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Diese Kantone sagen dir, wo ihre Blitzer stehen – und diese nicht
Immer mehr Schweizer Regionen publizieren die Standorte ihrer Blitzeranlagen transparent auf ihren Websites. Die Zahl der Kantone steigt von Jahr zu Jahr. Neu dazu könnte auch bald der Kanton Graubünden kommen. Dieser plant im Februar ein Pilotprojekt.
Sie können hinter Büschen, in einer Kurve oder prominent direkt am Strassenrand stehen – Geschwindigkeitsblitzer. In der Schweiz gibt es über 1000 stationäre und mobile Blitzeranlagen, die Geschwindigkeitssünder büssen.
Damit Automobilisten nicht im Dunkeln tappen, publizieren mittlerweile acht von 19 Deutschschweizer Kantonen die Standorte ihrer Anlagen transparent. Das jüngste Mitglied könnte das Bündnerland werden. Wie die Kantonspolizei Graubünden im Rahmen einer Umfrage von STREETLIFE mitteilt, plant diese ein Pilotprojekt, welches ab dem 10. Februar die Positionen ihrer Blitzer bekanntgeben soll.
In welchen weiteren Kantonen du jetzt schon die Blitzer-Standorte online nachverfolgen kannst, zeigen wir dir hier.
Umfrage bei 19 Kantonen

Diese Kantone publizieren ihre Blitzer-Standorte online
| Kanton: | Seit: | Medium: |
| St. Gallen | 2014 | Website & Social Media |
| Schaffhausen | 2015 | Website |
| Luzern | 2021 | Website |
| Schwyz | 2017 | Website |
| Obwalden | 2022 | Website |
| Solothurn | 2021 | Website |
| Baselland | 2023 | Website |
| Basel-Stadt | Website |
Seit 2014 gibt St. Gallen als erster Kanton Auskunft über die Standorte seiner Blitzeranlagen. Allerdings unter gewissen Voraussetzungen, wie es seitens der Kantonspolizei heisst: «Wir geben jeweils nur die Gemeinde, die Ortschaft und die Strasse ohne nähere Angaben bekannt.» Von den Meldungen ausgeschlossen sei das Stadtgebiet.
Die Kantonspolizei warnt: «Da nur die semistationären Messanlagen veröffentlicht werden, müssen Verkehrsteilnehmende jederzeit auch andernorts mit mobilen Messungen rechnen.»
Ähnlich klingt es aus Luzern. Der Zentralschweizer Kanton publiziert seit 2021 seine stationären und semistationären Radarfallen. Wie auch St. Gallen warnt die Luzerner Polizei vor mobilen Verkehrskontrollen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit geschehen können.
Publikation soll Verkehrssicherheit und Sensibilisierung erhöhen
Auf die Frage hin, warum die Standorte offengelegt werden, antworten die Kantone in der Umfrage meist gleich. So heisst es seitens der Kantonspolizei Schwyz: «Insbesondere im Bereich von Schulen und Schulwegen soll der Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmer hochgehalten werden.»
In St. Gallen wolle man zudem die Bevölkerung sensibilisieren: «Das Thema Geschwindigkeit ist eine der Hauptunfallursachen. Damit wollen wir die öffentliche Wahrnehmung aufrechterhalten.»
Auch Vorurteile hinsichtlich Budget-Aufbesserungen sind ein Thema, darum stellt etwa die Schaffhauser Polizei klar: «Damit zeigen wir, dass die semistationären Geschwindigkeitsmessanlagen nicht ein Werkzeug zur Geldeinnahme sind, sondern vielmehr ein wichtiges Instrument der Verkehrssicherheit.»
Aktualisierung findet regelmässig statt
Die publizierten Standorte werden beispielsweise in St. Gallen, Obwalden und Baselland wöchentlich aktualisiert. Gewisse Kantone wie Luzern und Schwyz updaten ihre Daten täglich – oftmals sogar stündlich. Im Kanton Schaffhausen werden die Standorte sogar mittels GPS-Online-Übertragung auf dem neuesten Stand gehalten.
Nur der Kanton Basel-Stadt hält sich mit der Akltualisierung seiner Radarstandorte bedeckt. Gemäss der Homepage fand diese zuletzt im Oktober 2024 statt.
Pilotprojekt endet in Solothurn
Wie Luzern publizierte auch der Kanton Solothurn die Standorte seiner Blitzer erstmals 2021 im Rahmen eines auf drei Jahre befristeten Pilotprojekts. In dieser Zeit wurden sowohl die stationären als auch die semistationären Anlagen auf der Website bekanntgegeben.
Durch die Auswertung der abgelaufenen Testzeit wurde die Publikation der semistationären Anlagen vorübergehend unterbrochen. Die Standorte der 12 stationären Blitzer hingegen werden weiterhin bekannt gegeben. Die Ergebnisse des Pilotprojekts sollen noch im ersten Quartal 2026 folgen.
Radarfallen bleiben in diesen Kantonen geheim
Allerdings: Nicht alle Kantone springen auf den Zug auf, was die transparente Veröffentlichung der Radarfallen angeht. Von 19 angefragten Kantonen gaben zehn Kantone an, die Standorte ihrer Anlagen geheim zu halten.
Diese Kantone halten die Standorte geheim
| Aargau |
| Appenzell Innerrhoden |
| Appenzell Ausserrhoden |
| Bern |
| Glarus |
| Nidwalden |
| Thurgau |
| Uri |
| Zug |
| Zürich |
So schreibt die Kantonspolizei Glarus: «Geschwindigkeitskontrollen basieren darauf, dass deren Ort und Zeit letztlich nicht vorhersehbar sind. Diese Wirkung geht mit einer Publikation verloren.»
Ähnlich klingt es im Kanton Aargau: «Ziel ist es, die Einhaltung von Geschwindigkeitslimits flächendeckend zu fördern und einen ‹Freifahrtschein› für die restlichen Strassen zu vermeiden. Wir wollen die Verkehrssicherheit auf allen Strassen erhöhen und die Anzahl der Unfälle und Verletzten minimieren.»
Dennoch werden potenzielle Publikationen in den einzelnen Kantonen immer wieder beantragt. So auch im Jahr 2022 im Kanton Zug. Im Rahmen eines Postulats prüfte der Kantonsrat eine Veröffentlichung der Standorte von stationären und semistationären Radaranlagen, lehnte den Vorstoss jedoch ab. Damals hielt er fest, dass «unangekündigte Geschwindigkeitskontrollen eine bewährte und wichtige präventive Massnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit darstellen.»
Gesetzeslage zu Blitzerwarnsystemen
2013 wurde in der Schweiz das «Via Sicura»-Paket eingeführt. Seither sind Systeme in Form von Apps, Geräten oder Diensten strikt verboten, die vor Verkehrskontrollen warnen (Art. 98a SVG). Dies ist strafbar und kann mit hohen Bussen, wie auch der Sicherstellung oder Vernichtung der Gerätschaft geahndet werden. Selbst das Mitführen einer solchen Gerätschaft ist schweizweit untersagt.
Auch Social-Media-Gruppenchats auf Whatsapp oder Telegram, in denen vor Blitzern oder Polizeikontrollen gewarnt wird, sind illegal und können mit bis zu 10'000 Franken Geldstrafe gebüsst werden. Bereits in der Vergangenheit machten mehrere Fälle und Verurteilungen Schlagzeilen. Zuletzt 2021: 96 Personen wurden von der Staatsanwaltschaft Sursee zu mehreren hundert Franken Busse verurteilt, weil sie sich über eine Chatgruppe gegenseitig vor Polizeikontrollen warnten.

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