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Politik & Wirtschaft •
Vorstoss in der EU

Verbrenner-Aus plötzlich wieder auf der Kippe

In Brüssel formiert sich Widerstand gegen das geplante Verbrenner-Aus ab 2035. Europas mächtigste Parteienfamilie will Benzin- und Dieselautos länger erlauben – und sorgt damit für einen neuen Machtkampf um die Zukunft des Autos.

Kaum schien das Ende des klassischen Verbrenners politisch besiegelt, kommt plötzlich wieder Bewegung in die Debatte. Die Europäische Volkspartei (EVP) im EU-Parlament will das geplante Verbrenner-Aus ab 2035 massiv aufweichen. Das zeigt ein neuer Vorstoss aus Brüssel, der derzeit europaweit für Diskussionen sorgt.

Der Plan stammt vom italienischen EVP-Abgeordneten Massimiliano Salini und umfasst gleich 45 Punkte. Die zentrale Idee: Autos mit Verbrennungsmotor sollen auch nach 2035 neu zugelassen werden können – sofern sie mit sogenannten klimaneutralen Treibstoffen betrieben werden. Dazu zählen etwa E-Fuels oder andere synthetische Kraftstoffe.

Bislang war die EU-Linie deutlich strenger. Nach aktuellem Stand dürfen ab 2035 in der EU grundsätzlich keine neuen Benzin- oder Dieselautos mehr verkauft werden. Eine kleine Ausnahme für E-Fuels war zwar bereits vorgesehen, doch die EVP will diese Hintertür nun deutlich verbreitern.

Konkret fordert die Fraktion eine neue Fahrzeugklasse für klimaneutrale Verbrenner. Diese Autos sollen regulatorisch ähnlich behandelt werden wie Elektroautos. Zudem sollen Hersteller künftig stärker belohnt werden, wenn sie kleine Elektroautos oder elektrische Lieferwagen produzieren. Auch Plug-in-Hybride sollen bei den CO₂-Vorgaben besser abschneiden als bisher.

Brisanter Vorstoss

Die Autobranche reagiert gespalten. Hersteller mit vielen kleinen Elektroautos im Angebot – etwa Volkswagen oder Renault – könnten profitieren. Andere Marken sehen die Pläne kritischer. Unterstützung erhält die EVP aber vom deutschen Verband der Automobilindustrie. Dessen Präsidentin Hildegard Müller fordert schon länger «mehr Flexibilität» bei den CO₂-Regeln.

Politisch ist der Vorstoss brisant. Denn erstmals seit Jahren stellt eine grosse politische Kraft das faktische Ende des Verbrennungsmotors wieder offen infrage. Beobachter sehen darin auch ein Zeichen für einen breiteren gesellschaftlichen Wandel: Sicherheit, Wirtschaft und Industriepolitik gewinnen derzeit wieder stärker an Gewicht – während ambitionierte Klimapolitik zunehmend unter Druck gerät.

Der Zeitpunkt ist dabei kaum zufällig. In vielen europäischen Ländern wächst die Skepsis gegenüber strengen Klimaauflagen. Gleichzeitig kämpfen Europas Autobauer mit harter Konkurrenz aus China, hohen Produktionskosten und schleppenden Verkaufszahlen bei Elektroautos. Noch ist allerdings völlig offen, ob sich die EVP mit ihren Forderungen durchsetzen kann. Bis Ende Jahr soll in Brüssel über die Zukunft der CO₂-Regeln entschieden werden.

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