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Big Brother in Zürich: Studenten tüfteln am Autokauf der Zukunft
Fünf Tage, fünf Menschen und fünf mal fünf Meter: Das ist die InCube Challenge der ETH Zürich. Fünf Studenten arbeiten in einem Glaswürfel an aktuellen Fragestellungen aus der Wirtschaft. Auf der Europaallee in Zürich geht es im Cube von Autoimporteur Astara um das Autokauf-Erlebnis der Zukunft.
Wer am Bahnhof Zürich ankommt und über den Ausgang Europaallee in die Stadt geht, sieht dort diese Woche zwei grosse Glaswürfel. Im ersten Würfel inmitten der Fussgängerzone arbeiten fünf internationale Studenten daran, den Besitz eines Autos sorgenfreier zu machen. Sie nehmen an der sogenannten InCube Challenge des ETH Entrepreneur Club teil und arbeiten für den Autoimporteur Astara an der Mobilität der Zukunft.
Als STREETLIFE am Dienstagabend reinhören darf, diskutieren die Studenten gerade über den Generationen-Unterschied. Ältere Menschen würden ein Auto ganz anders kaufen als jüngere Menschen. Dabei gehe es nicht nur um unterschiedliche Bedürfnisse ans Auto und Mobilität, sondern auch um ganz verschiedene Ansprüche an das Kauferlebnis. Das zeige sich schon darin, wie die Altersgruppen mit einer Marke in Kontakt kommen. Während die ältere Generation vielleicht noch einen TV-Spot vor der Tagesschau sieht, findet der Erstkontakt bei der jüngeren Generation über Social Media statt.
Belastungen verringern
Aber auch bei den Händlern gibt es Unterschiede. Während einige offen für neue Vertriebskanäle sind, bleiben andere eher zurückhaltend und vertreten einen klassischen Verkaufsstil. Genau hier setzen die Studenten an, erzählt KI-Student Issam Arida. «Wir wollen eine nahtlose Customer Journey schaffen. Wir möchten die bestehenden Abläufe von Astara optimieren und auf den Schweizer Markt zuschneiden.» Im Vordergrund steht für die Studenten das Erlebnis. «Wie fühlt man sich beim Autokauf, und wie fühlt man sich, wenn man das Auto unterhalten muss? Uns geht es darum, die Belastung des Autobesitzes zu verringern – also nicht ständig denken zu müssen: ‘Ich muss das Auto warten’ oder ‘Ich muss damit fahren’», gibt uns Arida einen Einblick.
Unangenehme Fragen
Dafür löchern die fünf Studenten im Cube die Astara-Vertreter mit Fragen, erzählt Madeline Gropman, die zuständige Projektleiterin beim Importeur. «Die Studenten sind sehr neugierig und wollen alles wissen.» Die Fragen sind für Gropman nicht neu, aber sie sind teilweise unangenehm. «Sie sprechen Themen an, bei denen ich intern schon länger mit meinem Chef kämpfe und ihn frage: ‘Wieso können wir das nicht machen?’ Und jetzt fragen die Studenten genau diese Dinge.» Beispiele will Gropman nicht nennen, aber es dürfte ihr bei den Diskussionen mit ihrem Chef mehr Argumente liefern. Astara schätzt vor allem die wichtige und hilfreiche externe Perspektive der Studenten. «Genau diesen Austausch sehen wir als Chance. Aber es braucht als Unternehmen auch Mut, sich diesen Fragen zu stellen.» Die Projektleiterin hofft, einige Ansätze der Studenten später weiterverfolgen und im Unternehmen umsetzen zu können.
Das Leben im Würfel
Die Studenten müssen am Freitagabend in der ETH in Zürich eine fertige Idee vorstellen. Eine Jury wird die Ideen im Anschluss bewerten. Neben den fünf Studenten im Astara-Cube arbeiten 35 weitere Studenten in sieben weiteren Cubes an Fragestellungen von sieben anderen Unternehmen und Organisationen. Fünf weitere Würfel stehen in Zürich, sowie je einer in Basel, Genf und Zug. Der fünf mal fünf Meter grosse Glaswürfel dient dabei nicht nur als Sitzungs- oder Studierzimmer, sondern auch als Ess- und Schlafzimmer. Von Montag bis Freitag verlassen die Studenten den Würfel nur zum Duschen und für die Toilette, während die Passanten ihnen durch die Fenster über die Schultern schauen können – quasi Big Brother live in der Stadt statt im Fernsehen.
Issam Arida ist nur für diese Challenge aus Madrid angereist und fliegt am Samstag schon wieder zurück. Die meisten Nächte in der Schweiz verbringt er in dem Würfel auf der Europaallee. «Ich habe noch nie etwas Vergleichbares erlebt. Aber es ist eine coole Geschichte», erzählt er begeistert. «In zehn oder fünfzehn Jahren kann ich meinen Kindern erzählen, ich hätte eine Woche mitten in Zürich in einem Cube gelebt. Alle schauen von aussen zu uns hinein – wie bei einem Hamster im Hamsterrad.» In einem Schlafsack auf einer Luftmatratze schläft Arida mit seinen vier Mitstreitern in dem Würfel. Vorhänge, Ohropax und Schlafmasken halten den Lärm und das Licht der Stadt draussen und lassen die Studenten gut schlafen. Aber das war auch nicht Aridas grösste Sorge. «Im Vorfeld sorgte ich mich am meisten um die Hygiene. Aber zum Glück sind wir alle sehr sauber, und deshalb kommen wir damit bisher gut zurecht.»
Es ist den Studenten zu wünschen, dass es so weitergeht. Immerhin sind es ja nur fünf Tage und am Ende steht die Arbeit im Fokus. Die Astara-Challenge gibt den fünf jungen Studenten eine Möglichkeit, die Mobilität der Zukunft zu beeinflussen – und das mit einer klaren Richtung, hält Arida fest: «Wir gehen das Thema aus Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten an – denn letztlich sind wir alle mobil.»
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