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Verkehr •
Alt, aber sicher

In diesen Kantonen sind die Brücken besonders marode

Viele Schweizer Brücken und Viadukte sind in die Jahre gekommen. Der aktuelle Netzzustandsbericht 2024 des ASTRA zeigt, wo Handlungsbedarf besteht.

Das Nationalstrassennetz umfasst mittlerweile über 16’000 sogenannte Kunstbauten, darunter Brücken, Stützmauern, Tagbautunnel, Galerien oder Wildtierüberführungen. Zwar sind 92 Prozent der Bauwerke in einem guten oder zumindest akzeptablen Zustand, doch der Netzzustandsbericht 2024 des ASTRA zeigt auch, wo in den nächsten Jahren saniert werden muss. Acht Prozent aller Kunstbauten weisen mittelschwere Schäden auf, und 0,5 Prozent gelten offiziell als in schlechtem Zustand. Das klingt wenig, bedeutet aber immerhin 20 Brücken. 

Wo es Handlungsbedarf gibt 

Zwei Drittel aller Brücken in der Schweiz stammen aus der Zeit vor 1980 und sind im Durchschnitt über 50 Jahre alt. Beton ermüdet, Bewehrung korrodiert, Feuchtigkeit dringt ein. Viele Brücken erreichen das Ende ihrer planbaren Lebensdauer. 

Regionale Schwerpunkte lassen sich klar erkennen. In den Kantonen Bern, Wallis und Graubünden befinden sich besonders viele der sanierungsbedürftigsten Brücken. Auf der A13 im Rheinwald etwa laufen umfangreiche Unterhaltsprojekte, die mehrere betroffene Bauwerke umfassen. Auch im Wallis, auf der Strecke zwischen Martigny und dem Grossen St. Bernhard, stehen zahlreiche Brücken in den nächsten Jahren vor umfassenden Arbeiten.  

Besonders brisant ist die Situation im Berner Oberland. Bei der Brücke Büel II bei Kandersteg wurde eine Gewichtsbeschränkung von 20 Tonnen verhängt. Der Zustand der Brücke erfordert besondere Vorsicht, bis die Sanierung – geplant für 2027 und 2028 – durchgeführt werden kann.  

Handlungsbedarf besteht ebenfalls bei der RY Brücke im Kandertal: Hier ist ein vollständiger Ersatzneubau vorgesehen, dessen Hauptbauarbeiten von 2027 bis 2030 stattfinden sollen.  

Auf der Nationalstrasse N6 zwischen Biel und Schönbühl müssen gleich drei Überführungen erneuert werden. Die Brücken Talmatt und Rötler sollen etwa 2030 im Rahmen einzelner Massnahmen saniert werden, während die Sanierung der Überführung Portstrasse bereits 2025 im Zuge einer Gesamterneuerung vorgesehen ist. 

Warum nicht alle Problembrücken sofort saniert werden 

Die Frage, warum nicht sofort alle als kritisch eingestuften Brücken erneuert werden, stellt sich auf den ersten Blick. Das ASTRA erklärt, dass nur eine begrenzte Anzahl von Bauwerken gleichzeitig saniert werden kann, ohne den Verkehr massiv einzuschränken.  

Zudem gilt in der Unterhaltspolitik das Prinzip der gebündelten Erneuerung. So werden nicht einzelne Brücken isoliert saniert, sondern ganze Streckenabschnitte von fünf bis fünfzehn Kilometern umfassend erneuert. Dies schont Ressourcen, reduziert Baustellen und minimiert Staus. 

Ein teures Netz, aber knappe Mittel

Finanziell investiert die Schweiz viel, aber gemessen am Wiederbeschaffungswert der Bauten ist es erstaunlich wenig. 238 Millionen Franken flossen 2024 in den Unterhalt der Kunstbauten. Das entspricht zwar fast einem Fünftel der gesamten Unterhaltskosten für das Nationalstrassennetz, aber nur einem halben Prozent des Wiederbeschaffungswerts. Die Alterung der Bauwerke schreitet schneller voran, als die Erneuerung hinterherkommt. 

Engmaschige Kontrolle für gefährdete Bauwerke 

Die Überwachung kritischer Bauwerke erfolgt engmaschig. Brücken werden alle fünf Jahre umfassend inspiziert und zusätzlich jährlich visuell geprüft. Bei erkennbaren Verschlechterungen werden Intervalle verkürzt und Sensoren eingesetzt, etwa für Vibrations- oder Neigungsüberwachung.  

Die Schäden, die bei Brücken der Zustandsklasse 4 auftreten, reichen von abplatzendem Beton über tiefe Risse bis hin zu fortgeschrittener Korrosion. Trotz dieser Mängel bleibt die Trag- und Verkehrssicherheit laut ASTRA gewahrt. Derzeit ist kein Bauwerk in einem alarmierenden Zustand und müsste unmittelbar gesperrt werden.  

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