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Alarmierende Entwicklung – auto-schweiz fordert Kurskorrektur
An der heutigen Jahresmedienkonferenz in Zürich verlangt der Branchenverband auto-schweiz ein Umdenken in der Schweizer Automobilitäts- und Klimapolitik. Überregulierung, hohe Kosten und unsichere Rahmenbedingungen bremsten Markt und Elektromobilität aus.
Der Schweizer Automarkt steckt laut auto-schweiz in einer tiefen Krise. Mit rund 234’000 Neuzulassungen im Jahr 2025 liegt der Personenwagenmarkt auf dem tiefsten Stand seit 25 Jahren – abgesehen von der Corona-Zeit. Besonders dramatisch: Während sich andere europäische Märkte langsam erholen, bleibt die Schweiz deutlich unter dem Vorkrisenniveau von über 300’000 Fahrzeugen pro Jahr. «Dieses Problem is hausgemacht», so Peter Grünenfelder, Präsident von auto-schweiz, an der Medienkonferenz heute in Zürich.
auto-schweiz macht vor allem politische Rahmenbedingungen für die alarmierende Entwicklung verantwortlich. Regulatorische Unsicherheiten und neue Abgabenpläne würden sowohl private Käufer als auch Unternehmen verunsichern. «In Sachen Regulierungen ist die Schweiz Weltmeisterin - auf diesen Titel würden wir gern verzichten», sagte Grünenefelde in Zürich.
Zwar investiere die Industrie massiv in Forschung und Entwicklung und biete heute immer mehr und immer günstigere elektrifizierte Modelle an, doch der Markthochlauf bleibe hinter den Erwartungen zurück. Tatsächlich lag der Anteil der Steckerfahrzeuge 2025 bei rund 34 Prozent und damit klar unter den Zielwerten des Bundes. «Wir versuchen auf Biegen und Brechen, E-Fahrzeuge in den Markt zu bringen. Doch Belastungen wie die geplante E-Steuer erschweren unsere Bemühungen massiv», monierte Thomas Rücker, Direktor von auto-schweiz.
Klare Forderungen
Auch Peter Grünenfelder kritisierte, dass die Politik mit ihren Regulierungen die Mobilität verteuere und Investitionen schwäche. Statt Strafmechanismen brauche es ein funktionierendes Ökosystem für Elektromobilität, verlässliche Signale und marktrealistische Fristen. Vor allem die geplante E-Abgabe sowie das starre CO₂-Sanktionssystem stünden einer breiten Akzeptanz von E-Fahrzeugen im Weg. «Statt Klarheit haben wir heute vor allem Unsicherheit», brachte es Donato Bocchicchio in seiner Rede auf den Punkt. Der auto-schweiz-Vizepräsident führte aus, dass die Branche 2026 mit Einbussen im «dreistelligen Millionenbereich» rechne – mit negativen Auswirkungen für viele weitere Branchen.
auto-schweiz fordert deshalb unter anderem den Abbau bürokratischer Auflagen, den Verzicht auf neue Steuern und Abgaben, mehr Wettbewerb im Strommarkt sowie einen beschleunigten Ausbau der Ladeinfrastruktur. «Es braucht die richtigen Rahmenbedingungen, um ein funktionierendes Ökosystem E-Mobilität erreichen zu können», mahnte AMAG-CEO Helmut Ruhl in seiner Rede vor den Medien. Dafür müsse man «alle Akteure in die Pflicht nehmen», nicht nur die Autoindustrie. Ruhl: «Transformation ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wir haben viele unserer Hausaufgaben gemacht.»
Einigkeit herrschte in Zürich auch in diesem Punkt: Ohne eine baldige Kurskorrektur drohen steigende Kosten für Konsumentinnen und Konsumenten, eine stockende Energiewende im Verkehr und ein anhaltender Einbruch im Automarkt – mit Folgen weit über die Branche hinaus. Thomas Rücker: «Wir sagen weiterhin deutlich Ja zu Netto-Null – aber zu marktwirtschaftlichen Bedingungen.»

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