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Total verrückt! •
Technisches Versagen

Achtung Navi-Falle: Die gefährlichsten Irrwege der Schweiz

Moderne Navigationsgeräte sind aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Doch wer ihnen blind vertraut, kann schnell in unangenehme – oder sogar gefährliche – Situationen geraten. In der Schweiz gibt es mehrere Orte, an denen Navis regelmässig in die Irre führen.

Navi-Fehler haben viele Ursachen. Mal wird eine Fussgängerzone nicht erkannt, mal ist eine Baustelle nicht registriert.  Sie treten vor allem dort auf, wo die Verkehrsführung komplex ist, etwa bei dicht bebauten Gebieten, unübersichtlichen Ein- und Ausfahrten oder übereinanderliegenden Strassen. «In solchen Situationen kann das System die Position nicht eindeutig bestimmen und falsche Anweisungen geben», erklärt Sarina Keusch vom ASTRA.

Das bekannteste Beispiel: das Wenden im Gotthardtunnel (siehe unten). Besonders Touristen folgen dabei den Anweisungen des Navigationsgeräts, das nach den ersten Kilometern im Tunnel auf einmal die Route über die Passstrasse bevorzugt. Hier also nochmals zum Mitschreiben: Das Wenden im Tunneln ist streng verboten. 

Die BFU empfiehlt generell, das Navi vor der Fahrt einzustellen und während der Fahrt möglichst nicht zu bedienen. Im Zweifel hat die Signalisation vor Ort immer Vorrang vor dem Navi. Denn wer nur dem Bildschirm folgt, übersieht schnell, was direkt vor ihm liegt. Genau das führt zu den spektakulärsten Navi-Fallen der Schweiz. 

Rathaustreppe Luzern 

Mitten in der Luzerner Altstadt sorgt die Rathaustreppe immer wieder für Schlagzeilen. Mehrfach sind Autofahrende den Anweisungen ihres Navis gefolgt und direkt auf der Treppe gelandet. 

Die Geräte erkennen die Fussgängerzone offenbar nicht korrekt und führen durch die engen Altstadtgassen. Wer hier nicht selbst mitdenkt, endet schnell an einem Ort, der definitiv nicht für Autos gedacht ist. 

Zürich-Altstetten – Baustellen und Einbahnchaos 

Altstetten hat sich in den letzten Jahren zu einem echten Problemgebiet für Navigationssysteme entwickelt. Grund dafür sind umfangreiche Bauarbeiten und neue Verkehrsführungen. Viele Strassen wurden zu Einbahnstrassen umfunktioniert, während gleichzeitig neue Velovorzugsrouten eingeführt wurden.  

Für Navis ist diese Dynamik schwer zu erfassen. Baustellen ändern sich laufend, Signalisationen werden angepasst, und nicht alle Systeme sind auf dem neuesten Stand. Das Resultat: Autofahrende landen regelmässig in Einbahnstrassen oder vor unerwarteten Sperrungen. 

Basel / Birsfelden – ADK-Kontrollstelle 

In der Region Basel sorgt eine spezielle Verkehrsanlage für Verwirrung, die viele Navigationsgeräte noch nicht kennen: die ADK.  

In Birsfelden werden Autofahrende immer wieder vom Navi durch Wohnquartiere geleitet, um den Stau von den Kantonsstrassen zu umfahren. Seit der Einführung der automatischen Durchfahrtskontrolle ADK werden seit Herbst 2025 Fahrzeuge erfasst, die das Gebiet nur durchqueren. Wer sich weniger als 15 Minuten im Quartier aufhält, muss mit einer Busse von 100 Franken rechnen. Besonders tückisch ist, dass die Strassen weiterhin befahrbar sind und die Regelung für viele – trotz zahlreicher Schilder – nicht sofort erkennbar ist. 

Gotthard – Wenden im Tunnel 

Zu den spektakulärsten Navi-Fails in der Schweiz gehören die Fälle im Gotthardtunnel. Dort kommt es gemäss der Kantonspolizei Uri regelmässig zu gefährlichen Wendemanövern, bis zu vier pro Monat. 

Ein möglicher Grund liegt in der Technik. Bei gewissen Geräten kann es auf den ersten Kilometern in Fahrtrichtung Süden zu Fehlfunktionen kommen. Das Navi berechnet dann plötzlich eine Route über die Passstrasse und fordert die Autofahrenden mitten im Tunnel auf: «Bitte wenden!». 

Doch nicht immer ist die Technik allein schuld. Auch menschliche Faktoren spielen eine Rolle. Laut der Polizei können Unwohlsein, Platzangst oder der Drang, den Tunnel möglichst schnell zu verlassen, zu solchen gefährlichen Entscheidungen führen.  

Grindelwald – Hoch zur Pfingstegg 

In Grindelwald im Kanton Bern werden Autofahrende regelmässig von ihrem Navi in die Irre geschickt. Besonders betroffen sind die Ausflugsziele Pfingstegg und First. Diese Orte sind eigentlich nicht direkt mit dem Auto erreichbar. Trotzdem führen Navigationssysteme Fahrzeuge immer wieder auf schmale Berg- oder Forststrassen. 

Die Folgen sind mühsam und teuer. Autos bleiben stecken, müssen aufwendig geborgen werden oder geraten in gefährliche Situationen auf engen Wegen. Gerade Touristen unterschätzen dabei oft die Bedingungen im alpinen Gelände. Mittlerweile wurden die Fehlleitungen dank Hinweisen des SRF weitgehend behoben.  

Technische Geräte zählen zu den grössten Ablenkungsrisiken

Wer sich blind auf sein Navigationsgerät verlässt, riskiert Fehlfahrten oder sogar Unfälle.  Der Hauptgrund liegt dabei oft weniger in der Technik selbst als im Verhalten der Verkehrsteilnehmenden. «Unaufmerksamkeit und Ablenkung zählen zu den Hauptursachen für Strassenverkehrsunfälle», sagt Sarina Keusch vom Bundesamt für Strassen ASTRA. Entscheidend sei, dass die Aufmerksamkeit jederzeit vollständig auf das Verkehrsgeschehen gerichtet bleibe. 

Tatsächlich sind Ablenkung und Unaufmerksamkeit in der Schweiz für jährlich rund 1’200 Schwerverletzte und 59 Todesopfer verantwortlich. Besonders heikel: das Bedienen von Navigationssystemen, Radios oder Smartphones während der Fahrt. «Das Bedienen elektronischer Geräte erhöht das Unfallrisiko um den Faktor 2,5», sagt Dani Sacher-Gerber von der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU. 

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