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Verkehr •
Kürzeste 30er-Zone der Schweiz?

«Reine Schikane gegenüber Autofahrern und Bürgern»

In Walterwil SO liegt die wohl kürzeste Tempo-30-Strecke der Schweiz. Eigentlich soll sie den Verkehr beruhigen – doch bei Anwohnern und Automobilisten sorgt sie vor allem für Kopfschütteln. Viele halten die Massnahme für sinnlos, einzelne sprechen sogar von Schikane gegenüber Autofahrenden und Bürgern.

Sie ist nur 65 Meter lang – und sorgt trotzdem für Ärger: An der Mööslistrasse in der Solothurner Gemeinde Walterswil gilt kurz Tempo 30, bevor die Strasse in eine Kantonsstrasse mit Tempo 50 mündet. Für den Content Creator Simon Zenhäusern, besser bekannt als Laudazio, ist der Fall klar: «Das muss die kürzeste 30er-Strecke der Schweiz sein.»

Der 30-jährige Walliser hält seinen Fund in einem Video fest, teilt ihn mit seiner Community auf Social Media – und landet damit einen viralen Treffer.

@laudazio Ist das die kürzeste 30er-Zone der ganzen Welt? 🤔🚗 #solothurn#schweiz#wallis#kurios#verkehr♬ Originalton - laudazio

Gegenüber STREETLIFE sagt Laudazio: «Wir haben die Strecke zufällig entdeckt, als wir in der Region unterwegs waren.» 

Auch STREETLIFE-Reporter Salvatore Iuliano besucht den Ort und führte eine eigene Messung durch. Das Ergebnis: Von Verkehrstafel zu Verkehrstafel sind es gerade einmal 65 Meter.

Unverständnis in der Gemeinde

Lohnt es sich überhaupt, auf einer so kurzen Strecke abzubremsen? «Nein», sagen mehrere Anwohnerinnen und Anwohner in Walterswil. Die Tempo-30-Zone sorgt im Dorf für Unverständnis, wie eine Umfrage vor Ort zeigt. «Diese Strecke ist schwachsinnig», sagt etwa Arnold Sommerhalder gegenüber STREETLIFE. Der 75-Jährige wohnt nur wenige Meter vom betroffenen Abschnitt entfernt. Die Idee hinter dieser Geschwindigkeitsbeschränkung könne er nicht nachvollziehen.

Klare Worte findet auch Garagist Saban Tütüncü: «Das ist in meinen Augen eine Schikane gegenüber Autofahrenden. Der Abschnitt ist zu kurz und hat keinen Mehrwert für den Verkehr.»

Auch Daniela Lüdi kann dem kurzen Tempo-30-Abschnitt wenig abgewinnen. Die 47-Jährige sagt, kaum jemand halte sich dort wirklich an die Vorgabe. «Ich gehe auf dieser Strecke zwar immer vom Gas, aber bis zur Kreuzung erreiche ich die 30 km/h praktisch nie.»

Auch Passanten sind vom Kurzstrecken-Tempolimit irritiert. So meint Manuel Pelaes: «Die 30er-Strecke ist sinnbefreit. Man muss ohnehin vor der Kreuzung bremsen und langsamer werden.» Er ergänzt: «In meinen Augen ist das eine Verschwendung von Tafeln und Markierungen – eine Schikane gegen Autofahrende und Bürger generell.»

Ähnlich klingt es beim Schöftländer Nico Kreis. Der 40-Jährige ist oft beruflich in der Region und kennt die Strecke. «30er-Zonen haben mit Sicherheit in gewissen Situationen ihre Berechtigung, aber hier sehe ich keine. Gerade für uns Autofahrer wird es immer mühsamer, weil immer mehr 30er-Zonen aus dem Boden gestampft werden.»

Geplatztes Bauprojekt führte zu Tempolimit

Dass der Abschnitt nun als «kürzeste 30er-Strecke der Schweiz» bezeichnet wird, freut Gemeindepräsidentin Marie-Louise Wilhelm nicht. «Das ist nicht schmeichelhaft. Dass die Strecke so kurz ist, war nie geplant», sagt sie gegenüber STREETLIFE. Mit der Massnahme habe man lediglich das hohe Verkehrsaufkommen beruhigen wollen. Konkret geht es um den Verkehr von Safenwil AG her: Von dort führt eine Tempo-60-Strecke durch ein kurzes Waldstück direkt in die Mööslistrasse – und damit in die Gemeinde Walterswil und in den Tempo-30-Abschnitt.

Der kurze Abschnitt konnte nur wegen den angrenzenden Liegenschaften realisiert werden. Dazu kam, dass für die eine Liegenschaft ein Baugesuch mit einem neu zubauenden Mehrfamilienhaus vorlag. Die Ausfahrt des Mehrfamilienhauses hätte auf die Mööslistrasse erfolgen müssen. Aus diesem Grund habe man Tempo 30 auf diesem kurzen Abschnitt belassen. Leider wurde der Neubau bis heute nicht realisiert, erklärt Wilhelm.

Ob gerechtfertigt oder nicht: Bei Anwohnern und Autofahrenden sorgt der kurze Tempo-30-Abschnitt für Ärger. Den Vorwurf, es handle sich um Schikane gegenüber Autofahrenden, weist Wilhelm zurück. «Das ist eine subjektive Ansicht. Wir wollen Autofahrende in keiner Weise schikanieren. Wer Fragen hat, kann sich gerne bei uns melden und das Gespräch suchen.»

Ob das Tempolimit irgendwann verlängert oder aufgehoben wird, lässt Wilhelm offen. Zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich das noch nicht sagen.

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