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An diesen Schweizer Verkehrsknoten herrscht das nackte Chaos
An manchen Orten braucht es im Strassenverkehr mehr als nur ein wachsames Auge. Tram von links, Velo von rechts, der Bus im Rücken und irgendwo dazwischen ein Fussgängerstreifen. STREETLIFE zeigt städtische Verkehrsknotenpunkte, die Autofahrende an den Rand der Verzweiflung bringen.
Verkehrsplanung ist eigentlich eine ziemlich exakte Wissenschaft. Vortrittsregeln, Lichtsignale, Fahrspuren und Markierungen sollen dafür sorgen, dass sich Autos, Velos, Trams und Fussgänger möglichst reibungslos begegnen. In der Realität funktioniert das nicht immer ganz so elegant.
Denn wo viele Verkehrsströme auf wenig Raum treffen, wird aus einer Kreuzung schnell ein Nervenspiel. Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit, eine ungünstige Sicht oder ein Velo aus der unerwarteten Richtung – und schon entgeht man haarscharf einem Unfall.
STREETLIFE hat sich auf die Suche nach jenen städtischen Verkehrsknotenpunkten in der Deutschschweiz gemacht, an denen besonders viel gleichzeitig passiert.
Bahnhof SBB, Basel
Man kommt aus dem Bahnhof, hat vielleicht den Koffer noch in der Hand und will eigentlich nur die Strasse überqueren. Ein Blick nach links. Ein Blick nach rechts. Dann klingelt es. Ein Velo schiesst vorbei, Pendler hetzen über die Strassen und von hinten nähert sich ein Tram. Willkommen am Bahnhof SBB in Basel. Rund um den Centralbahnplatz kreuzen quasi im Sekundentakt fünf Tramlinien und vier Busse die Wege der gewaltigen Fussgängerströme. Wer hier unterwegs ist, muss ständig mit Verkehr aus mehreren Richtungen rechnen. Besonders für Ortsunkundige kann das Gewusel schnell unübersichtlich werden.
Der überlastete Centralbahnplatz soll künftig mit zusätzlichen Bahnhofszugängen entlastet werden. Geplant sind ab 2035 ein neuer Zugang an der Margarethenbrücke sowie der neue Markthallenplatz als zusätzlicher Bahnhofszugang und ÖV-Umsteigeknoten. Dadurch sollen sich die gewaltigen Personenströme besser verteilen. Eine neue Tram-Direktverbindung zwischen Markthallenplatz und Elisabethenstrasse könnte den Centralbahnplatz zusätzlich entlasten und den Tramverkehr beschleunigen.
Aeschenplatz, Basel
Der Kanton Basel selbst bezeichnet den Aeschenplatz als «unübersichtlich» und «nicht benutzerfreundlich». Er ist gleichzeitig wichtiger ÖV-Knoten, Eingangstor zur Innenstadt und zentral für Auto- und Veloverkehr. Stau ist hier eigentlich ein Dauerzustand.
Der Platz funktioniert heute beinahe wie ein grosser Verkehrskreisel: Mehrere Strassen fädeln sich in den Knoten ein, gleichzeitig kreuzen Tramlinien, Velos und Fussgänger die Fahrbahnen. Gerade bei hohem Verkehrsaufkommen heisst es deshalb: Lücke abwarten, reinquetschen – und hoffen, dass man dabei nicht mitten auf den Tramgleisen zum Stillstand kommt. Die zahlreichen Konfliktstellen zwischen Auto-, Velo- und öffentlichem Verkehr sollen mit einer grundlegenden Neuorganisation entschärft werden: Ein Grosskreisel soll die Verkehrsströme künftig übersichtlicher bündeln und die Zahl der Konfliktpunkte reduzieren. Doch bis dahin braucht es Geduld: Mit dem Baubeginn ist frühestens 2032 zu rechnen.
Rudolfstrasse, Winterthur
Winterthur, Rudolfstrasse. Hier soll eigentlich das Miteinander funktionieren. Seit April 2024 gilt im Bereich zwischen Neuwiesenstrasse und Hauptbahnhof eine Begegnungszone, Tempo 20, Fussgänger haben Vortritt. Eigentlich eine beruhigte Verkehrswelt. Das Problem ist also nicht unbedingt zu viel Autoverkehr. Es ist eher die schiere Menge an Menschen und Velos, die denselben Raum benutzt. Regelmässig kommt es hier zu Unfällen – mal kollidieren Velofahrende untereinander, mal sind Fussgänger oder E-Trottinett-Fahrende betroffen.
Bundesplatz, Luzern
In Luzern wird es rund um den Bundesplatz schnell unübersichtlich. Wer vom Bahnhof oder aus Richtung Neustadt unterwegs ist, begegnet einem doppelspurigen Kreisel, an dem Busse, Autos, Velos und Fussgänger aufeinandertreffen. Besonders tückisch: Kurz nach einer Kreiselausfahrt folgt ein Fussgängerstreifen. Genau diese Konstellation sorgt häufig für Unfälle.
Mit dem am 30. Juni neu eröffneten Veloweg müssen Velofahrende den Bundesplatz nun nicht mehr queren. Die Stadt bezeichnet die neue Verbindung ausdrücklich als Massnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und geht davon aus, dass sich das Unfallrisiko am Bundesplatz dadurch deutlich reduzieren lässt.
Central, Zürich
Am Central ist Aufmerksamkeit Pflicht. Die Verkehrsführung in unmittelbarer Bahnhofsnähe wurde zwar bereits 2017 neu organisiert, wirklich Ruhe ist am Verkehrsknoten trotzdem nicht eingekehrt. Mittlerweile verkehren sechs Tramlinien – 3, 4, 6, 7, 10 und 15 – und die beiden Trolleybuslinien 31 und 46 der Verkehrsbetriebe Zürich am Central. Gerade das Zusammenspiel von Tram, Velo, Auto und Fussverkehr bleibt anspruchsvoll. Immer wichtig zu bedenken hier: Das Tram hat grundsätzlich Vortritt – auch am Fussgängerstreifen.
Albisriederplatz, Zürich
Der Kreisel am Albisriederplatz wird täglich zum Verkehrsspiel à la Tetris: Kaum hat sich eine Lücke aufgetan, schiebt sich schon das nächste Fahrzeug hinein. Auch die Stadt Zürich bezeichnet die Situation rund um Albisrieden als teilweise gefährlich. Unübersichtliche Kreuzungen führen immer wieder zu heiklen Situationen, zudem fehlen auf Teilen der Albisriederstrasse Velostreifen.
Escher-Wyss-Platz, Zürich
Tram von links, Velo von rechts, Autos dazwischen und Fussgänger, die über die Strasse wollen: Am Escher-Wyss-Platz muss man den Kopf beinahe ständig drehen. Der Verkehrsknoten gilt als komplex, zwischen 2018 und 2022 wurden hier und auf angrenzenden Strassen 147 Unfälle mit 37 Verletzten registriert. Inzwischen gilt Tempo 30, zusätzlich wurden Bodenlichter für die Querung der Tramgleise installiert. Auch politisch sorgt der Platz für Diskussionen: Die SP fordert unter anderem eine sicherere Veloführung und weniger Autospuren.
Theaterplatz, Bern
Hier zeigt sich, dass Verkehrschaos nicht zwingend vom Auto ausgehen muss. Rund um Kornhausplatz, Zytglogge und Theaterplatz treffen Tram, Busse, Velos und grosse Fussgängerströme auf engstem Raum aufeinander. Das Weichendreieck am Zytglogge ist dabei ein zentraler Knoten des Berner Tramnetzes: Fast alle Tramlinien führen über diese Kreuzung. Besonders am Kornhausplatz wird es eng: Die Velohauptroute zwischen Kornhausbrücke und Platz galt als anspruchsvoll, die schmale Fahrbahn zwischen Tramgleis und Trottoir führte wiederholt zu Velounfällen. Deshalb hat die Stadt 2026 die Veloführung mit einer neuen Rampe neu organisiert.
Roter Platz, St. Gallen
Ein besonders tückischer Fall findet sich in St. Gallen am Roten Platz. An der Gartenstrasse treffen hier unterschiedliche Verkehrsrichtungen aufeinander: Die Gartenstrasse ist für Autos eine Einbahnstrasse, Velos dürfen sie jedoch in beide Richtungen befahren. Wer von der Schreinerstrasse her mit dem Auto einbiegt, muss deshalb gleichzeitig auf Fussgänger, Fahrzeuge von rechts und Velos von links achten. Letztere tauchen zudem wegen der Hausecke teilweise erst im letzten Moment im Sichtfeld auf. Die Folge: regelmässige Unfälle. Die Stadt hat inzwischen eine Warntafel, Tempo 30, einen Leitpfosten und eine zusätzliche weisse Markierung angebracht.
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