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Politik & Wirtschaft •
Automatisch ausfahrbare Türgriffe

China stoppt Todesfallen

Der grösste Markt der Welt zwingt die Autohersteller zu mehr Sicherheit. China spricht ein Machtwort und die globale Autoindustrie muss kuschen. Elektronisch ausfahrbare Türfallen, welche sich nach einem Unfall nicht manuell öffnen lassen, sind ab 2027 in China verboten.

Der Gedanke ist unerträglich: Nach einem Unfall fängt das Auto Feuer und die automatischen Türgriffe funktionieren nicht mehr. Es gibt kein Entrinnen aus dem Feuerinferno. Auch den herbeigeeilten Ersthelfern gelingt es nicht, die Türen aufzureissen. Das Leben endet im qualvollen Tod. Das New Yorker Automagazin Road & Track berichtete am 8. Januar 2026 über mindestens 15 Todesfälle mit Teslas, weil nach Unfällen die elektrischen Türgriffe nicht mehr funktionierten. Auch bei Herstellern wie Mercedes oder BYD soll es zu fatalen Funktionsausfällen solcher automatisch versenkbaren Türfallen gekommen sein. Nun zwingt der weltgrösste Automarkt China per Gesetz ab 2027 alle Autohersteller, aus Sicherheitsgründen auf solche rein elektrischen Griffe zu verzichten. Hauptgrund des neuen Gesetzes: Erstretter sollen nach Unfällen nicht durch blockierte Autotüren am Einsatz gehindert werden.

Ende der Todesfallen

Wer hätte es vor einigen Jahren für möglich gehalten, dass China zum globalen Vorreiter in Sicherheitsfragen wird. Plötzlich gibt China sicherheitstechnisch den Takt an. Bisher galten vor allem die USA durch ihre wahnwitzigen Produktehaftungen oder die EU-Staaten mit ihrem immer dichteren Regelwerk als besonders hartes Pflaster für die Autohersteller. Jetzt sind es also die Chinesen, welche sich um die Sicherheit der Konsumenten sorgen. Und weil global ausgerichtete Automodelle auf den umsatzrelevanten Automarkt China angewiesen sind, bleibt Herstellern wie Tesla, Mercedes oder BYD nichts anderes übrig, als unter extremen Zeitdruck diese elektrischen Pop-out-Griffe neu zu konzipieren und ab 2027 anzubieten. Gerade für den US-Hersteller Tesla dürfte es zum Kraftakt werden, alle seine Modelle innerhalb dieser kurzen Zeitspanne mit neuen Türfallen auszurüsten.

USA droht. China setzt auf Fleiss.

Während US-Präsident Donald Trump mit spontanen Verfügungen und Strafmassnahmen versucht, konkurrenzierende Wirtschaftsmächte zu verunsichern und in die Knie zu zwingen, agiert die chinesische Regierung eleganter. China vertraut auf die Relevanz des eigenen Marktes und konzentriert sich in erster Linie auf sich selbst. Dort, wo die Chinesen nur beschränkt Einfluss ausüben können, passen sie sich geschmeidig an fremde Gesetze an und verlagern bei Bedarf die Produktionen mitten in fremde Zielmärkte. Amerika setzt aktuell auf eine aggressive Aussenhandelspolitik. China setzt auf Fleiss, Tempo, tiefe Produktionskosten und atemberaubend schnelle Produktentwicklungen. Gerade im globalen Wirtschaftskrieg der Autoindustrie werden Trump und die US-Hersteller von China massiv in die Enge getrieben werden.

200 Elektromotoren im Auto

Das Machtwort der Chinesen bei den automatischen Türgriffen ist also gesprochen. Die Autohersteller werden gezwungen, ihre ausfahrbaren Griffe mit einer mechanischen Notentriegelungen auszustatten. Neu müssen die Türen unabhängig von der Bordelektronik geöffnet werden können. Die Sicherheit der Autofahrer wird sich dadurch erhöhen. Trotzdem wird die chinesische Pflicht zur mechanischen Türöffnung den Trend hin zu immer mehr elektronischen Hilfsfunktionen nicht mehr aufhalten. Mittlerweile sind in extrem gut ausgestatteten Autos der Oberklasse über 200 solcher Elektromotoren verbaut. 

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