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Kommt jetzt der Billig-Sprit E20?
Bis jetzt war es klar geregelt: Benzin darf an EU-Tankstellen einen maximalen Bioethanol-Anteil von 10 Prozent aufweisen. Das will EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nun ändern. Sie plant die Erhöhung der zulässigen Menge auf 20 Prozent. Die Einführung des billigen Ökosprits soll schnellstmöglich stattfinden.
EU-Politiker feiern es bereits als Durchbruch, der Weg hin zu einem billigen Ökokraftstoff scheint geebnet. Wie die Bild-Zeitung am Mittwoch schreibt, plant EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, den zulässigen Ethanolgehalt in Ottokraftstoffen zu verdoppeln – von 10 auf 20 Prozent.
Der Zeitung liegt ein Schreiben vor, in dem die Kommissionschefin weitere EU-Abgeordnete über die mögliche Bewilligung informiert. Darin heisst es: «Die Kommission bestätigt die Rolle, die höhere Biokraftstoffbeimischungen in der Entkarbonisierung der bestehenden Flotten spielen können. Als Teil der Revision des politischen Rahmens für Kraftstoffe wird die Kommission eine Zulassung von höheren Ethanolgehalten (E20) in Betracht ziehen, unter Berücksichtigung insbesondere eventueller Probleme im Zusammenhang mit der Eignung von Motoren von Bestandsfahrzeugen für diesen Kraftstoff sowie der Notwendigkeit, Investitionen in fortschrittliche Biokraftstoffe anzureizen.»
Voraussetzung für die Einführung ist eine Anpassung der EU-Kraftstoffqualitätsrichtlinie. Diese schreibt heute schon vor, dass Treibstoffe in der EU zu einem bestimmten Anteil aus nicht-fossilen Quellen bestehen müssen. In Frankreich und Österreich zum Beispiel gibt es Bleifrei 95 oft nur noch als E10. In Deutschland hingegen ist der niedrigere E5-Anteil noch deutlich weiter verbreitet. Für Klimapolitiker Peter Liese von der Europäischen Volkspartei EVP ist das kein Problem. Im Gegenteil: «Biokraftstoffe sind der Billigmacher beim Sprit. Dies passiert sofort und ohne neue Infrastruktur. Das ist ein konkreter Klimaschutzbeitrag, der Millionen von Europäerinnen und Europäern direkt betrifft.»
Wie ist die Lage in der Schweiz?
Hierzulande gelten deutlich andere Bestimmungen als in der EU. So dürfen dem Benzin maximal fünf, Diesel sieben Prozent Biotreibstoffe beigemischt werden. Beim Bioethanol gilt zudem: Es muss aus dem Ausland importiert werden, was nur möglich ist, wenn es aus Abfällen oder Reststoffen hergestellt wird. Biogene Treibstoffe aus Nahrungs- oder Futtermitteln sind verboten. Laut dem Auto Gewerbe Verband Schweiz AGVS betrug 2024 der durchschnittliche Biogen-Anteil im Benzin 3,7 und beim Diesel 6,7 Prozent.
Was ist E20?
E20 ist ein Ottokraftstoff, der aus 80 Prozent herkömmlichem Benzin und 20 Prozent Bioethanol besteht. Der höhere Anteil an biogenem Ethanol senkt die CO₂-Bilanz gegenüber klassischem Superbenzin. E20 gilt als Weiterentwicklung von E10, ist aber bislang noch nicht frei erhältlich.
Ist Bioethanol schädlich fürs Fahrzeug?
Grundsätzlich gilt die Richtlinie: Fahrzeuge, die nach 2012 produziert wurden, sollten die heute verbreiteten Ethanolmengen (E5, E10) gut vertragen. Wer nicht sicher ist, findet den nötigen Hinweis im Tankdeckel. Und auch online lässt sich bei den Herstellern die Verträglichkeit nachschlagen. Eine Übersicht findest du zum Beispiel hier.
Welche Folgen hat es für das Fahrzeug, wenn es nicht für E10 freigegeben ist? Das Bioethanol kann dann korrosiv auf Aluminium wirken oder zu Versprödungen der Elastomer-Dichtungen im Kraftstoffsystem und damit zu Undichtigkeiten im Kraftstoffsystem führen.
Wie die verschiedenen Automodelle auf das höhere Gemisch reagieren, ist abschliessend noch nicht geklärt. So spricht von der Leyen in ihrem Schreiben ja auch explizit davon, dass «eventuelle Probleme im Zusammenhang mit der Eignung von Motoren» berücksichtigt werden müssen.
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