schädlicher ist ein E-Auto für die Umwelt. Eine 80-kWh-Batterie braucht nun einmal doppelt so viele Rohstoffe wie eine 40-kWh-Batterie. Das ist eine horrende Verschwendung von Ressourcen.

Nachteile des schnellen Ladens

Beim Highspeed-Laden ergibt sich eine ähnliche Situation: Je schneller Energie aus den Leitungen gezogen wird, umso höher sind die Ladeverluste und umso aufwendiger muss der Netzausbau sein, den wir letztlich alle über die Stromrechnung bezahlen. Im Zeichen einer neuen Technologie-Offenheit, die von E-Fuels bis zu Wasserstoffantrieben reichen sollte, müssten auch dem Range Extender Chancen eingeräumt werden, der das Beste aus beiden Welten verkörpert.

Derzeit zählen Range Extender aber noch zu den «bösen» Verbrennern, weil man in völliger Realitätsverweigerung beschlossen hat, dass die Emissionen am Fahrzeug und nicht am Schlot der Kraftwerke gemessen werden. Dabei müsste allein letzterer Fakt ausreichen, um das Verbrennerverbot zu kippen. Denn der fossile Anteil an der Stromerzeugung liegt im EU-Schnitt bei 24,1 Prozent. Deutschland erreicht nach Abschalten seiner Kernkraftwerke 37,4 Prozent, und selbst Österreich kommt trotz reichlicher und fast kontinuierlich verfügbarer Wasserkraft auf 15,2 Prozent fossilen Anteil.

Null-Emissionen bei E-Autos sind somit amtlich betriebene Fake News.

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